Wie arbeitet die Pflege international und welche Perspektiven zeigen sich für Österreich?

Priv.-Doz.in Mag.a Dr. in Anna Dieplinger , Ass.-Prof. in Dr. in Nadja Nestler, r Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink

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Die berufliche Pflege ist einer der Gesundheitsfachberufe, welcher ein eigenständiger Heilberuf ist, was bedeutet, dass die Berufsangehörigen „ihre Tätigkeiten gemäß Kenntnisstand der jeweiligen Profession selbständig und in eigener Verantwortung ausüben“ dürfen (Meyer 2015). Davon ausgenommen sind heilkundliche Tätigkeiten, die dem Arzt/der Ärztin vorbehalten bleiben bzw. dessen/deren Anordnung bedürfen (ebenda).

Vor dem Hintergrund der sich ändernden Anforderungen an die berufliche Pflege und einem weiteren Anstieg der pflegebedürftigen Personen ergibt sich der Bedarf einer veränderten Pflegepraxis. Dieser Veränderung wurde in Österreich mit der Novelle des GuKG begegnet. Jedoch wird eine gleichzeitige Akademisierung der bisher ausgebildeten diplomierten Pflegenden benötigt, um dem veränderten Bedarf in der Pflegepraxis zu begegnen. Ebenfalls benötigen Pflegende in höheren fachlichen Positionen wie auch Managementstellen spezifische Kenntnisse und Fähigkeiten auf Master- und Doktoratsniveau, um den komplexen Anforderungen gerecht werden zu können.

Das Ziel muss eine Versorgung der PatientInnen auf höchstem pflegerischem Niveau sein. Um diesen Auftrag zu erfüllen, bedarf es eines Kompetenz- und Qualifikationsmixes (Skill- und Grademix) in der Pflege, um auch zukünftig dem Pflegebedarf der PatientInnen gerecht zu werden bei gleichzeitig geringeren Personalressourcen.

Pflege International und Österreich

Während man in den USA schon ab dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts und in UK ab Ende der 1950er Jahre an Universitäten Pflege studierte, war es im deutschsprachigen Raum eine Ausbildung ähnlich einem Lehrberuf (Röhrs, 1987, S. 304 zit. nach Janig, 2008, S. 76) Auch heute ist die Pflege noch nicht vollständig in der Aus-, Fort- und Weiterbildung (Bachelor, Master und Doktorat) an Hochschulen oder Universitäten verankert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits im Jahr 1988 empfohlen, die Pflegeausbildung an Hochschulen zu verorten (Stöcker, 2005, S.18). Ergebnisse von Studien der WHO zeigen, dass Deutschland und Österreich in vielen Bereichen noch deutlichen Aufholbedarf haben. In anderen europäischen Ländern ist der Aufgabenbereich der Pflege erweitert und vertieft worden (Reinhard, 2012, S. 48). Gerade in Österreich sind wir durch den zukünftig zu erwartenden steigenden Pflege- und Versorgungsbedarf gefordert, hier rasch nachzuziehen. Neue Aufgabenfelder und Tätigkeitsbereiche können von der Pflege in der akuten/chronischen und sektorenübergreifenden Pflege- und Gesundheitsversorgung übernommen werden.

Im Rahmen eines pflegewissenschaftlichen Symposiums in Salzburg wurden zu den Themen Forschung, Lehre und Praxis von Beil-Hildebrand (2011) folgende zukünftige Perspektiven erarbeitet:

  • das Grade-Mix und Skill-Mix unter Berücksichtigung eines Primary Nursing,
  • die Etablierung von neuen Berufsfeldern im Gesundheitswesen,
  • der Transfer von Forschungsergebnissen in die Pflegepraxis,
  • die erhöhte Verantwortung und Rechenschaftspflicht
  • sowie die verzweifelte Suche nach Lösungen für den Pflegepersonalmangel.

(Beil-Hildebrand, 2011)

Perspektiven für die Pflege in Österreich

Die teilweise bestehende und künftig noch verstärkte Delegation von medizinischen Tätigkeiten an die Pflege zeigt neue Aufgabenfelder, Tätigkeitsbereiche und Möglichkeiten. International zeigt sich, dass die Tätigkeitsfelder der Pflege je nach Spezialisierung und Fort- und Weiterbildung ausgeweitet werden können. So ist es in den skandinavischen und angloamerikanischen Ländern üblich, dass die Pflege Tätigkeiten in der Primär- und Sekundärversorgung durchführt (Dieplinger, 2017).

