War da nicht einmal eine Pflegereform in Österreich angekündigt?

Seit 2015 begleite ich die Pflegelandschaft mit meinem Magazin „Pflege Professionell“. Hierbei durfte ich auch tief in die Politik blicken. Sabine Oberhauser nannte mich damals liebevoll den „Flügelmann“, Beate Hartinger-Klein nahm sich für ein Interview und Pflegegespräch persönlich Zeit, ohne dass sie von einem Zettel die Antworten ablesen musste und Rudolf Anschober steckte viele Stunden in gemeinsame Gespräche, Videos und Artikel, die nicht nur wertschätzend waren, sondern auch auf eine gute Pflegereform hoffen ließen. In der Zwischenzeit durfte ich redaktionell Zeit mit Christian Kern, Norbert Hofer, Matthias Strolz, Ulrike Lunacek, Sebastian Kurz, Pamela Rendi-Wagner und vielen anderen verbringen und hatte so einen guten Einblick, wie das System läuft. Dies steigerte meine Hoffnung, dass es vielleicht wirklich eine Pflegereform geben könnte, die uns im System „den Arsch rettet“.

Es wurde besprochen, diskutiert, Arbeitsgruppen gebildet, Inhalte ausgefeilt, die GÖG gefühlte 200x in Evaluierungen geschickt und tadaaaaaaa „Eine Pflegereform wurde angekündigt.“ Ja ok, dann kam die Pandemie, doch die Pandemie ist kein dauerhafter Grund die „Pflegereform“ ins Eck zu schieben. Doch was ist mit den unzähligen Arbeitsgruppen geblieben?

Die „Community Nurse“, eine Millionen EU-geförderte Erweiterung der extramuralen Pflege scheint das „Hauptpferd“ der Reform zu sein, denn es wird bei jeder Kleinigkeit aus der Schublade geholt. Aus 500 Pilotprojekten wurden 150 und selbst die scheinen schleppend bis nicht vorhanden aus dem Hut gezaubert zu werden. Da stellen sich bei mir 2 Fragen. 1.) Wenn die EU Millionen an Förderungen für dieses Projekt bereitstellt, warum lauft es dann schleppend an? Ist hier die Trägheit in der Ö-Finanzierung der Bremser oder kann man sich woanders nicht einigen? 2.) Wenn die Community Nurse das „Hauptferd“ der Pflegereform ist, wie rettet uns dies im System? 150 Community Nurses versus 80.000 fehlenden Pflegekräfte? Ist dies die österreichische Variante der Marvel Avengers? Und wie hilft uns hierbei eine türkis angemalte Bar, um Pflegeheime und Krankenhäuser im Überlebenskampf zu supporten?

Dann wäre noch als zweite Stütze der Pflegereform die „Evaluierung der Novelle“ bei der mit Sicherheit herauskommen wird, dass die PFA noch mehr Kompetenzen brauchen, um uns zu retten. Wir haben also eine dreijährige Ausbildung NICHT in den FH Sektor verschoben, sondern einfach den internationalen Standard in der Pflege damit erfüllt, die Akademisierung einzuführen, aber in Wirklichkeit durch die Hintertür eine 2jährige Ausbildung mit nahezu den selben Praxiskompetenzen auszustatten, die natürlich billiger sind und sich schneller ausbilden lassen. Verantwortlich wird dann natürlich weiterhin irgendjemand sein, der NOCH ein Diplom hat oder die „Akademisierten“. Der Titel sollte also lauten „Billigere Arbeitskräfte und akademisierte Opferlämmer“.

UND DAS WAR’S ?

Das wird uns im System retten? Wie sieht es mit den Arbeitsbedingungen aus? Wie sieht es mit der gleichwertigen Bezahlung in den unterschiedlichen Pflegesettings aus? Will man Pflege wirklich mit 500 Euro abspeisen, die jetzt fast 2 Jahre in zusätzlich pandemischen Bedingungen durchgehalten haben?

Damit werden wir aber nicht die Pflege am Leben erhalten und die leidtragenden sind dann nicht die Pflegepersonen, denn die haben sich schon an den Schmerzensgrad gewöhnt. Leidtragende sind die Patient*innen die irgendwann nicht mal mehr „warm, satt, sauber“ erhalten. Nur zur Erinnerung an die Politik, die hier mit Sicherheit wieder mitliest… Patient*innen & Pflegeexpert*innen = Wählerschaft.

Als Fachmagazin, Leiter einer Ausbildungsstätte und Pflegekraft (von ganzem Herzen) bitte ich Sie, liebe Politiker*innen, einfach wieder mehr den Diskurs zu suchen, um schnell MIT uns Lösungen umzusetzen. Sonst müssen irgendwann mal SIE es den Wähler*innen erklären, warum es weder „warm“, „satt“ noch „sauber“ für Angehörige oder sich selbst gibt.

Ich kann Ihnen aber eines versprechen: „Auch die Pflege wird demnächst nicht mehr mitspielen“.

Mit lieben Grüßen

Der Wahnsinnige aus NÖ, der sich kein Blatt vor dem Mund nimmt.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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