Wenn Kinder töten

Mix von gruseligen Erzählungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen

Der Kriminal-Kommissar Stephan Harbort gehört zu den Menschen, die es gewohnt sind, grauenvolle Geschichten zu erzählen. Das Buch „Wenn Kinder töten“ macht diesbezüglich keine Ausnahme. Harbort berichtet von Ereignissen, die einem die kalten Schauern über den Rücken laufen lassen. Dabei gelingt ihm wieder einmal, einen anschaulichen Mix von gruseligen Erzählungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen darzustellen.

Apropos Wissenschaft: Fakt ist, dass es sich bei Tötungshandlungen von Kindern nicht um Affekthandlungen handelt. Die Tötungen seien geplant, „weil beispielsweise die Tatwaffe vor dem Opferkontakt mitgeführt, der Tatort vorher festgelegt oder das Opfer Tage oder Wochen vor der Tötung bereits ausgeguckt sind“ (S. 236). Während der Lektüre stellt sich die Leserin bzw. der Leser die Frage, was in jungen Menschen, die den Antrieb zu unglaublichen Taten haben, vorgeht.

Harbort versucht, entsprechend Antworten auf Fragen zu geben, die sich stellen. So deutet er an, dass die Täterinnen und Täter Persönlichkeitsprofile haben, die sich zwischen Selbstunsicherheit und Introvertiertheit bis hin zu Gefühlskälte und geringer Frustationstoleranz bewegen (S. 237). Signifikant sei die Störung der Eltern-Kind-Beziehung (S. 238).

Stephan Harbort gehört im deutschsprachigen Raum zu den angesehensten Experten in Fragen von Serientötungen. Durch seine Expertise und seiner Bücher macht Harbort verständlich, das sonst voyeuristisch betrachtet wird. Mit dem Buch „Wenn Kinder töten“ bleibt er sich treu. Der Leser bzw. die Leserin wird zumindest bis zur Nachvollziehbarkeit eines Verbrechens begleitet.

Harbort konstatiert, „dass es bei dieser Art von Tötungsdelinquenz immer auch ein zweites Opfer gibt: den Täter“ (S. 240). Wenn Kinder töteten, falle es schwer, „zwischen Richtig und Falsch, Gut und Böse, Schuld und Unschuld zu unterscheiden“ (S. 240). Die Frage ist, ob im Angesicht des Grauens Fragen dieser Art überhaupt gestellt werden.

Im Buch „Wenn Kinder töten“ berichtet Harbort sieben eindrucksvolle Erzählungen. Sie sind keine Stories, die sich wie ein unterhaltsamer Kriminalroman lesen lassen.

Stephan Harbort: Wenn Kinder töten, Droemer Knaur Verlag, München 2018, ISBN 978-3-426-30186-9, 268 Seiten, 9.99 Euro.

Christoph Mueller
Über Christoph Mueller 69 Artikel
psychiatrisch Pflegender, Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag), Fachautor

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