Um die Tätigkeitsbereiche der Pflege hier auszubauen bedarf es einer kontinuierlichen Entwicklung und Förderung der professionellen Einsatzmöglichkeiten. Der Einsatz von neuen Berufen in der Versorgung und im Gesundheitswesen kann in einer durchgängigen akademischen Ausbildung vonstattengehen. Hier ist besonders ein effizienter Einsatz der Qualifikationen und in weiterer Folge eine neue Definition dieser Berufe nötig. Für die Praxis bedeutet dies, dass es eine Veränderung im Qualifikationsmix geben wird. Um diese Bildungsveränderung für die Pflegeberufe umzusetzen, kann das Vorbild des International Council of Nursing (ICN, 2017) herangezogen werden:

  1. Nursing Support Worker (angelernte Hilfskräfte)
  2. Licensed Practical Nurse (Assistenzpersonal mit Ausbildung)
  3. Registered Nurse (grundständige Pflegeausbildung zur Berufsberechtigung)
  4. Nurse Specialist (dreijährige Berufsausbildung mit Weiterqualifikation oder Bachelor)
  5. Advanced Nurse Practitioner (Master und Doktorat) (Sahmel, 2014)

Die künftigen Herausforderungen in der Pflege werden sein, dass die Weiterentwicklung von Berufsbildern und Tätigkeitsprofilen in stationären und ambulanten Settings neu definiert wird. lt. Evans und Bräutigam, 2015:

  • neue Tätigkeitsfelder für nicht oder gering qualifizierte Beschäftigte (z.B. Assistenz- und Serviceaufgaben oder Spezialdienste wie PatientInnenbegleitdienste)
  • über die Neudefinition von Tätigkeitsfeldern für Angehörige bestehender Berufe
    (z.B. Stationsmanagement / Stationssekretariat)
  • die Übertragung von Aufgaben vom ärztlichen Dienst auf den Pflegedienst, sowie von der Pflege auf assistierende Berufe und
  • Integration akademischer, berufsbegleitend erworbener Qualifikationen (z.B. Advanced Nurse Practitioner, Case-Management, etc.) (Evans, Bräutigam, 2015)

Es ist davon auszugehen, dass die künftige Zunahme medizinischer und pflegerischer Versorgungsbedarfe der Bevölkerung mit einer Steigerung der Komplexität der Versorgung einhergeht. Die Folge ist, dass in Zukunft eine Neuverteilung der Aufgabenfelder in der Pflege stattfinden muss. Spezielle Tätigkeitsbereiche, die über die Delegation hinausgehen und weitere eigenständige Aufgaben, werden von ExpertInnen für die Zukunft in der Versorgung empfohlen (vgl. Hoffmann et al., 2013, Dreier et al., 2015).

Die Gesundheitsversorgung wird die nächsten Jahrzehnte in Österreich eine große Herausforderung darstellen. Die Pflege wird hier besonders gefragt sein, eine große Rolle hierbei zu spielen. Das heißt, dass die Versorgung von Menschen im klinischen wie im häuslichen Umfeld nicht ohne eine Veränderung der Berufsstruktur und Ausbildung der Pflege einhergehen kann. Der veränderte epidemiologische Wandel (Anstieg der chronischen und altersbedingten Erkrankungen), der Generationenwechsel der VersorgerInnen (47% der HausärztInnen werden künftig in Pension gehen), die Umkehr des Geschlechterverhältnisses (60% der MedizinerInnen – AbsolventInnen sind Frauen), der Generationenwechsel, Veränderungen generell in der Familienstruktur (mehr Singlehaushalte), der Bedarf an multiprofessioneller Versorgung (-sforschung)  und die Änderung der Familienstruktur von Ärztinnen/Ärzten (AlleinerzieherInnen, flexible Arbeitszeitmodelle werden künftig gefordert sein) zeigen schon heute, wo der demographische Wandel uns zwingt, Veränderungen nicht nur anzudenken, sondern umzusetzen. Dem gegenüber stehen die gesellschaftlichen Herausforderungen, die in einer zunehmenden Digitalisierung, in Service von Medizin und Kommunikation, veränderten Berufsbildern und Ausbildung, Urbanisierung, Generation Y und einem Empowerment in der Gesundheitskompetenz, wo „Doktor Google“ erst vor einem Besuch in der Ordination befragt wird (Osterbrink, 2017).

