Wie spricht man am besten über Demenz und Vergesslichkeit?

#demenzRAUM Spezial zum Weltalzheimertag

Es ist nicht egal wie über das Syndrom Demenz und auch über Betroffene gesprochen wird. Kognitive Defizite sind Begleiterscheinung vieler Erkrankungen – so kann auch im hohen Alter die Vergesslichkeit zunehmen. Rechtfertigt dies einen herabwürdigen sprachlichen Umgang mit Betroffenen indem man von „den Dementen“ spricht? Folgt auf diese Art der Kommunikation nicht auch die Handlung? Wie kann Inklusion stattfinden, wenn Betroffene sprachlich ausgegrenzt werden aus der Gesellschaft? Kann unsere Leistungsgesellschaft nicht andere Normen ansetzen und auch einen besseren, wertschätzenden sprachlichen Umgang miteinander führen?

Gerade wie und ob das Wort Demenz noch up-to-date ist und in welchem Kontext es verwendet werden sollte, damit beschäftigte sich der #demenzRAUM Spezial am Weltalzheimertag. Fachexpert*innen und Betroffene diskutierten im Plenum miteinander über die Wichtigkeit, sich auch mit dem Thema der Wortverwendung näher auseinander zu setzen. Auch die Verwendung im Journalismus war ein großes Anliegen.

Es stellte sich sehr wohl heraus, dass es natürlich wichtig ist, wie über Vergesslichkeit und kognitive Störungen – Demenz – gesprochen wird, aber der wichtigste Konsens war vor allem, dass dieses Thema in der Öffentlichkeit viel intensiver bearbeitet werden muss. Peter Wißmann stellte deutlich dar, dass alleine Begrifflichkeiten wie das Wort Demenz viele Menschen ausschließen. Es bedürfe einer einladenden Sprache, gerade zu diesem Thema. Trotz allem einer Sprache die jeder Mensch gut versteht und vor allem nicht missverständlich ist – eine große Herausforderung. Selbst Betroffene, wie Helga Rohra und Angela Pototschnigg, die auch in der Sendung zu Gast waren, haben zur Begriffsverwendung unterschiedliche Ansichten, aber zum Inhaltsverständnis dieselbe Ansicht: Menschen mit einer Demenzdiagnose müssen primär als Menschen gesehen werden. Sie sind nicht handlungsunfähig und können ein wunderbares Leben leben, wenn sie die Unterstützung bekommen die sie brauchen – wenn sie inkludiert werden. Jeder Mensch sollte einbezogen werden und nicht ausgeschlossen.

Gerade Worte formen Bilder und Bilder bleiben in den Gedanken hängen. Unsere Gesellschaft hat ganz falsche Bilder zu Menschen mit Vergesslichkeit. Es ist an der Zeit dies zu ändern. Susanne Herbek, Senior*innenbeauftragte der Stadt Wien und Judith Sandberger vom demenzfreundlichen Wien setzten sich stark für ein Framing des Wortes Demenz ein. Der Prozess der Diskussion über die Begriffsverwendung muss weitergeführt werden, so Herbek.

Die Gefahr in Diskussionen über Kommunikation zum Thema Demenz ist, dass jeder Mensch denkt, es wäre zum Begriff alles verständlich, aber die Gefahr ist doch, dass die falschen Bilder im Kopf erzeugt werden und sobald der Begriff verwendet wird, die Umgebung anders auf den betroffenen Menschen reagiert. Wir müssen genau hinter diese Schubladen schauen und nicht mit dem Wort das Individuum „erschlagen“. Genau gegen diese Schubladen muss vorgegangen werden, so Wißmann. Er vergleicht dies mit dem Begriff „Auto“, da weiß eigentlich auch niemand, was für ein Auto damit gemeint ist. Dies müsste unbedingt verändert werden.

Durch die Änderung der Kommunikation und Begrifflichkeiten können wir auch angemessene Leistungen entwickeln und gegen das Stigma arbeiten. Denn wenn hunderttausende Menschen dieses Wort ablehnen, dann sollte man doch darüber nachdenken, aufzuhören das Wort zu verwenden. Aber es geht nicht um den besten Begriff, sondern um Denkprozesse anzustoßen und Haltungen zu verändern.

Wir bleiben mit dem #demenzRAUM dran und machen weiter! Vor allem aber wollen wir uns auch nochmals bei unseren Gästen: Petra Rösler, Peter Wißmann, Helga Rohra, Angela Pototschnigg, Johanna Püringer, Michalela Defrancesco, Vicki de Klerk-Rubin, Susanne Herbek und Judith Sandberger für diese angeregte Diskussion bedanken!

Gerne zum Nachsehen unter diesem Link: https://youtu.be/A7yxMjOHiYQ

Hier geht es zur Homepage: https://kwp.at/mitwirken/demenzraum/

Über Karin Eder 609 Artikel
Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Advanced Practice Nurse, akademische Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, Demenzberaterin, Direktorin im Haus Hetzendorf, Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser

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