Wenn´s alleine zuhause nicht mehr geht – Mobile Pflege und Betreuung in Österreich

(C) Alex Raths

Krankenhausaufenthalte werden immer kürzer. Menschen mit hohem Pflege und Betreuungsbedarf möchten zuhause bleiben können und auch über einen langen Zeitraum zu Hause gepflegt und betreut werden. Trotz veränderter Lebenssituationen aufgrund von Krankheit, Behinderung oder altersbedingten Bedürfnissen gestattet mobile Pflege & Betreuung älteren und/oder pflegebedürftigen Menschen einen selbst bestimmten Verbleib in der gewohnten Umgebung bis ins hohe Alter und ermöglicht jene persönliche Betreuung, die sie wünschen und benötigen.

Diese und noch viele Gründe mehr zeigen eindeutig welchen wichtigen Standpunkt mobile Pflege und Betreuung in Österreich einnimmt. Durch professionelle Pflege werden KlientInnen sowie deren Angehörige in vielen verschiedenen Aspekten der Hauskrankenpflege unterstützt. Durch fachgerechte Pflege und Betreuung soll ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden erhalten bleiben und die zu Pflegenden müssen nicht auf die gewohnten Kontakte mit Familie, Nachbarn und Freunden verzichten.

In der Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG zwischen dem Bund und den Ländern über gemeinsame Maßnahmen für pflegebedürftige Personen haben sich die Länder verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass die sozialen Dienste dezentral und flächendeckend angeboten werden. Dabei wird der Ansatz von Case- und Caremanagement verfolgt. Das heißt: Die sozialen Dienstleistungen sind auf die Bedürfnisse der KlientInnen abgestimmt.

Die Tätigkeit der mobilen Pflege- und Betreuungsdienste erfolgt auf Grundlage der geltenden gesetzlichen Bestimmungen, insbesondere der Sozialhilfegesetze (SHG – in der geltenden Landesfassung), der Sozialbetreuungsberufegesetze (SBBG – in der geltenden Landesfassung) und des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes (GuKG) sowie der „Förderrichtlinien“ für mobile Pflege- und Betreuung in den jeweiligen Bundesländern.

Hauskrankenpflege steht auch an Wochenenden und Feiertagen zur Verfügung, allerdings gibt es im Rahmen der mobilen Pflege und Betreuung keine Betreuungsmöglichkeiten in der Nacht. In der nachstehenden Auflistung werden die Leistungen angeführt, die in vielen Bundesländern zur Verfügung stehen, wobei die Benennung in den einzelnen Leistungen in den Bundesländern unterschiedlich ausfallen kann.

  • Hauskrankenpflege
  • Psychiatrische Hauskrankenpflege
  • Kinderhauskrankenpflege
  • Heimhilfe
  • Besuchs- und Begleitdienste
  • Organisations- und Beratungsleistungen

Zusätzlich gibt es bundesweit die Leistung Medizinische Hauskrankenpflege, welche teilweise von den Sozialversicherungsträgern finanziert wird. Diese Leistung umfasst ausschließlich medizinische Tätigkeiten wie z.B. Verbandwechsel, subcutan Injektionen und wird als Ersatz für einen Krankenhausaufenthalt (spitalsersetzend) bewilligt. Die Grundlage für diese Leistung ist in den jeweiligen Sozialversicherungsgesetzen geregelt. Die Finanzierung der Sozialversicherungsträger ist allerdings nicht kostendeckend und somit muss in den einzelnen Bundesländern auch von den Sozialhilfeträgern ein gewisser Kostenanteil übernommen werden. Medizinische Hauskrankenpflege wird vom den niedergelassenen ÄrztInnen bzw. dem Krankenhaus verordnet und muss in bestimmten Fällen auch von der zuständigen Sozialversicherung bewilligt werden. Hinsichtlich Kostenbeitrag durch die KlientInnen wird die Leistung in manchen Bundesländern (z.B. in Wien) wird Medizinische Hauskrankenpflege kostenfrei angeboten. In anderen Bundesländern muss auch von den KlientInnen ein Kostenbeitrag entrichtet werden.

Mobile Pflege und Betreuung wird von Dipl. Gesundheits- und Krankenpflegepersonen, PflegeassistentInnen und HeimhelferInnen durchgeführt. Neben hohen qualitativen Vorgaben und Ansprüchen steht dabei die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Berufsgruppen wie etwa den betreuenden niedergelassenen Ärzten (HausärztInnen, FachärztInnen), PhysiotherapeutInnen, welche für eine optimale Versorgung zuhause unumgänglich ist, im Vordergrund.

Ein wesentlicher Grundsatz ist „Ambulant vor Stationär“. Dies bedeutet, dass sämtliche Möglichkeiten die in der mobilen Pflege und Betreuung – und darüber hinaus –  zuhause zur Verfügung stehen ausgeschöpft werden müssen/sollen, bevor eine Aufnahme in einer stationären Wohnform (Pflegewohnhaus, Pflegeheim, Hausgemeinschaft, etc.) in Betracht gezogen werden sollte.

Nachdem es sich um eine Dienstleistung handelt die von vielen unterschiedlichen Organisationen erbracht wird, müssen auch Art und Ausmaß der Dienstleistung gemeinsam zw. KlientIn und der betreuenden Organisation, nach dem jeweilig vorhandenen Bedarf, festgelegt werden. In den meisten Bundesländern ist es auch möglich, dass sich die KlientInnen die betreuende Organisation selbst aussuchen bzw. wählen. Allerdings gibt es auch Bundesländer in denen diese freie Wahl nicht möglich ist und in den jeweiligen Sprengeln oder Gemeinden eine Organisation für Pflege und Betreuung zuständig ist.

Beratung hinsichtlich Pflege und Betreuung wird in ganz Österreich angeboten. Allerdings sind diese Beratungsleistungen je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. So wird sie beispielsweise in Wien gratis durch den Fonds Soziales Wien – den Sozialhilfeträger der Gemeinde Wien – angeboten. In den anderen Bundesländern werden Beratungsleistungen jedoch meist durch die betreuenden Organisationen, wie beispielsweise dem Roten Kreuz, dem Hilfswerk, der Caritas, der Volkshilfe oder anderen, durchgeführt.

Das erforderliche Pflege- und Betreuungsausmaß hängt primär vom tatsächlich Bedarf der/des KlientIn ab und erst sekundär von der vorhandenen Pflegegeldstufe. Dies bedeutet, dass auch KlientInnen die keinen Anspruch auf Pflegegeld haben (z.B. kurzfristige Pflegebedürftigkeit, die kürzer wie 6 Monate andauert – wie beispielsweise nach einem Autounfall) oder wenn eine Pflegegelderhöhung im Laufen ist, jedoch noch nicht abgeschlossen ist, trotzdem die erforderliche Pflege und Betreuung in Anspruch nehmen können.

Welche Pflege- und Betreuungsleistungen werden also erbracht um eine optimale Versorgung zu ermöglichen:

  • Durchführung der erforderlichen Pflegemaßnahmen (Wundversorgung, Injektionen, Blutzucker- und Blutdruckkontrolle, Körperpflege, Mobilisation,…)
  • Durchführung der erforderlichen Betreuungsmaßnahmen (Haushaltsführung, Besorgungen, Einkaufen, Begleitung zum Arzt oder in die KH-Ambulanz,…)
  • Organisation der erforderliche Pflegebehelfsartikel (wie Inkontinenzmaterial, Pflegemittel,…)
  • Kontaktaufnahme mit den betreuenden ÄrztInnen
  • Beratung und Unterstützung bei Pflegegeldanträgen (Erst- bzw. Erhöhungsantrag)
  • Beratung der KlientInnen und deren Angehörige zu den Fördermöglichkeiten in den jeweiligen Bundesländern
  • Gesundheitsvorsorge
  • Beratung zur Sturzvermeidung und Wohnraumadaptierung
  • Vorbereitung und Durchführung einer reibungslosen Krankenhausentlassung

Nachdem mobile Pflege und Betreuung aus den Sozialhilfetöpfen der Länder finanziert wird, ist auch hier mit Kosten zu rechnen. Diese Kosten werden in den meisten Bundesländern unter anderem nach der Höhe des Einkommens, dem Familienstand und der Art und Menge der in Anspruch genommen Leistungen berechnet und sind sozial gestaffelt. Ein gewisser Anteil der anfallenden Kosten wird in der Regel auch durch das Pflegegeld abgedeckt. Die anteiligen Kosten die von den KlientInnen zu tragen sind, fallen je nach Bundesland unterschiedlich hoch aus, obwohl ggf. die gleiche Art und der gleiche Menge der Pflege- und Betreuungsmaßnahmen erbracht wurden. Dies ist darin begründet, da jedes Bundesland eigene sozial gestaffelte Kostenbeitragsmodelle hat.

Nur in sehr bestimmten Fällen sind keine Kosten zu bezahlen (in Wien z.B. wenn der Bezug von Mindestsicherung vorhanden ist, aber kein Anspruch auf Pflegegeld besteht). Die Verrechnung erfolgt nach den tatsächlich an der/dem KlientIn erbrachten Stunden inklusive einer (tlw. pauschalierten) Wegzeit.

Im Gegensatz zur stationären Pflege und Betreuung erfolgte auch in der Vergangenheit in der mobilen Pflege und Betreuung in der Regel jedoch kein Zugriff vom Sozialhilfeträger auf das Vermögen der zu Betreuenden.

Ab Jänner 2018 wird jedoch auch in der stationären Pflege und Betreuung dieser Vermögensregress (Pflegeregress) abgeschafft. Das heißt, dass die Sozialhilfeträger – in Wien ist dies z.B. der Fonds Soziales Wien – für Leistungen ab 1. Jänner 2018 nicht mehr auf das Vermögen von Personen zurückgreifen dürfen, die in einer Wohn- und Pflegeeinrichtung betreut werden. Weiterhin geben wird es jedoch einen Kostenbeitrag aus Einkommen und Pflegegeld. Die Differenz zu den tatsächlichen Kosten tragen in den zuständigen Bundesländern die jeweiligen Sozialhilfeträger. Derzeit wird in der Regierungsbildung diskutiert, ob jedoch auch der 13. und 14 Monatsgehalt, der bisher den BewohnerInnen verblieben ist, für die Finanzierung in herangezogen wird.

Ein wichtiger Eckpfeiler in der Soziallandschaft in Österreich stellen Tagesbetreuungsstätten bzw. Tageszentren für Seniorinnen und Senioren dar.

Tageszentren für SeniorInnen

Dies sind Einrichtungen, in denen Seniorinnen und Senioren tagsüber betreut werden. Die Leistungen umfassen grundsätzlich auch ein Abhol- bzw. Heimtransport-Service, Verpflegung, bedarfsgerechte Pflege sowie je nach Bedarf und Interesse Ergo-, Physio- oder Psychotherapie, Ausflüge, Veranstaltungen und Beratung für pflegende Angehörige.

Das Betreuungsangebot in einem Tageszentrum besteht in der Regel werktags von 8:00 bis 17:00 Uhr. Gemeinsame Mahlzeiten wie Frühstück, Mittagessen, Jause strukturieren den Tag in dieser teilstationären Einrichtung. Dazwischen bleibt Zeit für Einzel- oder Gruppenangebote, wie z.B. Gedächtnistraining, Gesprächsrunden, Musik, kreatives Werken, Gymnastik oder Spaziergänge. Dadurch erhöht sich auch die Chance möglichst lange im vertrauten Zuhause leben zu können. Darüber hinaus ist die teilstationäre Betreuung eine vergleichsweise kostengünstige Form der institutionalisierten Pflege und Betreuung älterer Menschen.

Auf der anderen Seite bedeutet es für pflegende Angehörige Unterstützung und Entlastung, die Mutter oder den Vater tagsüber in „guten Händen“ zu wissen. Dies kann es auch ermöglichen einem Beruf nachzugehen oder einzelne „pflegefreie Tage“ zu gewinnen.

Essen auf Rädern
Personen, die nicht in der Lage sind, sich eine warme Mahlzeit zu beschaffen, können vorübergehend oder ständig „Essen auf Rädern“ in Anspruch nehmen. Angeboten werden Normal-, Diabetiker- und leichte Kost. Dies täglich oder einmal die Woche in tiefgekühlter Form.

Wissenswertes zur mobile Pflege und Betreuung in den einzelnen Bundesländern:

  • Burgenland

Im Burgenland wird zw. Hauskrankenpflege und Heimhilfeleistungen unterschieden. Hauskrankenpflege wird je nach Kompetenzbereich durch diplomiertes Gesundheits- und Krankenpflegepersonal oder durch PflegeassistentInnen erbracht und bietet fachgerechte Pflege (wie Verbandswechsel, Wundpflege, Verabreichung von Insulin, Stomaversorgung, etc.) sowie kompetente Beratung der KlientInnen und deren Angehörigen. In der Heimhilfe wird Unterstützung bei alltäglichen Verrichtungen (wie hauswirtschaftliche Tätigkeiten, einfache Körperpflege, An- und Auskleiden,…) angeboten.