Um all diesen wirklich großen Herausforderungen nur im Ansatz gerecht zu werden, bedarf es einer klaren transparenten und kritischen Auseinandersetzung mit den strukturellen Schwächen des österreichischen Gesundheitswesens. Sektorale Trennungen, Versorgungsdefizite an den Schnittstellen, mangelnde Vernetzung der Subsysteme im Gesundheitswesen, uneinheitliche Dokumentation von Leistungen und Diagnosen, fehlende Outcome-Messungen und Wirksamkeitsnachweise, keine (aktuell wenige) definierte Qualitätsstandards, Schwachstellen in einer integrierten Versorgung (Eger, Sandholzer, 2007). Eine abgestimmte Versorgung kann in einer PatientInnenorientierung, kontinuierlichen, sektorenübergreifenden und integrierten, interprofessionellen Weise  nach standardisierten Behandlungskonzepten (-pfaden) umgesetzt werden (Burkert, 2014)

Konzepte zu einer primären Versorgung werden in Österreich von verschiedenen Perspektiven diskutiert. Auf jeden Fall sollen diese in bestehende Versorgungsstrukturen integriert werden, um dadurch das Gesundheitssystem besser steuern zu können (Lotsenfunktion). Hauptzielgruppe der Versorgung werden chronisch und multimorbid Erkrankte sein. Ziel ist die Minimierung einer stationären Versorgung nach dem Prinzip ambulant vor stationären und präventiven edukativen Aufgaben (Osterbrink, 2017). Welche Rolle letztlich die Pflege in der Primärversorgung spielt ist durch das derzeitige Gesundheits- und Krankenpflegegesetz vorgegeben und räumt hier weitreichende Kompetenzen ein. Zukünftig wird in Österreich Pflege in einer kooperativen Arbeit nicht Arzt-ersetzend tätig sein. Der Einsatz von Pflegenden bietet daher die Möglichkeit, ein weites Leistungsspektrum in Arztpraxen zu erweitern. Das Fachwissen der Gesundheits- und Krankenpflege ermöglicht eine qualitätsgesicherte und bedarfsorientierte Betreuung im Rahmen der Primärversorgung. Die Betreuung von Menschen mit chronischen Erkrankungen in jedem Lebensabschnitt, bei Kindern und Jugendlichen (Einbindung der Eltern in das Therapiekonzept z.B. Diabetes), Beratung über die Anwendung von Pflegehilfsmitteln (z.B. Lagerung nach Schlaganfall), Verbandwechsel bei Wunden, Verabreichung von Infusionen und Injektionen nach Anordnung der Ärztinnen/Ärzte, Erklärung zur richtigen Einnahme von Medikamenten, etc. (Osterbrink, 2017).

Internationale Beispiele zeigen, dass die Pflegekräfte in Arztpraxen (Allgemeinmedizin) einen wichtigen Beitrag leisten können und akademisch ausgebildete Pflegende (inkl. Spezialschulungen) in der Lage sind, hausärztliche Tätigkeiten im Rahmen der Routineversorgung zu übernehmen,  ohne dass negative Konsequenzen für die PatientInnen zu erwarten sind (Abuzahra, 2016). Die Übernahme von ärztlichen Tätigkeiten durch die Pflege ist in vielen Ländern gelebte Praxis. In Österreich zeigt die Situation, dass – meist ausgelöst von Ärztinnen-/Ärztemangel und Versorgungsdefiziten – die Pflege ausbildungsfremde Tätigkeiten übernimmt, um die PatientInnenversorgung zu garantieren (Abuzahra, 2016, Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherung, 2016, S. 15f).

Lösungsansätze zu dieser Problemsituation werden in der Fokussierung auf akademische Ausbildung gesehen. Die auf universitärem Niveau vermittelten Kompetenzen ermöglichen einen fachlich und methodisch qualifizierten Umgang mit pflegerischen Instrumenten. Zielperspektive stellt eine Anreicherung der Beschäftigung durch Ausweitung des Tätigkeitsfelds der akademisierten Pflege dar. Mit diesem Ansatz wäre eine Präzisierung von Primärleistungen, welche von ärztlicher bzw. pflegerischer Seite erbracht werden, verbunden, um die mannigfaltigen Vorteile einer Erweiterung des Leistungsspektrums durch Pflegekräfte nutzen zu können (Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherung, 2016, S. 17).

