Wearables – gewinnbringende Begleiter in der Nacherwerbszeit älterer Menschen

(C) Elizaveta

In einer Zeit, in der immer mehr Menschen immer älter werden und es neben finanziellen und personellen Ressourcenschwierigkeiten auch noch zu neuen Herausforderungen in der Versorgung der multimorbiden Menschen kommt, setzt man gerne und vermehrt auf Technologisierung und Digitalisierung.

Immer wichtigere Forschungsfelder stellen die Gerontologie und die Gerontotechnik dar, die zum Ziel haben, ältere Menschen im Alltag bestmöglich zu unterstützen und deren Beeinträchtigungen auszugleichen oder zu verbessern. Was hierbei eher noch wenig Beachtung findet sind Wearables. Fitnesstracker, Smartwatches, Gesundheits Apps auf dem Smartphone oder kleine Sensoren eingebaut in Brillen, Kleidung, Alltagsgegenstände, die kontinuierlich verschiedene physikalische und physiologische Daten aufzeichnen und verarbeiten können. Charakteristisch für diese Geräte ist, dass sie nicht aktiv bedient werden müssen und somit keine ständige Interaktion zwischen Benutzer:in und technischem Gerät erfolgen muss.

Mit dem Einsatz von Wearables bietet sich ein kostengünstiger Zugang das Selbstmanagement im Alltag zu verbessern und Impulse für gesundheitsbewusste Verhaltensänderungen zu setzen. Motorische und sensorische Leistungseinschränkungen können ausgeglichen, der Gesundheitszustand erhalten oder verbessert werden., sodass eine größtmögliche Selbstständigkeit so lange wie möglich gegeben ist und damit einhergehend die Lebensqualität beibehalten werden kann.

Empowerment am Handgelenk/in der Hosentasche

Durch primäre Präventionsmaßnahmen gegen Übergewicht, Adipositas, Bewegungsmangel und Rauchen lassen sich lebensstilbedingte Risikofaktoren beeinflussen. Sekundärpräventive Maßnahme wäre zum Beispiel die Verwendung einer Apple Wacht um damit – laut Studie der Stanford University School of Medicine – 84% aller Fälle von Vorhofflimmern frühzeitig erkennen zu können (Overbeck, 2019). Und auch im tertiären Präventionsbereich können Wearables sinnvoll für den Heilungsprozess während einer Therapie- und Rehabilitationsphase zur Förderung sportlicher Betätigung im richtigen Ausmaß eingesetzt werden, um damit nachweislich den Heilungsprozess positiv zu beeinflussen und das Rückfallrisiko zu verringern (Lemanne et al., 2013, S. 580ff.).

Alarmfunktion zur Tabletteneinnahme, Motivationshilfe, um Phasen körperlicher Inaktivität zu unterbrechen, individuelles Aktivitätsniveau kontinuierlich steigern, Erfassen von krankheitsrelevanten Parametern, Stresserkennung und -bewältigung, Navigationsunterstützung, Audio- und/oder Farbkontrastverstärkung, Monitoring von Ess-, Trink- und Schlafgewohnheiten und Notrufsystem – alle genannten und noch viele weitere Einsatzmöglichkeiten stellen das Selbstmanagement älterer Menschen im privaten Setting in den Fokus und stärken das Empowerment durch aktiven Miteinbezug in den Veränderungsprozess und das Management der eigenen Gesundheit, sowie Gesundheitsbeeinträchtigungen.

Ein gesünderer Lebensstil durch mehr Bewegung und bewusstere Ernährung

Im Zuge der, für die Bachelorarbeit im Studiengang Aging Services Management, zugrundeliegenden Befragung geben 50% der befragten Personen aller Altersstufen an, dass sie Wearables aktuell nutzen, 34% um einen gesünderen Lebensstil zu forcieren, 27% zur Selbstoptimierung. Als Mehrwert durch die Nutzung wird vermehrt gesagt, dass man sich öfter und/oder länger bewegt und bewusster auf Ernährung achtet.

