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Das vierte Pflegesymposium von Pflege Professionell und der IMC FH Krems präsentierte sich erneut international und voller Inspiration. Über 500 Pflegefachkräfte aus Österreich, Deutschland, Schweiz, Tschechei, Ungarn, Amerika und Italien vernetzten sich im Rahmen der Veranstaltung „Zeit für Pflege“. 40 internationale Expert*innen und Koryphäen präsentierten Ihre Vorträge zu den unterschiedlichsten Themen. Sie waren am Symposium nicht dabei oder konnten nicht alle Vorträge ansehen, die Sie gerne gesehen hätten? Hier ein kurzer Abriss zu den jeweiligen Vorträgen.

Vortragsraum „Die Zukunft der Handlungsfelder 2020“

Prof.in Angelika Zegelin – „Der Wert von Pflege“
zeigte in einem zeitgeschichtlichen Vergleich, via Merkmale in der Pflege, dass es notwendiger den je ist, der Pflege eine Stimme zu geben und die Berufsgruppe in politischen Ebenen genauso aktiver werden muss, z.B. mehr Pflegepersonen, die eine höher akademisierte Ausbildung benötigen oder aber auch in politischen Funktionen mehr eintreten sollten. Pflegende sollten stolz auf ihren Beruf sein.

Prof.in Dr.in Maria Müller-Staub – „Pflegezeit- fünf vor Zwölf“
führte vor, dass der Mangel an Zeit, Personal oder Kompetenz und der Pflege mittels dem Advanced Nursing Process zu besseren pflege-sensitive Patienten-Ergebnissen, erhöhter Präsenz und Wissen führt und mittels dieser individuelleren Pflege Kosten gespart werden können. Dies untermauerte Sie mit zahlreichen statistischen Daten und zeigte damit eindrucksvoll, wie wichtig fundiert ausgebildete Pflegende notwendig sind.

Priv.Doz.in Mag.a Dr.in Berta Schrems MA – „Vulnerabilität in der professionellen Pflegebeziehung“
stellte die Dimensionen der Verwundbarkeit in Bezug zur Integrität dar und dimensionierte die Wichtigkeit dieser Parameter in Bezug zum pflegerischen Kontext. Dies zeigte sie z.B. an Hand der Anamnese, der Biop- und Pathografie zur Resilienzförderung und der Reflexion der eigenen Vulnerabilität.

Prof.in Christel Bienstein – „Was Wissenschaft in der Pflege leisten kann“
referierte über Krankenhaushäufigkeit, Verteilung und die Umsetzung von wissenschaftlichen Studien zur Zeit. Dabei bewies sie die signifikanten Unterschiede zwischen Medizin und Pflege und untermauerte damit die Forderungen ihrer Vorrednerinnen zu mehr höher qualifiziertem Personal im gesamten pflegerischen Kontext. Sie bekräftigte ihre Argumente mit zahlreichen Studien, räumte mit Mythen in der Pflege auf und zeigte dadurch, dass eine Fehlversorgung zur Zeit stattfindet.

Doz.in Mag.a Dr.in Anna Maria Dieplinger – „Die Zukunft der Pflege – Welche Handlungsfelder braucht es?“
beschrieb in Ihrem Vortrag, dass der demographische und gesellschaftliche Wandel zu einer Herausforderung der Gesundheitsversorgung führen muss. Der Vergleich mit anderen Systemen unterstrichen die Ergebnisse ihrer Vorrednerinnen zu einer höheren Ausbildung in der Pflege und dass dies klar unter anderem zu empirischen Ergebnissen wie niedrigere Mortalität, niedrigere Verweildauer und damit zu niedrigeren Kosten führt.

Univ.Prof. Dr.DDr. Ulrich Körtner – „Ethik in der Pflege und Ethik in der Medizin: Sektoren oder Kooperation und organisatorische Anforderungen“
zeigte eindrucksvoll welche Dimensionen Ethik in der Pflege haben kann, führte die Unterschiede zur Medizin-Ethik auf, wies auf welche moralischen und außermoralischen Gründe uns tagtäglich begleiten und stellte Modelle der klinisch-ethischen Urteilsbildung dar. Darüber hinaus erklärte er im Dialog die ethische Entscheidungsfindung bei Studien und bejahte die ständige Auseinandersetzung von ethischen Entscheidungen im pflegerischen Alltag.