Aus internationaler Sicht gibt es in der Pflege zwei Kompetenzlevel: General Practice Nurses (auch Primary (Health) Care Nurse genannt) und jenes der Advanced Nurse Practitioners. In einer Studie (Osterbrink, et al., 2017) konnte gezeigt werden, dass eine Tendenz zum vermehrten Einsatz von Advanced Nurse Practitioners besteht. Der Umfang der übernommenen Tätigkeiten reichte von einigen einfachen Aufgaben bis hin zum umfassenden Management inklusive Diagnostik, Therapie, PatientInnenschulungen und Beratungen (Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherung, 2016). Aiken et al. (2014) konnte zeigen, dass mit einem Anstieg der Beschäftigung akademisch ausgebildeter Pflege in Krankenhäusern die 30 Tages Mortalität um 5% gesunken ist. Diese Studie umfasste 168 Krankenhäuser in Pennsylvania und 232.342 PatientInnen (Aiken et al., 2014).

 

Ausbildung für Pflegende in Österreich

Die Tätigkeitsfelder der beruflich Pflegenden sind international wesentlich umfassender. Hier kann im Vergleich zu Österreich festgestellt werden, dass hier viele Best Practice Beispiele für die Pflege abgeleitet werden können. In allen Bereichen – ob akute oder chronische Versorgung – die Arbeitsbereiche der Pflegenden sind vielfältig. Um diese Durchgängigkeit einer pflegerischen Versorgung garantieren zu können, benötigen die beruflich Pflegenden eine entsprechend akademische Ausbildung, die von der grundständigen Berufsausbildung bis hin zu einem Masterstudium und Doktorat reichen. Hier zeigt sich ganz klar ein sehr großes Potential der Versorgung durch die Pflegenden. Ob in einem Angestelltenverhältnis in einer Klinik, Primary Health Care Center oder in einer eigenständigen Praxis, die Tätigkeitsfelder international sind in den USA, UK oder skandinavischen Ländern wesentlich vielschichtiger als dies in Österreich derzeit unter den gesetzlichen Rahmenbedingungen möglich ist (Dieplinger, 2017).

Der Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungen hat 2016 und 2017 eine Studie im Vergleich von medizinischen und pflegerischen Tätigkeitsbereichen in Auftrag gegeben. Hier zeigte sich ganz klar, dass es keinen qualitativ negativen Unterschied macht, wenn die Pflegenden mit einer zusätzlichen Ausbildung zur Advanced Nurse Practitioner in der Versorgung eigenständig eingesetzt werden. Durch Schulungen und mit der Möglichkeit, im Bedarfsfall AllgemeinmedizinerInnen zu kontaktieren, kann der Tätigkeitsbereich für Pflegende ausgedehnt werden. Es zeigt sich sowohl im klinischen als auch patientInnenrelevanten Outcome, dass die PatientInnenzufriedenheit tendenziell bei den Gruppen, die von den Pflegenden betreut wurden, höher sind.  Anzahl und die Dauer der Konsultationen sind tendenziell ebenso in den von Pflegenden betreuten Gruppen höher (vgl. Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherung, 2016, S. 70ff).

Sowohl in den USA, UK und den skandinavischen Ländern ist die akademische Ausbildung der beruflich Pflegenden über Jahrzehnte Tradition. Um tatsächlich einen Versorgungsengpass in der Zukunft vermeiden zu können, sollten wir, wie international vorgelebt, der Pflege wesentlich mehr berufliche Möglichkeiten einräumen als dies jetzt der Fall ist. Mehr eigenständige Aufgabengebiete in der Klinik, Verortung in der Praxis, besonders bei der Versorgung von chronisch erkrankten Menschen, Abrechnungsmöglichkeiten mit den Versicherungsträgern (ähnlich wie Hebammen), Ausbau der primären Versorgungszentren, usw. (Osterbrink et al., 2017)

Derzeitige Ausbildungen zum Master Advanced Nursing Practice (ANP) gibt es in Österreich als Weiterbildungsmaster mit 90 ECTS und als universitären Master mit 120 ECTS. Für ein aufbauendes Doktoratsprogramm sind 300 ECTS (Bachelor mit 180 ECTS und Master mit 120 ECTS) Voraussetzung.

Das Institut für Pflegewissenschaft und -Praxis hat im Frühjahr mit einem Studiengang Master ANP mit 38 TeilnehmerInnen gestartet. Im Oktober 2018 beginnt wegen der großen Nachfrage ein weiteres universitäres Masterstudium ANP (120 ECTS), welches Pflegende für ein Doktoratsstudium (Doctor of Nursing Practice DNP) vorbereitet.

Das Studium bietet zwei Schwerpunkte (acute care und chronic care), ist berufsbegleitend und ist in einer kombinierten Online-Präsenz mit Online-Lerninhalten gestaltet. Das Studium wurde nach den Kriterien der American Association of critical care Nurses (Bell, AACN, 2017) konzipiert.

