Wie der Daumendruck bei Schmerzen hilft

Die wichtigsten Werkzeuge des Arztes sind seine eigenen Hände: Durch manuelle Methoden können Patienten von Schmerzen und Blockaden befreit werden. Eine alte „Wiener Tradition“…

Wien (OTS) – Es ist eine Rückbesinnung auf die alte „Wiener Tradition der Manualmedizin“ in einer zeitgemäßen Form: Schmerzen und Bewegungseinschränkungen werden im Orthopädischen Spital Speising in Wien heute wieder vermehrt durch konservative, manuelle Methoden therapiert. Denn: sie zeigen große Erfolge.

Generell gilt: Für Patientinnen und Patienten, die an Verspannungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen leiden, führt der erste Weg jedenfalls zum niedergelassenen Orthopäden. Erst wenn kein entscheidender Therapieerfolg im niedergelassenen Setting erreicht wird, kann ein Ambulanzbesuch durch Zuweisung vom Facharzt erfolgen. Hier wird dann über das weitere Procedere (chirurgisch, konservativ) entschieden.

Eine der manuellen Behandlungsformen, die derzeit eine hohe Patientenzufriedenheit aufweist, ist das Fasciendistorsionsmodell, kurz FDM. Der Orthopäde oder Therapeut arbeitet dabei nur mit seinen Händen. Mit dem Daumen werden die verschiedenen Schmerzpunkte und – bänder abgetastet und gleich danach zu diagnostischem und therapeutischem Zweck mit meist starkem Druck behandelt. Der Patient meldet zurück, wo es am meisten schmerzt.

„Da dies eine höchst individuelle Therapieform ist, entscheidet der Arzt, wer für diese Methode in Frage kommt“, sagt Oberarzt Dr. Peter Guglia, der die FDM-Methode in Speising anwendet. „Grundsätzlich aber profitieren viele FDM-Patienten oft schon innerhalb weniger Minuten durch eine Verringerung der große Schmerzlast und Wiedererlangung der Bewegungsfreiheit“.

FDM für den gesamten Bewegungsapparat

Probleme wie Schmerzen und Bewegungseinschränkungen an der gesamten Wirbelsäule, Nacken Schultergürtelbereich, Beckenbereich sowie an oberen und unteren Extremitäten können behandelt werden, berichtet Guglia. Auch bestimmte Formen des Kopfschmerzes zählen zu den Indikationen. Derzeit laufen die ersten klinischen Studien zu dieser manuellen Therapieform.

Im Orthopädischen Spital Speising wird die FDM-Methode an bestimmten Patienten mit Schmerzen als erste „Testung“ und erste Kurztherapie ambulant angewendet; die weiteren Behandlungswege erfolgen beim niedergelassenen, spezialisierten Facharzt oder Therapeuten. Experten, die diese Methode anwenden, finden Interessierte über eine Suchmaschine, die unter www.oss.at/news zugänglich ist.

Integratives Zentrum: Konservativ plus chirurgisch

Die orthopädische Wirbelsäulenabteilung ist für ihre integrativen Ansätze bekannt – so werden etwa Rückenschmerzpatienten in der Wirbelsäulenambulanz immer von zwei Orthopäden begutachtet: einem chirurgischen und einem konservativ-tätigen Facharzt. „Die Therapie-Entscheidung wird dann von diesen beiden Ärzten gemeinsam mit dem Patienten getroffen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Michael Ogon, Leiter des Wirbelsäulenzentrums Wien-Speising.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen