AT: Volkshilfe: Pflege ist mehr als 24-Stunden-Betreuung

Gross fordert, das ‚big picture’ nicht aus den Augen zu verlieren

Wien (OTS) – Zur momentan laufenden Debatte über den Einfluss einer eventuellen Indexierung auf den Pflege-Bereich sagt Barbara Gross, Präsidentin der Volkshilfe Österreich: „Die Diskussion ist richtig und wichtig. Es gilt jedoch, das ‚big picture‘ nicht aus den Augen zu verlieren. Schon jetzt und vor allem in Zukunft wird uns die Pflege und Betreuung vor ganz neue Herausforderungen stellen. Der Personalbedarf wird drastisch steigen. Eine merkbare Aufwertung des Berufsbildes ist die einzig richtige Herangehensweise: Fachlich, gesellschaftlich und letztlich auch finanziell“.

Momentan wird ein großer Anteil an der Versorgung unterstützungsbedürftiger Menschen durch informelle Pflege abgedeckt, so die Präsidentin: „Knapp 53 Prozent werden ausschließlich durch Angehörige betreut. Hinzu kommen 25 Prozent, die zwar mobile Dienste in Anspruch nehmen, dies zum Teil aber ebenfalls in Kombination mit informeller Angehörigenpflege. 17 Prozent werden in Pflege- und Altersheimen betreut und fünf Prozent nehmen 24-Stunden-Betreuung in Anspruch“. Auch in Hinblick auf den Weltfrauentag am 8. März unterstreicht Barbara Gross, dass der Großteil der informellen Pflegeleistung durch Frauen erbracht wird. Einerseits große psychische Belastungen, andererseits prognostizierte Steigerungen in den Erwerbsquoten machen deutlich, dass der Ausbau an mobilen Pflegeleistungen sowie alternativen Pflegeformen unumgänglich sind, so die Präsidentin: „Wir brauchen flexible und leistbare Angebote für stundenweise Betreuung, Wochenendbetreuung und ambulante Betreuung in der Nacht. Die mobile sowie die teilstationäre Pflege müssen stark ausgebaut werden. Diese Angebote müssen die Heterogenität der Zielgruppen berücksichtigen und es braucht Möglichkeiten für die Entwicklung und Erprobung neuer innovativer Modelle“.

Ein dementsprechender Ausbau der Angebote würde sich nicht nur positiv auf das Pflegesystem sondern auch auf die Arbeitslosigkeit auswirken: „Wird auf die in sich sehr heterogene Nachfrage in der Pflege mit einem bedürfnisorientierten Angebot geantwortet, wirkt sich das letztlich auf die gesamte Gesellschaft positiv aus. Gefordert sind die politischen VerantwortungsträgerInnen. Wir brauchen Maßnahmen, die den Lückenschluss zwischen stundenweiser Betreuung und der 24-Stunden-Betreuung ermöglichen, pflegende Angehörige entlasten und letztlich zu einem langfristig abgesicherten Pflegesystem in Österreich führen“.

Über Markus Golla 10105 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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