Notwendige Qualifikation der Pflege nimmt zu – Teams, PatientInnen und Klinik profitieren

Dass ohne weitergehende Qualifizierung bestimmte pflegerische Aufgaben nicht mehr zu stemmen sind, wird allerorten breit diskutiert. „Unsere AbsolventInnen erweitern und ergänzen das Kompetenzspektrum der pflegerischen Teams und erhöhen dessen Wirkungsgrad. Sie qualifizieren die Schnittstelle zur Medizin, sind in der Lage, analytisch zu dokumentieren und so optimierend und innovativ auf Pflegeprozesse und Clinical Pathways zu wirken“, so Jürgen Osterbrink, Vorstand des Instituts für Pflegewissenschaft und -praxis und Vizedekan für Studium und Lehre an der Paracelsus Universität.

Grundvoraussetzung und Basis für diese Tätigkeiten stellt ein Bachelorabschluss dar. Viele Pflegende sind bereits mit einem Bachelor ausgestattet in Kliniken tätig. Allerdings ist diese Qualifikation für eine zentrale Gruppe von Pflegenden nicht verfügbar gewesen, denn im Gegensatz zu den primärqualifizierenden Studienprogrammen gab es für die Gruppe der bereits seit Jahren aktiven Pflegenden kaum Angebote sich mit einem Bachelor nachzuqualifizieren. Für diese Gruppe existiert an der PMU das Bachelorstudium Pflegewissenschaft Online. Das „Online“ im Titel ist hier weniger ein Werbebegriff sondern wirklich Programm, denn das Studium findet zum allergrößten Teil Online im Netz bzw. in virtuellen Settings statt, und ermöglicht den Pflegenden ein Studium komplett vereinbar mit den spezifischen Anforderungen wie der Dienstplangestaltung und natürlich auch mit den Bedürfnissen der Familie.

Ganz aktuell startet ein Programm bei dem über ein spezielles Assessmentverfahren die beruflichen Kompetenzen und Erfahrungen in den Studiengang einfließen können. Mit dieser individuellen Anrechnung der beruflichen Kompetenzen kann nun die immense Erfahrung der Studierenden gewertet werden, und dazu auch das Studium verkürzt werden.

Die Option über einen speziellen Kurs auch ohne Matura oder Abitur  zum Online-Studium Pflegewissenschaft zugelassen zu werden ist bereits seit mehreren Jahren implementiert und sehr erfolgreich. Auch diese Neuerung erlaubte vielen äußerst kompetenten und erfahrenen Pflegenden überhaupt erst den Zugang zu den Hochschulen.

Nach dem Abschluss des Studiums können die AbsolventInnen nun ausgestattet mit einer breiten wissenschaftlichen Basis voller Zuversicht in ein Masterstudium starten. Dass der Nutzen für die Teams auf den Stationen noch größer als allgemein angenommen ausfällt, hat mehrere Gründe. Zum einen ist ein Masterstudium Advanced Nursing Practice ganz auf die praktische Arbeit der PatientInnen ausgerichtet. Zum anderen sind AbsolventInnen sehr gut in der Lage, pflegewissenschaftliche Inhalte und Leistungen an den Schnittstellen zur Medizin, zur Organisation und zur Verwaltung transparent darzustellen. Der Beitrag, den die Pflege zum klinischen Gesamtergebnis positiv beeinflussen kann, ist messbar und belegbar (vgl. Aiken et al., 2014). So sind viele der bisherigen AbsolventInnen der an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität vorangegangen Masterstudiengänge in Führungspositionen, haben eigene Aufgabenfelder in der Klinik und Praxis übernommen und verfügen über eine hohe pflegerelevante und wissenschaftliche Kompetenz. Masterstudierende sind in weiterer Folge eines Studiums im Ph.D. Jahrgang vertreten. Es werden aber auch BewerberInnen von Extern zum Doktoratsprogramm (Nursing and Allied Health Sciences; Doctor of Philosophy Ph.D.; www.pmu.ac.at/phd-pflege.html) zugelassen. Ab 2019 wird ein Doktoratsstudium Doctor of Nursing Practice (DNP) erstmalig im deutschsprachigen Raum angeboten. Im Gegensatz zur patientinnen- / patienten- und familienzentrierten Junior Advanced Nursing Practice mit einem Master Degree geht es bei den Senior Advanced Nursing Practitioners um eine Evaluierung der Pflege auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene.