Vortragsraum „Demenz & Pflegende Angehörige“

MMag.a Dr.in Elisabeth Rappold – „Die österreichische Demenzstrategie „Gut leben mit Demenz“ Wertschätzung, Achtung und Respekt“
beschrieb in ihrem Vorgang die Erfolge und Herausforderungen der Umsetzung der Demenzstrategie. Sie wies auf die Hürden und Möglichkeiten hin, sowie auf die daraus gewachsene und weiterhin wachsende Homepage www.demenzstrategie.at, wo alle Informationen zu allen Initiativen, Organisationen und Projekten sowie Dokumenten zugänglich sind.

Helga Rohra – „Ja zum Leben – trotz Demenz“
Unter den Demenzaktivisten gibt es weltweit nur zwei Publizisten. Helga Rohra ist eine von ihnen. Sie kämpft auf jährlich bis zu 100 Veranstaltungen und mit ihrem Verein Trotzdemenz e.V. für eine neue Sichtweise auf Menschen mit Demenz. Für ihre Arbeit wurde sie 2014 mit dem Deutschen Engagementpreis ausgezeichnet und 2015 zur Botschafterin für internationales Engagement ernannt. Ihre Biografie, ihre Wünsche und wofür sie sich einsetzt erzählte sie uns in einer mitreißenden Form.

Birgit Meinhard Schiebel – „Quo Vadis? Pflegende Angehörige und Zugehörige – die stärkste Kraft der häuslichen Pflege?“
stellte die Interessensgemeinschaft pflegende Angehörige vor, https://www.ig-pflege.at/, ging auf die Möglichkeiten der Unterstützung für pflegende Angehörige ein, sowie die Forderungen die Interessensgemeinschaft pflegende An- und Zugehörige zu unterstützen. Sie stellte Peter Schaufler vor, der als selbstständiger Pfleger Schulungsseminare anbietet und sein Honorar für 3 Tagesseminare an die Ig pflegende Angehörige spendet.

Dr. Georg Psota – „Demenz : Geschichte-Gegenwart-Zukunft“
beschrieb eindrucksvoll die Geschichte der Demenz, von Dr. Alzheimer’s Forschungen bis zur Gegenwart. Er ging auf die Therapiemöglichkeiten und Perspektiven von damals bis heute ein und brachte eindrucksvolle Fallbeispiele.

Vicky de Klerk Rubin – „Validation helps family caregivers – Validation hilft pflegenden Angehörigen“
Tochter von Naomi Feil, erzählte über die Geschichte der Entstehung von Validation und wie diese Methode eine optimale Unterstützung und eine gelingende Begleitung von Menschen mit Demenz ermöglicht. In eindrucksvollen Beispielen und einer Übung überzeugte sie das voll besetzte Auditorium.

Christian Luksch – „Eine Reise in das Anderland“
referierte über den Film „Anderland“ und die Schwierigkeiten die die Pflege im Umgang mit Menschen mit Demenz hat sowie was sie alles falsch macht.

Vortragsraum „Hauskrankenpflege“

Elisabeth Hirnschall, BSc und Barbara Riegler, BA „Beratungskompetenz in der mobilen Pflege und Betreuung“
berichten über die Implementierung einer eigenen Beratungsleistung in der Hauskrankenpflege bei der Caritas St. Pölten (NÖ). Die Beratung stellt einen wesentlichen Stellenwert in der Kernkompetenz der mobilen Pflege und Betreuung dar und muss auch als Tätigkeit selbst sichtbar gemacht werden.

Michael Tesar „Beatmung in der Hauskrankenpflege“
berichtet über die Möglichkeiten der Beatmung in der Hauskrankenpflege und die Herausforderungen dabei. Größtes Problem stellen dabei vor allem die föderalen Herausforderungen bei der Finanzierung dar, da sehr unterschiedliche Finanzierungsformen in jedem unserer 9 Bundesländer bestehen. So stehen derzeit Beispielsweise auch gerichtliche Verfahren an, da aktuell kaum (Landes-)Regelungen bestehen welche Kosten von den Sozialversicherungsträgern, von den Sozialhilfeträgern (Länder) bzw. von den Betroffenen selbst getragen werden müssen.

Noemi Lehmann, BScN, MScN „ANP und Home Health Care“
ist Pflegeexpertin in der extramuralen Pflege bei Spitex Bern und zeigt in Ihrem Vortrag, dass es in der Hauskrankenpflege „Tausendsassa“ sowie „Vernetzter“ braucht und dies nur mit Flexibilität, Mut und Kreativität möglich ist. Sie vergleicht die Professionisten mit «Künstlerinnen und Künstler» welche unsere Patientinnen und Patienten individuell begleiten.

