„Was Menschen in sozialen Berufen jeden Tag erleben und aushalten müssen“

1. Oktober 2022 | Christophs Pflege-Café | 0 Kommentare

Christoph Müller im Gespräch mit Gabriela Koslowski

Mit dem Buch „Sexuelle Übergriffe und Gewalt im Pflegealltag“ greift die gelernte Krankenschwester Gabriela Koslowski ein Thema auf, dem viele aus dem Wege gehen wollen. Früher war sie bereits mit dem Thema konfrontiert. Als Supervisorin und Mediatorin trifft sie auf eine große Betroffenheit. Mit Christoph Müller sprach Gabriela Koslowski bei einer Tasse Tee.

Christoph Müller Die erste Frage in einem Interview ist häufig die nach der Motivation. Auch Sie, Frau Koslowski, berichten in Ihrem Buch „Sexuelle Übergriffe und Gewalt im Pflegealltag“ von einer persönlichen Betroffenheit. War der persönliche Rucksack so übervoll, dass Sie zu dem meisttabuisierten Thema ein Buch schreiben mussten?

Gabriela Koslowski Die persönliche Betroffenheit und meine eigene Geschichte haben sicherlich auch ein wenig mit hineingespielt, dieses Buch zu schreiben. In den vielen Seminaren, die ich in den letzten Jahren in Senioreneinrichtungen, Krankenhäusern und Akademien gehalten habe, hat es mich immer wieder berührt und manchmal auch sauer gemacht, dass das Thema sexuelle Übergriffe und Gewalt immer noch ein Tabu-Thema ist. Und dies schon so viele Jahre lang!

Teilnehmer*innen berichteten in den Fortbildungen von sexuellen Übergriffen im Pflegealltag, wo sie zunächst die Schuld bei sich suchten und im weiteren Verlauf oft keine Unterstützung von Vorgesetzten oder der Geschäftsführung bekamen. Das Alleingelassenwerden im Stationsalltag war für etliche Betroffene eine zusätzliche Belastung, wie mir immer wieder Seminarteilnehmer*innen berichteten. Sie fragten mich immer wieder: „Warum schreiben Sie nicht ein Buch darüber?“ Das war der Auslöser. So habe ich sehr viel recherchiert zum Thema „sexuelle Übergriffe und Gewalt“. Ich war sehr erstaunt, wie wenig Buchmaterial es dazu gab. Nach einem ausführlichen Gespräch mit meiner Lektorin, die zu dieser Thematik auch nach Lektüre suchte, war klar, ich schreibe das Buch.

Besonders betroffen hat mich die Tatsache nach meiner Recherche zum Thema sexuelle Übergriffe und Gewalt gestimmt, dass es unzählig viel Lektüre gibt, die die Gewalt von Pflegenden gegenüber Pflegebedürftigen thematisiert. Es war immer nur eine einseitige Sichtweise zu finden. Es hat mich noch einmal in meinem Vorhaben bestärkt, hier muss unbedingt einmal die andere Seite gezeigt werden, die der der Pflegenden, Ärzt*innen, Ergotherapeut*innen und was Menschen in sozialen Berufen jeden Tag erleben und aushalten müssen.

Christoph Müller Im Buch wird deutlich, dass sexuelle Übergriffe im Pflegealltag nicht bloß ein Thema für die Frauen ist. Was unterscheidet denn eigentlich die sexuell motivierte Aggression gegenüber Männern von der, die Frauen erleben? Oder die non-binäre Menschen erfahren?

Gabriela Koslowski Die sexuellen Übergriffe gegen männliches Pflegepersonal sind häufig anders gelagert. Hier sind die Übergriffe sehr subtil, sie kommen sehr plötzlich. Dies sind dann beispielsweise eine weibliche Hand, die direkt in den Schritt eines Mannes bzw. Pflegers gelegt wird, oder ein männlicher Auszubildender, der unter die Dusche oder ins Bett gerissen wird, oftmals auch sehr direkte sexistische Sprüche oder auch Geldangebote für intime Leistungen.