Die Inanspruchnahme der Dienste erfolgt bei einer der Trägerorganisationen, worauf Diplompflegepersonal anlässlich eines kostenlosen und unverbindlichen Erstbesuches den individuellen Pflege- und Betreuungsbedarf erhebt, bzw. die Angehörigen beraten und ihnen wertvolle Anleitungen zur richtigen Pflege geben kann.

Information über das Angebot an sozialen Diensten im Burgenland bietet das Amt der Burgenländischen Landesregierung und auch die Leistungserbringenden Trägerorganisationen wie das Rote Kreuz Burgenland selbst.

Ein Teil der Gesamtkosten wird vom Land Burgenland getragen. Der hilfebedürftigen Person werden landeseinheitlich geregelte Stundensätze für die reine Pflegezeit (ohne Fahrtzeit) in Rechnung gestellt, und zwar für die Diplompflege 25,90 Euro, für Pflegeassistenz 20,90 Euro und für die Heimhilfe 16,90 Euro.

Wird vom Pflegebedürftigen ein Zuschuss aus der Sozialhilfe beansprucht, so muss ein entsprechender Antrag bei der Bezirksverwaltungsbehörde eingebracht werden. Übersteigen die Kosten einen vom jeweiligen Einkommen und dem Pflegegeld abhängigen „zumutbaren Kostenbeitrag“, wird die Pflege von der Behörde bescheidmäßig zuerkannt und die Gesamtkosten – vorbehaltlich der Rückverrechnung eines Kostenbeitrages mit dem Pflegebedürftigen – vorläufig übernommen.

Informationen zur Hauskrankenpflege im Burgenland: https://www.burgenland.at/gesundheit-soziales-arbeit/gesundheit/hauskrankenpflege/ambulante-pflege-und-betreuungsdienste/

  • Niederösterreich

Das Land NÖ bietet für seine BürgerInnen eine sogenannte Pflegehotline an. Die Pflege-Hotline bietet pflegebedürftigen Menschen, deren Angehörigen und allen Personen, die mit Problemen der Pflege befasst sind, Beratung zum Thema Pflege und Betreuung an. Die Beratung erfolgt kostenlos durch MitarbeiterInnen des Amtes der NÖ Landesregierung. Erreicht werden kann die Pflege-Hotline unter der Telefonnummer 02742 / 9005 – 9095 von Montag – Freitag in der Zeit von 8:00 – 16:00 Uhr oder per Mail unter: post.pflegehotline@noel.gv.at

In Niederösterreich wenden sich KlientInnen welche Pflege und Betreuung benötigen direkt an eine Organisation (Rotes Kreuz, etc.) die mobile Pflege und Betreuung anbietet. Beratung, die Erhebung des Pflege- und Betreuungsbedarfs und auch die Berechnung der voraussichtlichen Kosten wird von den Organisationen selbst durchgeführt. Die Verrechnung der sozial gestaffelten Kostenbeiträge wird direkt mit den KlientInnen durchgeführt. Die Differenz vom sozial gestaffelten Kostenbeitrag zu den tatsächlich entstandenen Kosten für Pflege und Betreuung wird bei der Bewilligung einer Förderung vom Land NÖ getragen. An Sonn- und Feiertagen wird ein 100%iger Zuschlag zum errechneten Kostenbeitrag verrechnet.

https://www.noe.gv.at/noe/SozialeDienste-Beratung/Sozmed_Betreuungsdienste.html

  • Oberösterreich

In OÖ wird in „Mobile Betreuung und Hilfe“ und in „Hauskrankenpflege“ unterschieden. Mobile Betreuung und Hilfe ist eine Unterstützung für hilfs- und pflegebedürftige Menschen, um den Verbleib im eigenen Wohnumfeld zu ermöglichen. Hauskrankenpflege wird auf Veranlassung des behandelnden Arztes durch diplomiertes Pflegepersonal im maximalen Ausmaß von 30 Stunden pro Monat durchgeführt.

Die „Mobilen Dienste“ nach dem OÖ. Sozialhilfegesetz 1998 fallen in die Zuständigkeit der Regionalen Träger Sozialer Hilfe (Sozialhilfeverbände und Städte mit eigenem Statut) und werden zu 80 Prozent aus öffentlichen Mitteln finanziert.

