Zu Fuß hält die Seele Schritt

„Bewegung statt Sitzen, Stille statt Hektik“

„Ich liebe das Zu-Fuß-Reisen. Es ist für mich eine Art Rückkehr zur Langsamkeit, ein Allheilmittel gegen die Stressfaktoren“ – ausdrücklicher hätte das Bekenntnis des Autoren Achill Moser nicht sein können. Das Laufen, das Wandern gehört für Moser einfach zum Leben dazu. Die Begeisterung spüren die Leserinnen und Leser auch. Und es wundert nicht, dass Einzelne auf die Idee kommen, seinen Spuren durch die Welt zu folgen.

Es hat seine Attraktivität, Mosers Wegen nachzugehen. Durch China und Island, durch Marokko und entlang der innerdeutschen Grenze, im mittleren Westen der USA und in Spanien ist er gewandert. Die Bereitschaft, die Vielfalt von Regionen in der Welt kennenzulernen, führt natürlich zu einer Menge Erfahrungen, die das Leben bereichern. Moser lässt die Leserinnen und Leser teilhaben.

In der Gegenwart ist der Begriff der Nachhaltigkeit häufig zu hören. Von Seite zu Seite gewinnen die Leserinnen und Leser den Eindruck, dass das Zu-Fuß-Reisen Mosers diese Bezeichnung verdient haben. Schließlich unterscheidet Moser zwischen dem inneren und dem äußeren Rucksack. Konkret formuliert er: „In meinem inneren Rucksack habe ich dann immer eine Vision, nämlich die Vision eines einfachen und bewussten Lebens, gepaart mit einem respektvollen und nachhaltigen Umgang mit der Natur. Das humane Tempo ist das Maß“ (S. 24).

Angenehm für die Lektüre ist, dass sich die Beschreibungen der Wanderungen durch spezifische Regionen mit Überlegungen zum Gehen und Wandern abwechseln. So finden die Leserinnen und Leser immer wieder eine Gelegenheit, über den Mehrwert des Wanderns nachzudenken. Moser gibt beispielsweise seiner Überzeugung Ausdruck, dass aus der Konzentration auf die eigene Wahrnehmung eine Wiederentdeckung der Natur und der eigenen Ressourcen entstehe. Langsamkeit und Gehen hätten mit Reflexion und Tiefgang zu tun.

Da überrascht es nicht, mit welchen Fotografien das Buch illustriert ist. Die Bilder aus den unterschiedlichen Regionen, in denen Moser gewandert ist, dokumentieren wie die Texte die Entdeckung der Langsamkeit. Es sind Fotografien, die einen sehenswerten Reportage-Charakter haben. Sie erheischen nicht Aufmerksamkeit, sie rufen zur Besinnung und zum Innehalten. Die Tatsache, dass es Schwarz-Weiß-Fotografien sind, unterstreicht den Moment der Langsamkeit.

Beim Wandern scheint Moser sehr bei sich zu sein bzw. sich selbst zu finden. Ihm habe das Gehen „eine Liste der Gegensatzpaare sichtbar gemacht: Bewegung statt Sitzen, Stille statt Hektik, Loslassen statt Festbeißen, Konzentration statt Hyperaktivität“ (S. 126). Durch die Langsamkeit des Gehens habe er erfahren, „dass sich meine Haltung – dem Leben gegenüber – ändert. Sie neigt sich vor allem dann ins Positive, wenn ich mich von der Natur angenommen fühle“ (S. 126).

Mosers Buch sticht aus der Menge an Büchern heraus, die sich mit dem Gehen und Wandern beschäftigen. Die Konkretheit der Wanderungen regt zur Nachahmung an. Immer bleibt er auch derjenige, der es im Alltag braucht, sein Denken und Handeln zu überdenken. Moser blickt auf Vergangenes, genießt den Moment und schaut gleichzeitig nach Perspektiven. So fällt es ihm wohl auch schwer, in seinem Leben irgendwo und irgendwie anzukommen. Er habe akzeptiert, so schreibt er, dass er viel Weg und wenig Ankommen brauche.

Ob sich die Leserinnen und Lesern letztendlich dieser Schlussfolgerung Mosers anschließen, mag dahingestellt sein. Doch ist Moser ein ausgezeichneter Weggefährte, wenn Menschen das Gehen und Wandern als Lebenskunst verstehen.

 

Achill Moser: Zu Fuß hält die Seele Schritt – Gehen als Lebenskunst und Abenteuer, Deutscher Taschenbuchverlag, München 2018, ISBN 978-3-423-34938-3, 262 Seiten, 11.90 Euro

Autor:in

  • Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at

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