Hinter dieser sexuellen Aggression sehe ich oft eine sehr große Not bei den pflegebedürftigen Bewohnerinnen, einem Wunsche nach Berührung oder nach Nähe, weil sie diese schon lange nicht mehr erlebt haben. Dies soll aber den Vorfall nicht entschuldigen, sondern hier müssten sich Institutionen Gedanken machen, welche Hilfen und Unterstützungsmöglichkeiten für ältere Menschen zur Verfügung stehen, wie Berührer*innen oder Sexualtherapeut*innen. Es ist nicht Aufgabe von Pflegenden, diese Bedürfnisse zu erfüllen. Hier fehlt ganz klar eine Fürsorgepflicht für die Mitarbeiter*innen.

Das männliche Personal ist oftmals ebenso traumatisiert wie die weiblichen Pflegepersonen. Nach einem sexuellen Übergriff ist die Scham sehr hoch. Die Angst, sich als Mann einer weiblichen Vorgesetzten zu öffnen, ist sehr schambesetzt. Männliche Teilnehmer berichten in Seminaren, sie hätten Angst, dass man ihnen den Vorfall bzw. den sexuellen Übergriff nicht glaubt. Sätze werden gesagt wie „Als Mann wirst Du Dich doch wohl wehren können gegenüber einer Seniorin!“. Also werden diese Übergriffe verschwiegen. Auch in meinen Seminaren erlebe ich ein sehr großes Erstaunen, aber auch ein Erschrecken von weiblichen Teilnehmerinnen, wenn sie von den sehr emotionalen Geschehnissen der männlichen Pflegenden hören. Für Männer ist das Seminar „sexuelle Übergriffe und Gewalt“ eine Möglichkeit, endlich einmal (manchmal nach Jahren!) über diese Vorfälle berichten zu dürfen.

Non-binäre Menschen im Pflegealltag erleben weniger körperliche Gewalt oder Übergriffe, sie werden jedoch öfter verbal beleidigt und beschimpft.

Christoph Müller Sie machen deutlich, dass Nähe und Distanz entscheidende Momente im pflegerischen Alltag sind. In der Aus-, Fort-und Weiterbildung, aber auch in den Stationsteams wird der ernsthafte Austausch zu Nähe und Distanz nicht gepflegt. Wie kommt es zu dieser Sprachlosigkeit?

Gabriela Koslowski Ja, da haben Sie Recht, Herr Müller, in der Aus-, Fort-und Weiterbildung, aber auch in den Stationsteams wird der ernsthafte Austausch zu Nähe und Distanz nicht richtig gepflegt. Das erlebe ich häufig in Supervisionsprozessen, wenn das Thema „falscher Umgang mit Nähe und Distanz“ dann in einem anderen Kontext behandelt wird. Vielleicht muss ich hier ein wenig ausholen. Viele Pflegepersonen (und ich nehme mich als ehemalige Pflegekraft mit ins Boot) haben in der Ausbildung gelernt: „Wie hat die gute Schwester oder der gute Pfleger zu sein, hilfreich, freundlich fürsorglich, emphatisch, immer präsent … Das sind gute Tugenden, die wir benötigen im Umgang mit Pflegebedürftigen und Menschen, jedoch haben wir früher in der Ausbildung nie gelernt: „Was bedeutet Abgrenzung? Wo lasse ich Nähe zu? Wo grenze ich mich ab und besonders: Wo habe ich das Recht mich abzugrenzen!!?“ Die Schüler*innen in der Ausbildung erfahren erst heute etwas über die Distanzzonen und zwar im Unterricht über Wahrnehmungsübungen und lernen „Nein“ zu sagen in grenzüberschreitenden Situationen und dass sie eine Berechtigung dazu haben!

Das Wichtigste ist hier, sich der eigenen Grenze bewusst zu werden. Dies bedeutet bei der Intimdistanz (wir sprechen hier von einer Armlänge bis 45 cm): Wer darf sich mir nähern auf diese Entfernung? Wenn ich als Pflegender die Bedeutung von Distanzzonen für mich verinnerlicht habe, fällt es mir auch wesentlich leichter, meine Grenze einzufordern. Es bedeutet nicht, dass ich deshalb nicht empathisch bin.