Die genannten Dienste können bei folgenden zuständigen Ämtern und Organisationen angefordert werden:

  • Wohnsitzgemeindeamt
  • Sozialberatungsstellen
  • Anbieterorganisationen
  • Sozialabteilungen der Magistrate und Bezirkshauptmannschaften

Für die Inanspruchnahme der sozialen Hauskrankenpflege und der Mobile Betreuung und Hilfe ist ein Kostenbeitrag zu entrichten, der sowohl vom Einkommen als auch vom Bezug des Pflegegeldes abhängig ist. Die vorläufige Berechnung des individuellen Kostenbeitrages erfolgt im Zuge eines Erstbesuches.

Information zum Thema Pflege und Betreuung sowie die zuständigen Anbieter in der jeweiligen Gebieten OÖ können auf der Plattform www.pflegeinfo-ooe.at gefunden werden. Auch unter https://www.land-oberoesterreich.gv.at/18790.htm  sind Informationen zu Thema abrufbar.

  • Salzburg

In Salzburg werden die Leistungen Haushaltshilfe und Hauskrankenpflege angeboten. Die Haushaltshilfe unterstützt Menschen bei der Haushaltsführung, um den weiteren Verbleib in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. So werden Leistungen wie beispielsweise Reinigung der Wohnung, Einkaufen, Unterstützung bei der Körperpflege, An- und Auskleiden durchgeführt. Die Hauskrankenpflege richtet sich an Menschen, die aufgrund einer Krankheit oder Behinderung Pflege brauchen und umfasst unter anderem die Verabreichung von Injektionen, Verbandwechsel, Körperpflege oder das Bandagieren der Beine.

Um Zugang zu den erforderlichen Leistungen zu erhalten müssen KlientInnen einen häuslichen Pflege- bzw. Betreuungsdienst seiner Wahl kontaktieren. Gemeinsam von der/dem KlientIn und der betreuenden Organisation wird die erforderliche Leistung besprochen. Der Umfang der Betreuungs- und Pflegeleistungen orientiert sich am jeweiligen Betreuungs- und Pflegebedarf der Menschen. Um eine Förderung zu erhalten, muss ein Antrag auf einen Landeszuschuss gestellt werden um die erforderliche Leistung zu erhalten. Eine Vertretung der Behörde legt im Anschluss daran bei einem Hausbesuch das Ausmaß der geförderten Stunden endgültig fest und berechnet bei den KlientInnen vor Ort den Kostenbeitrag für das gesamte Leistungsausmaß. Der Landeszuschuss für häusliche Betreuung und Pflege wird für maximal 100 Stunden pro Monat und Haushalt gewährt. Der Kostenbeitrag richtet sich nach dem Einkommen der pflegebedürftigen Person.

Das Lande Salzburg bietet im Rahmen seiner Pflegeberatung Information, Beratung und Unterstützung in allen Fragen rund um das Thema Pflege wie z.B. Zuschüsse, Förderungen, Hilfsmittel, Entlastungsangebote für pflegende Angehörige.

Für die erforderlichen Pflege und Betreuungsleistungen wird eine monatliche Eigenleistung von € 30,00 (Pauschalbetrag) verrechnet. Hinzu kommt einen einkommensabhängiger Stundensatz, der zwischen € 7,00 und € 33,60 beträgt. https://www.salzburg.gv.at/themen/soziales/pflege-und-betreuung/pflege-zuhause/kostenzuschuss

Betroffene können für ihre Betreuung und Pflege unter 16 privaten Organisationen auswählen. Jene Organisationen welche den Kostenzuschuss ihrer Kunden mit der Landesregierung verrechnen sind unter folgendem Link abrufbar: https://www.salzburg.gv.at/soziales_/Seiten/anbieter_pflegezuhause.aspx

  • Tirol

Für eine/n KlientIn steht in Tirol ein maximales Leistungsausmaß von insgesamt 90 Stunden (=reine Betreuungszeit) zur Verfügung, welche vom Land Tirol gewährt und gefördert wird.

Für die Leistung Hauswirtschaftsdienst kann für einen Klienten pro Monat ein maximales Leistungsausmaß von 30 Stunden verrechnet und gewährt werden. Für pflege- und betreuungsbedürftige Ehe- bzw. Lebenspartner, welche sich in einem gemeinsamen Haushalt befinden, kann für die Leistung Hauswirtschaftsdienst pro Haushalt und pro Monat ein maximales Leistungsausmaß von 40 Stunden verrechnet und gewährt werden.

