Welcher Tellerrand ist der höchste?

Gastkommentar von Michaela Höss

(C) C. Schüßler

Das Thema Pflege ist in aller Munde, kaum ein Medium, dass sich nicht damit befasst.

Es stellt sich für mich die Frage wie kann über ein so brisantes Thema so viel gesprochen und gleichzeitig sowenig bewirkt werden?

Die Politik ist mehr denn je gefordert.

Jedoch sollte es uns Betroffenen bewusst werden, dass es von keiner Partei oder einzelnen Personen abhängig gemacht werden kann, wie wir selbst den Problemen unseres Gesundheitswesens, gegenüberstehen.

Speziell im pflegerischen und medizinischen Bereich sprechen wir gerne über die unantastbare Würde des Menschen.

Wie würdevoll gehen wir, die vielen verschiedenen Berufsgruppen des Gesundheitswesens, miteinander und auch mit uns selbst um?

Wir alle sehen die Menschen für deren Wohlergehen wir alle im gleichen Maße verantwortlich sind, aus unserer jeweiligen Profession heraus.

Jeder mit seinem medizinischen, und/oder pflegerischen Zugang.

Diese beruflich durchaus professionelle Herangehensweise bedeutet in der Praxis oft, dass wir unsere Patienten, Klienten, Kunden oder Bewohner nur aus unserem eigenen Blickwinkel betrachten und manchmal auch überfordern.

An kleinen Dingen, wie z.B. der Frage wie notwendig oder sinnvoll das mehrmals am Tag durchgeführte Blutdruckmessen in manchen Bereichen ist, wird jede Berufsgruppe naturgemäß, aus ihrer Sicht heraus beantworten.

Wer bleibt nun auf der Strecke, wenn wir alle nicht lernen an einem Strang zu ziehen?

Wir alle sind davon betroffen.

Menschen die Pflege oder Betreuung brauchen, pflegende Angehörige genauso wie jeder andere Angehörige.

All diejenigen, die in den vielen verschiedenen Berufsgruppen des Gesundheitswesens tätig sind und das sind tatsächlich mehr als ich hier aufzählen kann.

Und auch viele der Verantwortlichen, die sich gemeinsam mit uns in einem System der gegenseitigen Schuldzuweisung befinden.

Was wäre nun der Stein der Weisen oder sollte es besser heißen der Stein der Sichtweisen!?

Zum einen bedarf es Menschen, die sich dessen bewusst sind, dass wir nichts verändern werden, wenn wir im Jammern verweilen. Ich persönlich kenne kein System in dem sich etwas bewegen ließe nur weil sich viele beklagt haben. Menschen, die zwar an so manchem Bereich unseres  Gesundheitswesens ihre Zweifel haben aber daran nicht verzweifeln.

Zum anderen ist es, aus meiner Sicht, das Erkennen des eigenen EGOs, dass uns die Augen öffnen könnte.

Ich selbst durfte schon mehrmals über mein eigenes Ego stolpern. Speziell dann, wenn ich meinte, zu wissen was Menschen in unserem System der Pflege brauchen. Der Glaube besser zu wissen was der andere braucht, grenzt ganz einfach an Größenwahn.

Oft sind es die vielen Gespräche mit Betroffenen des Gesundheitswesens die mir meine Augen immer mehr öffnen.

Z.B. der Zugang eines Kollegen, dass die vielen verschiedenen Berufsgruppen im Gesundheitswesen, in ihrer Grundausbildung dieselben Themen haben und daher gut zusammenlegbar wären, brachte mich zum Nachdenken.

Wir wissen wie verbunden wir uns fühlen, wenn wir gemeinsam mit anderen unsere Ausbildungen oder Seminare besucht haben, das Wirgefühl eben.

Oft ergeben sich daraus lebenslange Kontakte oder gar Freundschaften.

Physiotherapeuten, Ärzte, Personen in den verschiedenen Ausbildungen im pflegerischen Bereich, alle haben eine gemeinsame Basis.

Wie sehe die Zukunft aus, wenn alle diese Berufsgruppen diese Basis bereits zu Beginn ihrer Ausbildung als Fundament für ihre gemeinsame Arbeit erleben dürften?

Würde es uns dann möglicherweise erspart bleiben, sowie ich und viele andere, über den eigenen Tellerrand zu stolpern.

Mein Mindset, ließ mich wahrnehmen, dass Ärzte prinzipiell von sich sehr eingenommen sind.

Man könnte nun argumentieren, dass das tatsächlich auf einige zutrifft-aber mal ehrlich-ist diese Grundhaltung nicht in jedem anderen Beruf genauso anzutreffen?

Oder kennt nicht fast jeder von uns die eine oder andere altgediente Pflegekraft, die es dem jungen Turnusarzt schon zeigen wird;)

Wie hilfreich ist es daher für uns die wir im selben Topf schwimmen, wenn sich jeder aus seiner Profession heraus nur ums eigene Ertrinken kümmert, dabei aber keinen Blick über den eigenen Tellerrand wirft?

 

 

 

Gastkommentar
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