Vom Notfallpatienten bis hin zur Intensivstation

Lieber Marco, als Erstes würde ich dich bitten kurz die Firma KMT (Koloszar Medizintechnik) zu beschreiben. Welche Produkte verkauft ihr? Wer gehört zu eurer Klientel? Was sind deine konkreten Aufgaben in deinem Unternehmen?

„Wir sind ein Vertrieb von Notfallprodukten aller Art. Ich beschreibe uns gerne bildlich so, dass wir vom schwer erkrankten/verletzen Notfallpatienten am Einsatzort, über den Transport in die Klinik, weiter in Schockraum oder Notfallaufnahme bis hin zur Ankunft der Intensivstation jedes Produkt verkaufen. Wir bedienen 3 Rubriken:

  1. Hospital
  2. EMS-Rettungsdienste
  3. Public Access – Firmen, Gemeinden, öffentliche Institutionen

Unser Fokus liegt aber auf der Herzsicherheit in Österreich. Hierzu konnten wir schon sehr viele tolle Projekte umsetzen. Wir verkaufen rund 600 Defibrillatoren jährlich nur im öffentlichen Bereich.“

Von alleine kommt nichts

Du hast zuvor eine Ausbildung zum OP-Pfleger absolviert. Würdest du diese als Vorteil gegenüber anderen Verkäufern/Verkäuferinnen deiner Branche sehen? Wenn ja, welche Vorteile sind für dich am Bedeutendsten?

„Nun ja, absolut. Bevor ich auf diese Frage eingehe muss ich noch erwähnen das ich auch eine kaufmännische Ausbildung genossen habe. Ich erlernte den Beruf Büro und Einzelhandelskaufmann! Erst danach ging ich in die Pflege und konnte dann schlussendlich beides hervorragend kombinieren.

Eines ist klar, ohne Grundkenntnisse in der Medizin und dieser Geschäftsbranche ist es schwierig bei den Anwendern zu bestehen daher, ja, dieser Werdegang war das Beste was mir passieren konnte. Mein Erfolg war es aber dann schlussendlich sehr viel Zeit und Herzblut in diese Arbeit zu stecken. Von alleine kommt leider nichts.“

Ich wollte immer selbständig arbeiten

Warum bist du von der Pflege in den Verkauf gegangen? Warum nicht gleich in den Verkauf, bzw. warum bist du nicht in der Pflege geblieben?

„Nun, ich bin seit meinem vierzehnten Lebensjahr beim Roten Kreuz tätig. Begonnen hatte ich damals schon beim Jugendrotkreuz.. Mit Beendigung meines 15ten Lebensjahrs durfte ich dann bereits als 3ter Sanitäter auf einem KTW (=Krankentransportwagen) während meines, damals noch 60stündigen Sanitätskurses, mitfahren. Ich habe mich seither immer schon für das Soziale engagiert und immer gewusst in diesem Bereich werde ich mein Leben verbringen.

Der Job als Pfleger im Krankenhaus war genial und dort habe ich wirklich sehr gerne gearbeitet, aber in einer Klinik musst du straffe und klare Strukturen be- und erarbeiten. Das kann durchaus was Schönes und Interessantes sein, doch für mich war klar, dass ich meine eigenen Strukturen und Ideen abarbeiten möchte. Ich denke das ich im Geschäftlichen sehr ideenreich und kreativ bin und das konnte ich nur in der Privatwirtschaft umsetzen. Des Weiteren ist mir der Schritt in die Privatwirtschaft sehr leicht gefallen, weil ich wusste, dass ich jederzeit – aufgrund meiner Ausbildung – einen Job in der Pflege bekommen würde. Du wirst verstehen, dass es mache Menschen gibt, die sehr gerne selbständig arbeiten wollen und genau das war immer eines meiner wichtigsten Punkte in meinem Leben.“

Es war alles richtig aus heutiger Sicht

Würdest du deinen Weg genauso wieder gehen (sprich Pflege dann Verkauf) oder hättest du gerne etwas anders gemacht? Falls ja, was und warum?

„Um ehrlich zu sein, nein, ich hätte nichts anders gemacht! Es war alles richtig aus heutiger Sicht. Ohne Klinikerfahrung und damit meine ich nicht nur die Pflege am Patienten sondern der Umgang mit Menschen in schwierigen Situationen – dazu zähle ich wichtige Attribute, wie: Rhetorik, Einfühlungsvermögen, Einsichtigkeit uvm. –  das möchte ich so nicht missen. In Summe war ich dann sechs Jahre im klinischen Bereich tätig bis ich dann den Verkaufsweg einschlagen durfte.

Bitte unbedingt Ausbildung absolvieren und Erfahrungen sammeln. Sie werden im Leben mehr erreichen, wenn Sie viel Erfahrung und Wissen mitbringen und das nicht nur aus der Theorie und den Praktika alleine. Man wird Sie hören und demnach besser einstellen.“

Tipps von Marco Sodomka

Hast du ein paar motivierende Worte für den Nachwuchs von Übermorgen, die noch gar nicht erahnen wie vielfältig die Berufswahl in der Pflege sein kann.

„Ich sehe in meiner Funktion immer wieder Bewerberinnen und Bewerber, die sich zum Großteil ans Wohlfühlen und am Gehalt eines Jobs orientieren. Ich gebe Ihnen aus meiner Erfahrung eines ganz klar mit: Wohlfühlen und hohes Gehalt erreichen Sie nur durch viel Fleiß! Mag sein, dass dies jetzt etwas großkotzig klingt, aber in der Privatwirtschaft werden Sie nur nach Zahlen gemessen. Ja, das muss man wollen. Ich gebe zu, auch ich aus der Pflege kommend musste mich hierzu umstellen, darf aber im gleichen Atemzug sagen, das hat auch seine Vorteile.

Beginnen Sie in einer Institution, wo Sie das Gefühl haben, hier hört man auf Sie. Beginnen Sie nicht in einer Institution, weil sie in Ihrer Wohnnähe ist oder, weil Ihre Vorfahren oder Freunde dort arbeiten. Blicken Sie über den Tellerrand und fragen Sie sich: wo will ich in 10 Jahren sein? Gerne stehe ich Ihnen für Fragen jederzeit zur Verfügung und wünsche Ihnen allen alles erdenklich Gute für die Zukunft. Wir brauchen Sie und als Bürger dieses Landes bedanke ich mich für ihr Engagement.

Ihr Marco Sodomka“

 

Katharina John
Über Katharina John 1 Artikel
Rettungssanitäterin, Studentin Gesundheits- und Krankenpflege "IMC FH Krems"

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