Dieses Ergebnis trifft genau den Nutzen, den Gesundheitseinrichtungen mit dem Einsatz von technischen Systemen erreichen möchten, nämlich die Verantwortung für die eigene Gesundheit mehr in die Hände der jeweiligen Personen zu legen und ihnen ein Werkzeug zu geben, um sich selbst und etwaige Krankheiten oder Einschränkungen besser überwachen zu können (Reich & Meder, 2021, S. 153).

Ein weiteres Ergebnis der Befragung ist, dass derzeit das Smartphone mit installierten Health Apps das präferierte Smart Device ist, da es aufgrund der multifunktionalen Einsatzweise für unterschiedliche Bedürfnisse (Kommunikation, Navigation, soziale Interaktion, Terminverwaltung und -erinnerung, Informationsbeschaffung, Unterhaltung, Gesundheitsvor- und versorgung) dienlich ist.

25% der Befragten geben jedoch auch an, dass sie keine Wearables verwenden, da sie keinen Mehrwert in der Nutzung sehen bzw. 19% haben kein Interesse an dieser Art von Technik. Unabhängig von der derzeitigen Nutzung können sich 46% der befragten Personen aber vorstellen in Zukunft Wearables zu verwenden.

Ein neuer, selbstkontrollierter Lebensabschnitt

Mit einem ethik-sensiblen Blick auf das Thema Selbstvermessung und dem Druck für gesundheitskonformes Verhalten darf es zu keiner Stigmatisierung oder Diskriminierung von Menschen kommen, die dem Gesundheitsideal nicht entsprechen, was unter anderem gerade mit zunehmendem Alter sehr schwierig ist. Technische Unterstützung darf hierbei nicht mit Leistungsfähigkeit gleichgestellt werden. Technische Innovationen stellen eine wichtige Unterstützung dar, um würdevoll altern zu können. Ein positiver Nebeneffekt ist die Verschiebung weg von einem negativen, an Defiziten orientierten Altersbild, hin zu einem technologisch unterstützen, neuen, selbstkontrollierten Lebensabschnitt in einem natürlichen Alterungsprozess (Klein, 2020, S. 18ff.).

Die (Weiter-)entwicklung von Wearables und Health Apps unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von älteren Nutzer:innen sollte daher Benutzer:innenfreundlichkeit und Personalisierbarkeit in den Vordergrund stellen, damit Menschen einen individuellen Mehrwert in der Anwendung finden und die Anwendungen langfristig genutzt werden. Wearables schließen somit den Kreis der gesundheitlichen Versorgung, indem sie Menschen zu einem gesundheitsbewussteren Leben verhelfen und dadurch das Gesundheitswesen durch Entlastung unterstützen.

Literatur

Klein, A. (2020). Würdevolles Altern – neue Technologien, Telemedizin und Ethik. Journal für Urologie und Urogynäkologie/Österreich, 27(1), 18–23. https://doi.org/10.1007/s41972-020-00097-4

Lemanne, D., Cassileth, B., & Gubili, J. (2013). The role of physical activity in cancer prevention, treatment, recovery, and survivorship. Oncology, 27(6), 580–585.

Overbeck, P. (2019). Mega-Studie Apple Heart: Wie gut spürt die Apple Watch Vorhofflimmern auf? CardioVasc, 19(2), 12–13. https://doi.org/10.1007/s15027-019-1529-x

Reich, C., & Meder, B. (2021). Digital-Health-Highlights 2020: Digitalisierung im Jahr der Pandemie. Der Kardiologe, 15(2), 153–159. https://doi.org/10.1007/s12181-021-00466-9

Autor:in

  • Absolventin des Bachelorstudienganges Aging Services Management, Ferdinand Porsche FernFH, Studierende des Masterstudienganges Gesundheitsmanagement & Digital Health, FH bfi Wien, Institutsassistentin im Institut Gesundheitsmanagement, IMC FH Krems