Bettina Grundmann-Horst „Beziehung – der heilende Aspekt der Pflege!“ 
zeigt auf, welche Bedeutung der Beziehungspflege in der Pflege zukommt, da Beziehung zwischen Pflegenden und Klienten immer satt findet.

Dr. Michael Halmich „Rechtsfragen in der Hauskrankenpflege“
bringt in seinem Vortrag zu den rechtlichen Rahmenbedingungen in der Hauskrankenpflege wichtige Aspekte zu Themen wie Freiheitsbeschränkung, Erwachsenenschutz, Anordnung/Übertragung von Pflegemaßnahmen oder auch zu den neuen gesetzlichen Regelungen im Gewaltschutz und den dazugehörigen Anzeigepflichten.

Vortragsraum „Pflegemanagement“

Dr. Christoph Zulehner „Ist Denken Arbeit? – Neue Ansätze beim Personalbedarf“
Der Autor und Sozialwissenschaftler referiert pointiert, wie es um die Entwicklung eine ausgewogene Work-life-balance aussieht und unter der Überschrift „Denken als Arbeit in der Pflege“ wie wichtig es ist Entscheidungen zu treffen unter Einbezug der erforderlichen bzw. erforderlichen Ressourcen.

Mag. Gabriele Graumann „Gelingende Kommunikation als Voraussetzung für gelingende Pflege“
stellt vor wie wichtige Kommunikation ist und welche Faktoren berücksichtigt werden müssen, damit sie auch gelingen kann.

PhDr. Erich O. Gattner, MSc.“Zahlen, Daten, Fakten und der Umgang im sich verändernden Rollenbild im Pflegemanagement.“
Ein Bericht über die Zusammenlegung das AKH Linz, Landes- Frauen- und Kinderklinik und der Landesnervenklinik Wagner Jauregg und den damit entstanden Herausforderungen bei der Entstehung des Kepler Universitätsklinikums.

Dr. Andrea Kdolsky „Baby Boomer versus Digital Natives – Wer führt wen und wohin?“
berichtet über Führungsaufgaben und Führungskompetenzen und wie wichtig es ist, auf die jeweiligen Entwicklungen und Anforderungen der unterschiedlichen Generationen Rücksicht zu nehmen.

Peter Ullmann, MSc „Clinical Leadership ist keine Option“
beschrieb den Unterschied zw. Management und Leadship sowie die Zusammenhänge von ANP und Leadership. Weiters zeigt er die Studienlage zu Clinical Leaders auf und wie sie erfolgreich die evidenzbasiert Praxis fördern sowie die Ergebnisse der Patienten optimieren.

Vortragsraum „Sonderausbildungen & Ausbildungen der Zukunft“

Kathrin Husi & Denise Schäfer – „Hepatology Nurse – Bericht aus der Schweiz & mögliche Optionen für Österreich
stellten Liver Care Nursing als pflegeeigenes Fachgebiet vor und überzeugten die Zuhörer von der Notwendigkeit der professionellen und spezialisierten pflegerischen Versorgung in diesem Gebiet. Frau Husi stellte ein mögliches Curriculum und die Instrumente zur Entwicklung vor, Frau Schäfer brachte eindrucksvolle Beispiele hinsichtlich der Notwendigkeit dieses Pflegefachgebietes für die Patient*innenversorgung.

Katja Daugardt, MSc – „Community Health Nursing in Deutschland: Chance oder Sackgasse für neue Masterstudiengänge?“
stellte den neuen Studiengang Community Health Nursing vor, der in Deutschland in Zusammenarbeit mit 3 Universitäten entwickelt wurde und in der Uni Witten 2020 starten soll. In ihrem mitreißenden Vortrag ging sie auf internationale Beispiele an Community Health Nursing ein und verwies auf die Notwendigkeit der Einführung und Etablierung von Community Health Nurses im deutschsprachigen Raum.

Univ.Doz. Dr. Gerald Gatterer – „Gerontopsychiatrie – Visionen für einen neuen Weg“
referierte über die Notwendigkeit der unterschiedlichen Perspektiven in der Gerontopsychiartrie. Mit eindrucksvollen und humorvollen Beispielen bewies er, dass Normalität individuell zu verstehen sei und beschwichtigte die zuhörenden Pflegepersonen zuerst sich selbst zu reflektieren bevor Entscheidungen gefällt werden. Denn nicht jeder der stört, sei gleich gestört. Es bedarf der Perspektivensicht, wer sich gestört fühle, der Pflegende, das Umfeld oder der gepflegte Mensch.