Der/die KlientIn hat wie in jedem Bundesland auch einen Selbstbehalt zu bezahlen, welcher von der Art der Leistung, von der Pflegegeldstufe sowie von den Einkommens- und Lebensverhältnissen der/s KlientIn und dessen Ehe- bzw. Lebenspartners abhängig sind. Die Kosten pro Stunde können für Pflegeleistungen zw. € 6,36 und € 38,28 betragen sowie für Betreuungsleistungen zw. € 4,20 bis € 22,08 betragen. Bei Inanspruchnahme von Leistungen an Sonn- und Feiertagen hat der Klient einen 50%igen Zuschlag des Selbstbehaltes zu leisten.

Die Berücksichtigung der Einkommens- und Lebensverhältnisse erfolgt auf Grundlage des Leitfadens „Bemessungsgrundlage Klientenselbstbehalte“. Das Vermögen des Klienten wird dabei nicht berücksichtigt.

Weitere Informationen sind unter folgendem Link abrufbar: https://www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/gesellschaft-soziales/soziales/Gesetze_Richtlinien/Richtlinie_des_Landes_Tirol_zur_Gewaehrung_von_Leistungen_der_mobilen_Pflege_und_Betreuung_in_Tirol.pdf

  • Vorarlberg

In Vorarlberg ist der örtliche Krankenpflegeverein ist Ihr erster Ansprechpartner für alle Pflege- und Betreuungsfragen in Ihrem Wohnumfeld. Diese Krankenpflegevereine sind in 66 Sprengel unterteilt, die eine klare Zuordnung der örtlichen Zuständigkeit aufweist.

Als Basis dient der jährliche Mitgliedsbeitrag, welcher im Durchschnitt 30 Euro jährlich beträgt. Das Modell zielt darauf ab, dass auch Menschen in diesem Verein Mitglied werden, lange bevor sie eine Leistung in Anspruch nehmen müssen. Mit diesem Mitgliedsbeitrag sichert sich jedoch jede Vorarlbergerin und jeder Vorarlberger das Recht auf Pflege und Betreuung in ihrem Zuhause, sobald sie diese benötigen.

Werden Leistungen in Anspruch genommen, kommt ein geringer Pflegebeitrag dazu. Dieser richtet sich nach einem definierten Leistungskatalog der Krankenpflegevereine. Kosten, die weder über den Mitgliedsbeitrag, noch über den Kostenbeitrag abgedeckt werden können, werden vom Land Vorarlberg, den Gemeinden und den Sozialversicherungsträgern getragen.

Von den Krankenpflegevereinen werden unter anderem folgenden Leistungen angeboten:

  • Fachkundige Beratung, Schulung und Begleitung von pflegenden Angehörigen
  • professionelle Pflege und Betreuung in Ihrem Zuhause
  • Wundversorgung und medizinische Pflege auf Anordnung des Hausarztes.
  • Bereitstellung und Vermittlung von Pflegebetten, Pflegebehelfen und -artikeln.

Neben den Krankenpflegevereinen gibt es zusätzlich die Arbeitsgemeinschaft Mobile Hilfsdienste (MOHI). MOHI soll ermöglichen, dass Menschen bis ins hohe Alter in ihrer gewohnten Umgebung leben können und jene persönliche Betreuung erhalten, die sie wünschen und benötigen. MOHI bietet folgende Dienstleistungen an:

  • Betreuerische Hilfe
    wie z.B. zuhören, spazieren gehen, vorlesen,…
    Aktivieren und unterstützen von Eigeninitiativen, Fähigkeiten fördern Behördengänge, Besorgungen, Fahrdienste (zum Arzt …)
  • Hauswirtschaftliche Hilfe
    Reinigung des genutzten Wohnbereiches
    Wäsche in Ordnung halten (waschen, bügeln)
    Zubereiten von kleinen Mahlzeiten – den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend
    einkaufen – wenn möglich gemeinsam mit dem Klienten
  • Hilfestellungen

Unterstützung, einfache Handreichungen bei den Aktivitäten des täglichen Lebens – Hilfe zur Selbsthilfe
In der Pflege – nach Anordnung durch diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen

Information zu Mobiler Pflege und Betreuung in Vorarlberg:

https://www.vorarlberg.at/vorarlberg/gesellschaft_soziales/soziales/seniorenundpflegevorsorge/weitereinformationen/ambulantepflege-hauskrank.htm

https://www.hauskrankenpflege-vlbg.at

https://mohi.at

  • Kärnten

In Kärnten wird unter dem Begriff „Mobile Soziale Dienste“ die Leistungen Hauskrankenpflege, Hauskrankenhilfe und Heimhilfe angeboten.
Die Hauskrankenpflege stellt eine zeitlich unbegrenzte Pflege und Betreuung in den eigenen vier Wänden dar. Sie wird von diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonen oder PflegeassistentInnen durchgeführt. Im Vordergrund der Hauskrankenpflege stehen der Erhalt und die Förderung der Selbstständigkeit sowie die Entlastung der Angehörigen. Tätigkeiten im Rahmen der Hauskrankenpflege erfolgen in der Regel nach Anordnung des behandelnden Arztes.
Eine Hauskrankenhilfe bietet kranken, rekonvaleszenten und pflegebedürftigen Menschen Unterstützung. Neben dem körperlichen stehen vor allem auch das psychische und soziale Wohlbefinden der Menschen im Fokus der Betreuung.
Heimhilfe unterstützen hilfsbedürftige Personen bei der Haushaltsführung und den Aktivitäten des täglichen Lebens. Schwerpunkte sind Tätigkeiten im Haushalt, aber auch Unterstützung bei der Körperpflege, Ernährung oder der Förderung der Selbstständigkeit, (z.B. die Begleitung bei Arztbesuchen).

Information zu den erwähnten Leistungen können bei der Gemeinde bzw. beim Magistrat oder beim Gesundheits-, Pflege- und Sozialservice (GPS) in den jeweiligen Bezirken eingeholt werden. Das Kärntner Gesundheits-, Pflege- und Sozialservice (GPS) ist ein Beratungsangebot der Bezirkshauptmannschaften, das die Kompetenzen des jeweiligen Sozialamtes, des jeweiligen Sozial- und Gesundheitssprengels (SGS) sowie des ehemaligen Pflege- und Gesundheitsservice Kärnten (PGS) bündelt. Es steht den Bürgerinnen und Bürgern für Fragen und Anliegen aus den Bereichen „Gesundheit, Pflege und Soziales“ als Erstanlaufstelle und Kompetenzzentrum kostenlos zu Verfügung.

Wie auch in den anderen Bundesländern gibt es einen Selbstbehalt pro Leistungsstunde der mittels einer Tarifliste festgesetzt wird. Dieser einkommensabhängige Selbstbehalt ist laut Tarifliste der Anbieter der mobilen sozialen Dienste an diese zu bezahlen. Auf jeden Fall und unabhängig vom Einkommen beträgt der Kostenbeitrag aus dem vom Dienstleistungsnehmer bezogenen Pflegegeld € 8,00,– für die Normstunde Hauskrankenpflege und € 7,00,– in der Hauskrankenhilfe. Der Maximalbetrag für eine Stunde Hauskrankenpflege beträgt € 43,30,– und für eine Stunde Hauskrankenhilfe €41,30,–. In der Leitung Heimhilfe werden keine anteiligen Kosten aus dem Pflegegeld herangezogen. Hier laufen sich die Kosten pro Normstunde auf € 9,00,– bis € 37,30,–

https://www.ktn.gv.at/Themen-AZ/Details?thema=131&subthema=136&detail=598

  • Steiermark

In der Steiermark werden die mobilen Pflege- und Betreuungsdienste von fünf – vom Land Steiermark anerkannten – Organisationen flächendeckend erbracht. Die erforderlichen Leistungen werden je nach erforderlicher Qualifikation durch Dipl. Gesundheits- und Krankenpflegepersonen, PflegeassistentInnen und HeimhelferInnen erbracht.

Informationen, welche Organisationen für welche geografische Region zuständig sind (inkl. der Kontaktdaten) können bei den jeweiligen Gemeindeämtern sowie beim Sozialamt Graz in Erfahrung gebracht werden. Anschließend wenden sich betroffene Menschen direkt an die gewünschte Einrichtung des mobilen Pflege- und Betreuungsdienstes (z.B. Rotes Kreuz Steiermark) um Beratung, die Erstabklärung sowie die Einschätzung des Pflege- und Betreuungsbedarfes in Anspruch nehmen zu können.

