„Was Konsumtempel mit Kliniken zu tun haben“

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Erst vor kurzem haben wir in Deutschland erfahren, dass die Warenhaus-Kette Kaufhof Karstadt Galeria ein Drittel der Häuser schließen wird. Als dies bekanntgeworden ist, erschraken nicht nur die Beschäftigten. Für viele langjährige Kundinnen und Kunden bricht mit der Schließung der Warenhäuser eine Welt zusammen. Die Konsumgewohnheiten müssen individuell angepasst werden.

Mit der Schließung der Warenhäuser kommt auf Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker, auf Städtebauerinnen und Städtebauer eine große Aufgabe zu. Sie müssen sich der Frage stellen, wie kleinere und größere Städte entwickelt werden müssen, wenn bedeutende Einkaufsorte die Pforten schließen. Stadtentwicklung und Stadtbauentwicklung werden zu Herausforderungen der Gegenwart.

Natürlich hat die Kritik eine Berechtigung, dass es absehbar gewesen ist, weil seit vielen Jahren Konsum-Malls auf die grünen Wiesen vor den Toren der Städte gebaut werden. Diese Konsum-Tempel bieten neben dem Einkauf von Kleidung und Elektronik-Artikeln, von Schmuck und Smartphones oft viele andere ansprechende Dinge, die der und dem Einzelnen gefallen. Wellness-Einrichtungen und ganz unterschiedliche Restaurants bringen die Gaumen und die Seelen in Resonanz.

Es ist ganz egal, wie jede Einzelne und jeder Einzelne zu diesen Entwicklungen steht. Die Abstimmung mit den Füßen zeigt, was die Zeitgenossinnen und Zeitgenossen wünschen. Dies zeigt ja auch die Tatsache, dass sich die Einkaufsgewohnheiten durch das Internet einschneidend verändert haben.

Jetzt steht die Frage im Raum, was die Schließung riesiger Kaufhäuser mit einem Maximal-Angebot mit dem gegenwärtigen Gesundheitssystem zu tun hat? Auf den ersten Blick hat das Gesundheitssystem nichts mit Konsumtempeln der Gegenwart zu tun. Für mich ist es ein Anstoß, über die Zukunft von Krankenhäusern und Pflegeheimen nachzudenken.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass sich in diesen Einrichtungen über die letzten Jahre und Jahrzehnte nur wenig verändert hat. Die einzigen Veränderungen, die immer wieder beklagt werden, sind die Ökonomisierung und die Gewinnmaximierung, die viele Träger wünschen. Behandlungsprozesse werden mit klinischen Pfaden optimiert. 24 Stunden werden in manchen Kliniken die Operationssäle ausgelastet. Oft drängt sich der Eindruck auf, dass Qualitätsmanagement-Systeme eine größere Priorität haben als die individuelle Versorgung kranker und gebrechlicher Menschen. Dass das Miteinander von Berufsgruppen vor allem an vergangene wilhelminische und viktorianische Zeitalter erinnert.

In Deutschland nennen sich Krankenversicherungen inzwischen Gesundheitskassen. Dies provoziert einen, darüber nachzudenken, wie sich Kliniken und Pflegeheime verändern könnten. Krankenhäuser könnten sich doch beispielsweise zu Gesundheitshäusern verändern. Körperlich und seelisch erkrankte Menschen haben ein Recht darauf, in Gesundheitshäusern Essen zu bekommen, das hohen Ansprüchen genügt. Natürlich braucht es etwas Phantasie, um die Speisekarten abwechslungsreicher und gesunder zu gestalten. Die Einfallslosigkeit sich täglich wiederholenden Essens ist da ein schlechtes Zeichen.

Wenn Gesundheitskassen Achtsamkeitskurse und Rückenschule anbieten, dann kommt man ins Grübeln, wieso kranke Menschen nicht schon im Gesundheitshaus damit beginnen können? Ich will nicht so weit denken und mir Wellness-Angebote in der Klinik vorstellen. Das Gesundheitssystem wird sich sicher in der nächsten Zeit verändern müssen. Ich glaube, dass ich nicht der Einzige wäre, der dies begrüßen würde.

Christoph Mueller
Über Christoph Mueller 208 Artikel
Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at

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