Barbara Hahn BSc – „Die Zukunft der Kinderkrankenpflege“
ging auf die Geschichte der Kinder- und Jugendlichenpflege in Österreich, speziell in Wien ein. Die Pflegedirektorin betonte die Notwendigkeit des weiteren Bestehens dieser Spezialisierung der Pflege und unterstrich dieses mit bewegenden Fallbeispielen.

Gerhard Schoßmaier – „Bildungsbedarf von Pflegenden im Kontext psychosozialer Pflegebedürftigkeit psychisch kranker Menschen“
beschrieb die Geschichte der Entstehung der Ausbildung der psychiatrischen Gesundheits- und Krankenpflege. Er erläuterte die Notwendigkeit des Bildungsbedarfs im Bereich der psychiatrischen Gesundheits- und Krankenpflege, sowie auch die Erfordernis der Erhaltung und des Ausbaus dieses Ausbildungszweiges.

Vortragsraum „ANP/APN“

Univ.Prof. Dr. Gerhard Müller, MSc  – „Klinisches Assessment: Der Ertrag der pflegerischen Untersuchung in der Praxis“

teilte die Erfahrungen der UMIT hinsichtlich des Ausbildungsangebotes einer Zertifizierung in Clinical Assessment [CA] mit .Weiters wurden neben grundlegenden Informationen anhand eine Beispiels die Elemente des Clinical Assessments, die Bedeutung und Ziele und v.a. den Nutzen dieser Methode referiert. Sehr spannend war die anschließende Diskussion, CA im Rahmen des pflegediagnostischen Prozesses zu implementieren.

Laura Furler BScN MScN – „Patientenberatung durch ANP (am Beispiel von juvenilen SLE Patienten“.

skizierte anhand eines Beispiels einer jungen Frau mit systemischen Lupus Erythematodes eine Beratung durch ANP (bzw. Sprechstunde mit ANP). Der Vortrag verdeutlichte sehr eindrucksvoll zu einem die Vulnerabilität dieser Patientinnengruppe und anderseits, die Wichtigkeit und Sinnhaftigkeit dieser ambulanten Angebote im Betätigungsfeld einer ANP. Dieser Präsentation lag die Masterarbeit von Fr. Furler zugrunde, die sich mit den Bedürfnissen dieser Frauen hinsichtlich Beratung und Betreuung beschäftigt.

Daniela Lehwaldt PhD MSc – „Internationale APN Perspektiven: CNS oder NP – Wo liegen die Unterschiede?“

diskutierte die internationalen Unterschiede bzgl. APN v.a. hinsichtlich Bildungsinhalt, klinischer Einsatz und Regulierung. Auch wurden Begrifflichkeiten erklärt und CNS und NP gegenübergestellt. Sehr zuversichtlich stimmt die Ankündigung einer Guideline, die anhand von Experteninterviews mit 35 ANP Vertreterinnen und 130 nationalen Pflegeverbänden. Damit sind weitere Schritte hinsichtlich einer Reglementierung für ANP getan.

Mag. Adelheid Schönthaler BSc – „ANP – Master im Gesundheitsbereich“ 

stellte aufgrund wachsender Angebote für ANP Lehrgänge und Studiengänge in Österreich das Masterprogramm ANP in Krems vor. Neben der Darstellung von Kompetenzprofil und inhaltlichen Schwerpunkten des Studienganges, konnten schon erste Erfahrungsberichte hinsichtlich der Forschungsvorhaben (Masterthesen) berichtet werden. Es zeigt sich, dass sich ein Schwerpunkt im Bereich der Schnittstellenproblematik von Behandlungs- oder Versorgungspfade v.a. chronisch kranker Personen abzeichnen wird. Ebenso erfreulich ist der Aspekt, das immer mehr Anfragen für eine gewünschte Zusammenarbeit in div. Projekten an den STG gelangen.

Dr.in Gabriela Schmid-Mohler – „Die Rolle der APN im Management von chronischen Krankheiten – an Beispiel Nierentransplantation und COPD“

stellte anhand der ANP Kernkompetenzen nach Hamric das Betätigungsfeld einer ANP im Setting/Population von chronic care dar. Gleichzeitig wurden 2 ANP Programme bei COPD und Nierentransplantation in ihrer wissenschaftlichen Entwicklung, Implementierung und Evaluierung vorgestellt. Damit wurde sehr eindrücklich aufgezeigt, das APNs in der Lage sind evidenzbasierte Programme zu entwickeln, unter Berücksichtigung der Patientinnenperspektive und Multidisziplinarität.

 

Zusammengefasst von Markus Widhalm, Karin Eder BSc MSc, Alexander Eder MBA, Mag. Adelheid Schönthaler BSc