Die Berechnung des anzuwendenden Tarifes für den Selbstkostenbeitrag der pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen wird von der betreuenden Einrichtung durchgeführt und festgehalten. Die Ermittlung des Selbstkostenbeitrages und die vorzunehmende Einstufung erfolgt anhand der aktuellen Regelungen und Tarifsätze des Landes Steiermark (https://www.gesundheit.steiermark.at/cms/dokumente/11684299_72773865/163a1118/Tarifliste%20ohne%20Graz%20Stadt.pdf). Kommt KEINE Betreuungsvereinbarung zustande, wird der vom Land Steiermark festgesetzte Abklärungstarif lt. Tariftabelle verrechnet. Die Tarife werden sozial gestaffelt berechnet und belaufen sich beispielsweise für eine Dipl. Gesundheits- und Krankenpflegeperson zw. € 2,91,– und € 42,26,– oder eine Heimhilfestunde € 1,45,– und € 20,30,–

Die Finanzierung der mobilen Pflege- und Betreuungsdienste erfolgt anteilig durch das Land Steiermark, die Wohnsitzgemeinde und einem sozial gestaffelten Selbstkostenbeitrag des/der Betreuten. Eine Zuzahlung von Seiten der Gemeinde erfolgt ausschließlich bei Betreuung in Privathaushalten und nur bei Betreuten, die ihren Hauptwohnsitz in der Gemeinde haben. Eine Zuzahlung des Landes Steiermark erfolgt nur wenn der ordentliche Wohnsitz in der Steiermark ist.

Zu beachten ist, dass eine Zuzahlung des Landes für (ausschließlich) Heimhilfeeinsätze bei Klienten, die kein Pflegegeld beziehen oder deren monatliches Nettoeinkommen den Betrag von aktuell € 1.000,– (Einzelperson) bzw. € 1.200,– (Zwei Personen) pro Haushalt übersteigt.

Informationen zur Pflege und Betreuung in der Steiermark können unter folgendem Link abgerufen werden: https://www.gesundheit.steiermark.at/cms/ziel/72574635/DE/

  • Wien

Wien hat das Ziel, dass alle Menschen die bestmögliche Pflege und Betreuung erhalten. Damit sich allem Menschen die erforderliche Pflege und Betreuung leisten zu können, sorgt im Auftrag der Stadt Wien der Fonds Soziales Wien (FSW). Neben der Finanzierung (mittel Förderung) sorgt der FSW für Beratung und unterstützt bzw. übernimmt die Organisation der erforderlichen Pflege und Betreuungsleistungen.

In Wien werden beispielsweise die Leistungen Hauskrankenpflege (erbracht durch Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen oder PflegeassistentInnen), Heimhilfe, Besuchsdienst, Essen auf Räder oder Wäschedienst angeboten.

Erste Anlaufstelle für Pflege und Betreuung ist der Fonds Soziales Wien. Er entscheidet ob die Voraussetzungen für die Zuerkennung einer Förderung erfüllt werden. Neben einer ersten Beratung und Bedarfseinschätzung durch das Casemanagement erfolgt zusätzlich die Berechnung und während der Betreuung die Einhebung des Kostenbeitrages. Nach dem Wunsch der/des KlientIn wird eine Organisation (z.B. das Wiener Rote Kreuz) für die Erbringung der erforderlichen Pflege und Betreuung beauftragt. Diese Einrichtungen sind einerseits für die Durchführung und Umsetzung der erforderlichen Pflege- und Betreuungsmaßnahmen und andererseits auch für die Erfassung von neuen Problemstellungen sowie die Anpassung der bestehenden Leistungen verantwortlich ist.

Der FSW ist jedoch nicht nur für mobile (Hauskrankenpflege) und stationäre (Pflegeheime) Pflege und Betreuung zuständig, sondern auch für den Bereich Behindertenhilfe sowie für Obdachlosigkeit und bietet in diesen Bereichen auch unterschiedliche Fördermöglichkeiten an.

Der Kostenbeitrag ist wie auch in den anderen Bundesländern sozial gestaffelt und richtet sich unter anderem nach dem Einkommen, nach der Art und der Menge der in Anspruch genommen Leistung, nach der Wohnmiete, nach dem Pflegegeld und noch weiteren Faktoren. So müssen für eine Stunden Heimhilfe zw. € 6,00,– und € 19,00,–  von den KlientInnen oder für eine Stunden Hauskrankenpflege zw. € 7,86,– und knapp € 25,00,– übernommen werden.

Der Fonds Soziales Wien ist über die Telefonnummer 24 5 24 erreichbar. Wichtige Informationen über das gesamte Leistungsspektrum erhalten sie auch unter www.fsw.at.

 

Alexander Eder
Über Alexander Eder 1 Artikel
Alexander Eder, MBA - Dipl. Gesundheits und Krankenpfleger, Pflegedienstleitung Wiener Rotes Kreuz, Health Care Management,Referent im Bereich Gesundheitswesen, Vorstandsmitglied Österreichische Gesellschaft für Case- und Caremanegement

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