Zwischen Himmel und Kühlakkus – Mit der Weisheit des Clowns in Krisen Lebensfreude schaffen

„Antennen auf On“

Wovon lebt die Arbeit als Clown? Es ist die Figur, die erarbeitet wird. Schließlich ist der Clown niemals eine fertige Figur. Dies ist eine Erfahrung, die Martina Spröhnle für sich selbst sicher auch formulieren würde. Sie hatte nie vor, Clown zu werden, wie sie im Buch „Zwischen Himmel und Kühlakkus“ schreibt. Clowns waren ihr lange Zeit zu schrill und zu laut. An Fasching hat sie sich lieber als Prinzessin verkleidet.

Auf ihrem eigenen Weg zum Clown-Sein hat Spröhnle wohl eine Menge Mut gehabt, lange eingeschlagene Wege hinter sich zu lassen. Sie hat unter anderem eine Tätigkeit als Lehrerin hinter sich gelassen. Die innere Freiheit, die sie im eigenen Leben hat walten lassen, hat sie in vielen Situationen auf ihrem Weg zum Clown genutzt.

Von ihrem ersten Clown-Kursus, den sie nur für Männer gegeben hat, berichtet sie: „Männer besitzen oft eine natürlichere Komik“ (S. 25). Vielen Frauen fehle die Freiheit, loszulassen und sich einem Spiel hinzugeben, das die Gefahr in sich berge, als unattraktiv zu erscheinen. Wörtlich: „Wir Frauen sehnen uns oft so sehr danach, schön zu sein, dass wir uns dabei im Wege stehen, wir selbst zu sein“ (S. 25).

Wenn Spröhnle diese Erfahrungen erzählt, wird die Leserin und der Leser nachdenklich, geht in sich. Es geht nicht darum, die Geschlechterdifferenz zum Thema zu machen. Es ist vielmehr die Aufgabe eines jeden, der oder die sich mit dem Clownesken beschäftigt, sich mit dem Loslassen und dem Freiwerden zu beschäftigen. Dabei ist Spröhnle ihren Weg nicht alleine gegangen. Ihre Wegbegleiterin Tanja hat nicht nur am Wegesrand gestanden, sondern sie sind gemeinsame Wege gegangen.

Die Nachdenklichkeit bleibt, wenn Spröhnle über den Humor und die Möglichkeit, Humorfähigkeiten zu erlernen, schreibt. Sie stellt richtigerweise fest, dass es darum geht, den eigenen Handlungsspielraum zu erweitern, „indem man lernt, mit den Impulsen des Moments zu improvisieren und sich damit Inseln der Freude und der Leichtigkeit zu schaffen“ (S. 35). Jeder sei für sich selbst verantwortlich und entscheide über das Aufsetzen der Brille, durch die er die Welt sehe.

In einer solchen Bemerkung steckt eine Menge Sprengkraft. Schließlich fällt es dem Menschen schwer, sich im Alltag aus der Lethargie zu befreien. Bemerkungen dieser Art zeigen, dass es einer subjektiven Positionierung bedarf, um sich weiter zu entwickeln. In dem Buch berichtet Spröhnle viele persönliche Erlebnisse, stellt die Entwicklung des eigenen Clown-Seins in den Kontext der biographischen Meilensteine. Dies gibt dem Buch auch ein Alleinstellungsmerkmal.

Spröhnle zeigt immer wieder, dass sie sehr aufmerksam durch den Alltag und durch die Entwicklung der eigenen Clownsfigur geht. Sie bemerkt mit einer großen Sensibilität, Clowns müssten immer eine besondere Form der Präsenz einnehmen, „bei der all unsere Antennen auf „On“ gestellt sind“ (S. 62).

Martina Spröhnles Buch „Zwischen Himmel und Kühlakkus“ ist ein sehr persönliches Buch. Es zeigt, dass das Clown-Sein und die Entwicklung der Clown-Figur immer in den Kontext mit der eigenen Biographie gestellt werden muss. Es gibt viele Antworten auf Fragen, die sich Menschen stellen müssen, die sich der Kunst des Scheiterns annähern wollen.

Martina Spröhnle: Zwischen Himmel und Kühlakkus – Mit der Weisheit des Clowns in Krisen Lebensfreude schaffen, HCD-Verlag, Tuttlingen 2019, ISBN 978-3-938089-29-3, 99 Seiten, 13.80 Euro.

Christoph Mueller
Über Christoph Mueller 100 Artikel
Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at

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