WHO 2022: Gesundheitsdienstleister dabei unterstützen, positive Veränderungen herbeizuführen: Die WHO führt neue Schulungsinstrumente zur Prävention und Pflege von weiblicher Genitalverstümmelung ein

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Zwei neue Instrumente werden von der WHO und HRP eingeführt, um Gesundheitsdienstleister dabei zu unterstützen, Mädchen und Frauen, die weiblicher Genitalverstümmelung ausgesetzt waren, die bestmögliche Versorgung zu bieten – und um auch die weltweiten Bemühungen zur Beendigung dieser schädlichen Praxis und Menschenrechtsverletzung zu unterstützen.

Diese sind: Personenzentrierte Kommunikation zur Prävention von weiblicher Genitalverstümmelung: Ein Leitfaden für Moderatoren zur Schulung von Gesundheitsdienstleistern und Integration von Inhalten zu weiblicher Genitalverstümmelung in Pflege- und Hebammencurricula: ein praktischer Leitfaden

Über die Heilung körperlicher Verletzungen hinaus haben Gesundheitsdienstleister das Potenzial, Unterstützung bei den vielfältigen Komplikationen zu leisten, die weibliche Genitalverstümmelung für Mädchen und Frauen verursachen kann – einschließlich negativer Auswirkungen auf die körperliche, geistige und sexuelle Gesundheit. Sie können auch eine wichtige Rolle dabei spielen, die Einstellung der Menschen in ihrer Obhut positiv zu beeinflussen und zu ändern, um neue Fälle von weiblicher Genitalverstümmelung zu verhindern.

Doch Gesundheitsdienstleistern fehlt es oft an der Unterstützung und Schulung, die sie benötigen, um dieses Potenzial auszuschöpfen. Darüber hinaus gibt es in den letzten Jahren einen zunehmenden Trend zur sogenannten „Medikalisierung“ der weiblichen Genitalverstümmelung – wenn Gesundheitsdienstleister selbst die schädliche Praxis durchführen.

Der neue Leitfaden Personenzentrierte Kommunikation zur FGM-Prävention: ein Leitfaden für Moderatoren zur Schulung von Gesundheitsdienstleistern hilft Gesundheitsdienstleistern, ihre eigenen Werte gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung zu überprüfen und ihr Wissen und ihre Fähigkeiten aufzubauen, wie sie ihre Klienten dazu befähigen können Entscheidungen treffen, um diese schädliche Praxis zu beenden.

Der Schulungsleitfaden empfiehlt Gesundheitsdienstleistern, einen personenzentrierten Ansatz zu verwenden, um ihnen dabei zu helfen, auf effektive, einfühlsame und sensible Weise mit ihren Kunden zu kommunizieren. Nach Erhalt dieser Schulung wissen die Teilnehmerinnen, wie sie die Ansichten von Frauen über FGM während einer klinischen Konsultation, einschließlich Schwangerschaftsvorsorgebesuchen, diskutieren können, und wie sie Frauen ermutigen können, ihre Ansichten über FGM zu überdenken, und sie befähigen, die Praktik aufzugeben. Schließlich wären die Teilnehmer in der Lage, über die ethischen Implikationen der medikalisierten weiblichen Genitalverstümmelung nachzudenken und, was entscheidend ist, Wege zu lernen, wie sie Aufforderungen zu ihrer Durchführung widerstehen können.

Christina Pallitto, Wissenschaftlerin bei WHO und HRP und Expertin für weibliche Genitalverstümmelung, kommentiert: „Die Position der WHO ist klar: Es gibt keine Rechtfertigung – weder medizinisch noch anderweitig – für die Durchführung weiblicher Genitalverstümmelung. Es verursacht nur Schaden und ist eine schwere Verletzung der Menschenrechte.

Aber es kann für medizinisches Personal schwierig sein zu wissen, was zu tun ist, wenn eine Familie sie um FGM bittet. Dieses neue Training hilft ihnen zu lernen, wie man „nein“ sagt – und vor allem, wie man den Menschen in ihrer Obhut zuhört und ihre Meinung ändert, alles mit einem personenzentrierten Ansatz.“

Untersuchungen haben gezeigt, dass es in den Ausbildungslehrplänen für Hebammen und Krankenschwestern oft auch an konsistenten Informationen darüber mangelt, wie weibliche Genitalverstümmelung verhindert und Mädchen und Frauen betreut werden können, die mit ihren vielfältigen negativen Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden konfrontiert sind.

Die WHO hat jetzt einen praktischen Leitfaden veröffentlicht: Inhalte zu weiblicher Genitalverstümmelung in Krankenpflege- und Hebammencurricula integrieren, um diese Lücke in der Ausbildung zu schließen. Dieser Leitfaden beantwortet nun auch Anfragen aus Ländern nach mehr Anleitung zur systematischen und nachhaltigen Integration von Inhalten zur Prävention und Pflege von weiblicher Genitalverstümmelung in Hebammen- und Krankenpflege- sowie andere Gesundheitsanbieter-Lehrpläne.

Dieser neue Leitfaden empfiehlt, dass Schulungsinhalte zur Behandlung und Pflege von weiblicher Genitalverstümmelung in die Lehrpläne integriert werden, erkennt aber auch an, dass dies möglicherweise nicht für alle Länder machbar ist. Es enthält Beispiele für verschiedene Ansätze, die als Zwischenlösungen in Betracht gezogen werden können, sowie einen Inhaltsleitfaden für die Entwicklung und Durchführung eines zweitägigen Trainings, wenn Lehrmittel dringend benötigt werden, während Inhalte vollständiger in Lehrpläne integriert werden.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)