Die Patient*innen und Bewohner*innen haben jedoch auch diese eigene Grenze. Wenn ich während der Intimpflege einen Menschen unterstütze, ist es enorm wichtig, auch die Grenze der Bewohner*innen und Patient*innen zu berücksichtigen. In der Umsetzung: Ich informiere Patient*innen oder Bewohner*innen über die einzelnen Schritte während des Pflegeprozesses ,teile mit, welche Stellen ich berühre während einer Grundpflege und erkläre meinem Gegenüber, wo er mich gegebenenfalls berühren darf ( z. B. beim Lagern), damit Irritationen erst gar nicht auftreten.

Die Sprachlosigkeit rührt meines Erachtens daher, dass viel zu wenig Teamsitzungen stattfinden oder Seminare zu der Thematik „Nähe und Distanz in Pflegebeziehungen“. In den Einrichtungen, in denen ich diese Thematik als Fortbildung anbiete, erlebe ich im Anschluss, nach den Fortbildungen eine andere Abgrenzung und Klarheit bei Pflegepersonen im Umgang mit Pflegebedürftigen. (Dies erfahre ich durch persönliche Rückmeldung von Teilnehmer*innen per Mail oder auch von Vorgesetzten Tage später).

An dieser Sprachlosigkeit kann gearbeitet werden, wenn einzelne Seniorenhäusern und Kliniken

  1. eine klare Haltung haben zum Thema Nähe und Distanz und diese thematisiert wird in Teamsitzungen, Mitarbeitergesprächen usw.
  2. Mitarbeiter*innen die Gewissheit haben, dass sie ernstgenommen werden vom Vorgesetzten und innerhalb des Teams, wenn von sexuellen Vorfällen berichtet wird

3.regelmäßige Schulungen zu dem Thema angeboten werden

  1. Konsequenzen bei Übergriffen von Bewohner*innen/ Patient*innen und Handlungsstrategien aufgezeigt werden.

Christoph Müller Das Erleben von sexuellen Übergriffen hat für die Betroffenen körperliche und seelische Folgen. Gerade Pflegende sind mit ihren altruistischen Alltagshaltungen in der Gefahr, immer wieder über die Folgen hinwegzugehen. Was weiß man über Langzeitfolgen? Anders gefragt: Wie sehr leiden die Betroffenen auch nach Jahren, wenn sich das Leibgedächtnis meldet und sie ganz konkret hemmt?

Gabriela Koslowski Betroffene leiden extrem stark, auch nach vielen Jahren. Die körperlichen und seelischen Folgen der Grenzüberschreitungen sind sehr groß und verstärken sich noch einmal, wenn Betroffene erleben müssen, dass, wenn sie davon berichten, ihnen nicht geglaubt wird. Oder schlimmer noch, der sexuelle Übergriff oder Gewaltakt wird ins Lächerliche gezogen. Das ist für den Betroffenen extrem demütigend und verletzend und in den Seminaren immer wieder ein Thema. Ich spüre oft die große Kränkung und Verzweiflung der Betroffenen, selbst wenn  der Übergriff schon lange zurückliegt.

Die Langzeitfolgen habe ich in meinem Buch beschrieben, angefangen von

  • Körperliche Symptome, wie Magenschmerzen, Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Ekelgefühlen
  • Rückzug von Sozialkontakten, Freunden
  • Verlust von Hobby
  • Angststörungen
  • Gestörtes Essen -Trinkverhalten
  • Innere Unruhe

Bis hin zu psychischen Störungen:

Posttraumatische Belastungsstörung, die dazu führen, dass der Mensch nicht mehr arbeiten kann

Dissoziation, Zwangserkrankungen und Selbstverletzungen

Christoph Müller Sie erzählen im Buch davon, wie hilfreich es für Sie individuell gewesen ist, dass eine Führungsperson empathisch reagiert hat und gegenüber dem Täter Rückgrat gezeigt hat. Welche Vermutung haben Sie, woran es in Institutionen mangelt, so dass Betroffene sich nach der Erfahrung sexueller Aggression alleine fühlen?

Gabriela Koslowski Oh ja, ich bin heute noch dankbar für die Klarheit und die Unterstützung, die ich damals erfahren durfte bei meinem Übergriff. Es hat mich darin bestärkt, dass ich in dem Moment richtig gehandelt habe und besonders für mein späteres Leben, kein Mensch, auch ein „vermeintlich hilfloser Patient“ hat das Recht, meine eigenen, persönlichen Grenzen zu überschreiten! Diese Stärkung, Fürsorge und Klarheit der Stationsleitung hat dazu geführt, dass ich mich selbst ernstnehme und einen Handlungsleitfaden erleben durfte, wie mit sexuellen Übergriffen in der Klinik umgegangen wird.

