WHO: Über 1 Million afrikanische Kinder durch ersten Malaria-Impfstoff geschützt

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Vor dem Welt-Malaria-Tag (25. April) ruft die WHO zu kontinuierlicher Innovation auf, um Leben zu retten

Während der Welt-Malaria-Tag näher rückt, haben mehr als 1 Million Kinder in Ghana, Kenia und Malawi dank eines von der WHO koordinierten Pilotprogramms eine oder mehrere Dosen des weltweit ersten Malaria-Impfstoffs erhalten. Die im April 2019 erstmals von der malawischen Regierung gestarteten Malaria-Impfstoff-Pilotprojekte haben gezeigt, dass der Impfstoff RTS,S/AS01 (RTS,S) sicher und durchführbar ist und dass er die tödliche schwere Malaria erheblich reduziert.

Diese Ergebnisse ebneten den Weg für die historische WHO-Empfehlung vom Oktober 2021 für den erweiterten Einsatz von RTS,S bei Kindern, die in Umgebungen mit mäßiger bis hoher Malariaübertragung leben. Schätzungen der WHO zufolge könnte der Impfstoff bei weitreichendem Einsatz jedes Jahr das Leben weiterer 40 000 bis 80 000 afrikanischer Kinder retten.

Mehr als 155 Millionen US-Dollar wurden von Gavi, der Vaccine Alliance, bereitgestellt, um die Einführung, Beschaffung und Lieferung des Malaria-Impfstoffs für Gavi-berechtigte Länder in Subsahara-Afrika zu unterstützen. WHO-Leitlinien stehen den Ländern zur Verfügung, wenn sie überlegen, ob und wie sie RTS,S als zusätzliches Instrument zur Reduzierung von Kinderkrankheiten und Todesfällen durch Malaria einführen können.

„Als Malariaforscher in meiner frühen Karriere träumte ich von dem Tag, an dem wir einen wirksamen Impfstoff gegen diese verheerende Krankheit haben würden“, sagte Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO. „Dieser Impfstoff ist nicht nur ein wissenschaftlicher Durchbruch, er verändert das Leben von Familien in ganz Afrika. Es demonstriert die Kraft von Wissenschaft und Innovation für die Gesundheit. Trotzdem besteht ein dringender Bedarf, mehr und bessere Werkzeuge zu entwickeln, um Leben zu retten und den Fortschritt hin zu einer malariafreien Welt voranzutreiben.“

Perspektiven für neue Interventionen
RTS,S ist ein Impfstoff der ersten Generation, der in Zukunft durch andere Impfstoffe mit ähnlicher oder höherer Wirksamkeit ergänzt werden könnte. Die WHO begrüßt die Fortschritte bei der Entwicklung von R21/Matrix-M und anderen Malaria-Impfstoffkandidaten in der frühen klinischen Entwicklung. Der erfolgreiche Abschluss klinischer Studien für diese Impfstoffe wird wichtig sein, um ihre Sicherheits- und Wirksamkeitsprofile zu bewerten. Die WHO begrüßt auch die Nachricht von BioNTech, Hersteller des Pfizer-BioNTech COVID-19-Impfstoffs, dass das Unternehmen die Entwicklung eines Malaria-Impfstoffs unter Verwendung der mRNA-Technologie anstrebt.

Auf dem Gebiet der Vektorkontrolle wurde der WHO eine Reihe neuer Instrumente und Technologien zur Bewertung vorgelegt. Sollten sie sich bei der Bekämpfung der Krankheit als wirksam erweisen, wird die WHO neue Empfehlungen formulieren oder bestehende ändern, um ihren Einsatz zu unterstützen. Dazu gehören beispielsweise neuartige mit Insektiziden behandelte Netze, räumliche Mückenschutzmittel, Gene-Drive-Ansätze und Zuckerköder, die Anopheles-Mücken anlocken und töten sollen.

Auch neue Medikamente sind in der Pipeline. Die WHO begrüßt die jüngste Zulassung von dispergierbaren Tafenoquin-Tafenoquin-Tabletten zur Vorbeugung von P. vivax-Malaria bei Kindern durch die Australian Therapeutic Goods Administration. Tafenoquine wurde auch von der US-amerikanischen Federal Drug Administration und von Arzneimittelzulassungsbehörden in anderen Ländern, darunter Brasilien, Peru und Thailand, für die Anwendung bei Erwachsenen zugelassen. Als Einzeldosis soll Tafenoquin die Therapietreue der Patienten unterstützen. Der derzeitige Behandlungsstandard erfordert eine 7- oder 14-tägige Medikation.

Eine Reihe weiterer Malariamedikamente mit neuen Wirkmechanismen werden zur Behandlung von unkomplizierter und schwerer Malaria entwickelt. Ganaplacid-Lumefantrin, das sich derzeit in einer klinischen Phase-II-Studie befindet, ist die erste Nicht-Artemisinin-Kombinationstherapie und könnte im Kampf gegen die aufkommende arzneimittelresistente Malaria in Afrika von Vorteil sein.

Neben der Arzneimittelresistenz hat die WHO über andere dringende Bedrohungen im Kampf gegen Malaria berichtet, wie z die Wirksamkeit diagnostischer Schnelltests untergraben. Innovation bei Tools und Strategien wird entscheidend sein, um diese Bedrohungen einzudämmen, zusammen mit einer strategischeren Nutzung der heute verfügbaren Tools.

Weitere Investitionen erforderlich
Laut dem World Malaria Report 2021 haben sich die weltweiten Fortschritte bei der Reduzierung von Malariafällen und Todesfällen in den letzten Jahren verlangsamt oder sind ins Stocken geraten, insbesondere in den Ländern, die am stärksten von der Krankheit betroffen sind. Der Bericht weist auf die Notwendigkeit kontinuierlicher Innovationen in der Forschung und Entwicklung neuer Instrumente hin, wenn die Welt die 2030-Ziele der Malaria-Strategie der WHO erreichen soll.

Die Mittel für malariabezogene Forschung und Entwicklung beliefen sich 2020 auf knapp über 619 Millionen US-Dollar. Im Zeitraum 2021–2030 werden durchschnittliche jährliche F&E-Investitionen von 851 Millionen US-Dollar benötigt.

Bessere Nutzung der Tools, die wir jetzt haben
Das Erreichen der globalen Malariaziele erfordert auch Innovationen in der Art und Weise, wie derzeit verfügbare Instrumente eingesetzt werden. Durch den von der WHO und der RBM-Partnerschaft zur Beendigung von Malaria im Jahr 2018 eingeführten Ansatz „Hohe Belastung zu hoher Wirkung“ haben die von Malaria am stärksten betroffenen Länder Malariadaten gesammelt und analysiert, um die geografische Ausbreitung der Krankheit besser zu verstehen.

Anstatt überall den gleichen Ansatz zur Malariakontrolle anzuwenden, ziehen sie die potenziellen Auswirkungen maßgeschneiderter Interventionspakete in Betracht, die auf lokalen Daten und dem lokalen Krankheitsumfeld basieren. Diese Analysen werden es den Ländern ermöglichen, verfügbare Mittel effektiver, effizienter und gerechter einzusetzen.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)