Weitere Informationen finden Sie unter:

https://www.pmu.ac.at/onlinestudium.html

www.pmu.ac.at/master-anp

https://www.pmu.ac.at/dnp-pflege-und-gesundheitsversorgung.html

https://www.pmu.ac.at/phd-pflege.html

Persönliche Anfragen werden auch gerne per Email  anna.dieplinger@pmu.ac.at oder telefonisch +43 (0)662 2420 – 80360 beantwortet.

Literatur

Abuzahra, M. et al., (2016). Tätigkeiten von Pflegefachkräften in der Hausarztpraxis: Internationale Tätigkeitsprofile und Evidenzlage. Hauptverband der österreichischen Sozialversicherung.

Aiken et.al. (2016). Nursing skill mix in European hospital: cross-secional study of the association with mortality, patient ratings, and quality of care

Aiken, L.H., Sloane, D.M., Bruyneel, L., Van den Heede, K., Griffiths, P., Busse, R., Diomidous, M., Kinnunen, J., Kózka, M., Lesaffre, E., McHugh, M.D., Moreno-Casbas, M.T., Rafferty, A.M., Schwendimann, R., Scott, P.A., Tishelman, C., van Achterberg, T., Sermeus, W., for the RN4CAST consortium (2014). Nurse Staffing and education and hospital mortality in nine European Counties: a retrospective observational study. Lancet, 383, 1824–30. http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(13)62631-8. dl. 2017

Beil-Hildebrand, M.B. (2011). Beruf – Berufung – Profession: die internationalen Bestrebungen der Pflegebildung und –praxis. Symposium-Reader des 1. Pflegewissenschaftlichen Symposiums in Salzburg: Forschung – Lehre – Praxis am 17.10.2011. Salzburg: Paracelsus Medizinische Privatuniversität. Online verfügbar unter: http://www. beil-hildebrand.de/publikationen.html

Bell, L. (2017). American Association of critical care Nurses Scope and Standards for Acute Care Nurse Practitioner Practice, USA 2017

Burkert, N. (2014). Ambulatory Care Sensitive conditions, Campbell BMJ 1998

Dieplinger, A. (2017), Versorgungsforschung pflegewissenschaftliche und methodologische Perspektiven dargestellt an durchgeführten Projekten in Österreich 2012 bis 2016

Dreier, A., Rogalski, H., Homeyer, S., Oppermann, R., Hoffmann, W. (2015) Neue Versorgungs- und Qualifikationsansätze im demografischen Wandel: Die künftigen Aufgabeteilungen im Gesundheitswesen

Eger, Sandholzer (2007). Integrierte Versorgung in Österreich, eine Bestandsaufnahme, Wiener Gebietskrankenkasse

Europäische Gemeinschaften (2009). ECTS- Leitfaden. Eberhardt, D. (2014). Der Blick für das Wesentliche. Pflegepraktiker zu Akteuern einer Evidence-basierten Praxis ausbilden. PADUA, 9(4), 213-221.

Evans, M., Bräutigam, Ch. (2015). Professionalisierung als reflexive Arbeitsgestaltung zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherung, (2016) Projektleitung. Abuzahra, M. et al., (2016). Tätigkeiten von Pflegefachkräften in der Hausarztpraxis

Hoffmann, W., Berg, N. van den, Dreier, A. (2013). Qualifikationskonzept für eine abgestufte Delegation medizinischer Tätigkeiten an nichtärztliche Berufsgruppen. Das „Greifswalder 3-Stufen-Modell“, Bundesgesundheitsblatt, 56 (4), S. 555-561.

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Stöcker. G. (2005). Europäisierung der Gesundheits- und Pflegeausbildung. In M. Landenberger et al. (Hrsg.) Ausbildung der Pflegeberufe in Europa. Schlütersche. Hannover.

 

 

(dieser Artikel ist inhaltlich in der Pro Care Zeitschrift, Heft 5, Juni 2018, Springer Verlag erschienen)

Anna Maria Dieplinger
Über Anna Maria Dieplinger 1 Artikel
Mag.a Dr.in Anna Maria Dieplinger: Abteilungsleitung Masterstudiengänge, Doktoratsstudiengänge und Universitätslehrgänge Paracelsus Medizinische Universität Institut für Pflegewissenschaft und –Praxis, Postdoc für Versorgungsforschung und Palliative Care, Expertin für Gendermedizin, Lehrende an Universitäten und Fachhochschule und Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegeschwester

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