Es hat sicherlich auch dazu beigetragen, heute eine klare Haltung gegenüber Übergriffen zu haben und den Wunsch anderen Menschen in der Gesundheitsbranche zu unterstützen, sich zu wehren bei Grenzüberschreitungen. Das ist es, was sehr häufig in den Institutionen fehlt, Klarheit, Unterstützung und Fürsorge für den oder die Betroffene /n.

Manchmal vermisse ich den Mut und die Klarheit von Vorgesetzen sich für die Betroffenen einzusetzen, dahinter steht oft die Angst vor Auseinandersetzung mit Patient*innen oder Angehörigen oder evtl.  mit dem Chefarzt/Geschäftsführung, besonders wenn Sätze fallen wie: „So sind die Männer halt!“ Bei so einer Argumentationsebene und Haltung fehlen dann die Argumente.

Beobachtbar ist auch eine gewisse Konfliktscheue oder auch Resignation generell vor diesen unangenehmen Themen. Denn das bedeutet zusätzliche Dokumentation oder Gespräche mit der oberen Führungsebene, die Zeit kosten und diese Zeit fehlt häufig.

Oder auch Unwissenheit, wie gehe ich als Vorgesetzte (r) in der Institution vor, wenn der Mitarbeiter*innen einen sexuellen  Übergriff  oder Gewalt erlebt haben. Das bedeutet, wie gestaltet sich der weitere Weg, um den Betroffenen zu unterstützen, manchmal fehlt der Handlungsleitfaden.

Glücklicherweise erlebe ich jedoch auch Einrichtungen, wo eine klare Haltung vorherrscht bei dieser Thematik und das finde ich sehr erfreulich.

Christoph Müller Sie wünschen sich, dass die Betroffenen aus der Opferrolle herauskommen. Was können die Betroffenen dafür tun, um sich selbst zu empowern? Was können Teams machen, um sich als widerständig zu erleben?

Gabriela Koslowski Ja, das wünsche ich mir, damit Betroffene nicht weiter leiden, raus aus der Opferfalle. Es ist sicherlich wichtig, sich selbst zu reflektieren, aber auch zu der Erkenntnis zu gelangen, ich werde nicht zulassen, dass mir so etwas noch einmal passiert. Nicht zu stagnieren und sich selbst zu stärken ist ganz wichtig. Denn bleibe ich in der Opferhaltung, bin ich angreifbar und das spürt mein Gegenüber.

Sich selbst empowern bedeutet:

  • Es gibt ein Beschäftigtenschutzgesetz, das mich schützt
  • Ich habe immer das Recht, mich abzugrenzen
  • Ich bin richtig in meinem Gefühl und meinem Handeln
  • sich Sprüche im Vorfeld zu überlegen, wie ich kontern kann
  • Glaubenssätze zu hinterfragen
  • Seminare zu besuchen oder auch Deeskalationstrainings
  • Anzeige zu erstatten
  • Das Notfall – Konzept
  • Sofortige Information an die Vorgesetzten/ Betriebsrat, sich nicht abwimmeln zu lassen
  • mit Freunden sprechen über den Vorfall
  • einen Selbstverteidigungskurs zu machen
  • Kurse zum Thema Stärkung des Selbstwertgefühls/ Körpersprache / Auftreten

Für Teams:

  • Gegenseitiges Unterstützen und Ernstnehmen
  • Kollegen entlasten und Patienten/ Bewohner zu tauschen
  • Regelmäßige Teamsitzungen und Supervisonen
  • Fortbildungen anbieten
  • Eine klare Haltung haben

und für mich das Wichtigste, seinem eigenen Bauchgefühl vertrauen.

Ich sage immer, wenn der Bauch quietscht, ihnen es in dem Moment nicht gut geht, weil ein anderer Mensch sie berührt oder ein Spruch kommt, ist es ein eigenes subjektives Gefühl, was mir niemand nehmen kann!! Und in diesem Moment sich selbst vertrauen und die Gewissheit haben, hier darf ich ganz klar „NEIN!“ sagen.

Christoph Müller Auch Pflegeheime und Kliniken sind keine sexualitätsfreien Räume. Was muss sich gesellschaftlich bewegen, um reifer mit dem Phänomen Intimität umzugehen?

Gabriela Koslowski Oh, Herr Müller, hier könnte ich Ihnen stundenlang antworten….

Die Bewohenr*innen / Patienten

Hier müsste sich gesellschaftlich sehr viel ändern. Zum einen die eigene Haltung älteren Menschen

in Einrichtungen gegenüber. Menschen im Alter legen ihre Intimität und Sexualität nicht an der

Pforte beim Einzug ab! Sie haben ein Recht darauf, Intimität auszuleben.

Innerhalb der Einrichtung:

  • Rückzugsräume schaffen wäre wichtig für Bewohner*innen und Patienten
  • Respekt vor dem Individuum- Schilder vor den Zimmertüren beachten “Bitte nicht stören“
  • (In Gefängnissen gibt es diese Rückzugsräume)
  • Die Achtsamkeit vor der Selbstbestimmung des älteren Menschen
  • Handlungsstrategien und Leitfäden in Einrichtungen und Kliniken (Möglichkeiten anbieten, wo außerhalb eines Seniorenheimes Intimität gelebt werden kann!)
  • Die Haltung und Einstellung von Vorgesetzten müssten sich ändern zum Thema Intimität und die Bereitschaft, etwas zu ändern. Das ATL“ sich als Mann oder Frau fühlen“ einmal genauer zu betrachten.

Auf vielen Klinik Homepages finden wir ein Leitbild, aber keine Philosophie!

Eine Idee wäre es hier einmal genauer darauf einzugehen, wie arbeiten wir in der Klinik oder im Seniorenheim und welche Möglichkeiten werden angeboten für ältere Menschen oder auch für Patienten. Es müsste ein komplettes Umdenken stattfinden!! Solange nur der wirtschaftliche Gedanke eines Unternehmens, Klinik oder einer Institution im Vordergrund steht, wird es keine Veränderung geben. Wenn es Geschäftsführung und Pflegedirektion im Unternehmen gelingt, auf der einen Seite Bedürfnisse von Patient*innen und Bewohner*innen wahrzunehmen, auf der anderen Seite eine Fürsorgepflicht für Mitarbeiter*innen umzusetzen, besteht eine große Chance, etwas zu verändern. Das würde langfristig zu mehr Zufriedenheit bei allen am Prozess beteiligten Menschen führten.

Die Pflegekräfte:

  • Sich der eigenen Grenzen bewusst ein
  • Gesundes Selbstwertgefühl
  • Nein- Sagen dürfen, egal was der andere denkt
  • Den altruistischen Gedanken über Bord schmeißen

Und mein persönlicher Wunsch wäre, Vertreter in der Politik zu haben, die sich endlich um die unzumutbaren Zustände und Belastungen von Menschen in der Pflege kümmern, sich um einen Pflegenotstand nicht nur Gedanken machen, sondern endlich ins Handeln kommen würden. Wenn unsere Gesellschaft Pflegepersonen den Respekt zollt, den diese so  verdient haben. Ich würde mir wünschen, dass sich Menschen in unserer Gesellschaft einmal Gedanken machen, was Pflegekräfte jeden Tag leisten und ihnen Wertschätzung und Achtsamkeit im kommunikativen Umgang entgegenbringen. B. ein Lächeln, ein Danke für die tägliche Arbeit. Und hier nehme ich insbesondere Angehörige und Vorgesetzte mit ins Boot.

Das wäre ein Anfang für einen Veränderungsprozess!

Christoph Müller Herzlichen Dank, liebe Frau Koslowski, für dieses offene Gespräch.

 

Das Buch, um das es geht

Gabriela Koslowski: Sexuelle Übergriffe und Gewalt im Pflegealltag – So setzen Sie sich erfolgreich zur Wehr – Ein Handlngsleitfaden für Pflegekräfte, Schlütersche Verlagsanstalt, Hannover 2021, ISBN 978-3-8426-0864-1, 147 Seiten, 29.95 Euro.

Autor:in

  • Christoph Mueller

    Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at