UN-Gipfel zu Tuberkulose: Historisches Treffen – mit verpassten Chancen?

Inhaftierte, die vermutlich mit HIV, Tuberkulose und anderen Krankheiten infiziert sind, werden in einer Zelle im Internierungslager Trig al-Matar von anderen Gefangenen getrennt. (C) Guillaume-Binet Médecins-Sans-Frontières

„Staats- und Regierungschefs aus aller Welt haben sich zum ersten UN-Sondergipfel zu Tuberkulose (TB) getroffen. Neueste von der Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlichte Zahlen zu TB weltweit zeigen, dass der Kampf gegen die Krankheit zu langsam verläuft. Im vergangenen Jahr sind 1,6 Millionen Menschen an Tuberkulose gestorben und 10 Millionen neu an TB erkrankt. In den vergangenen sieben Jahren blieben schätzungsweise mehr als ein Drittel der TB-Erkrankten ohne Diagnose.

Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) hatte im Vorfeld dazu aufgerufen, die Diagnose und Behandlung von TB ausbauen und sich dazu zu bekennen, künftig effektivere und leichter handhabbare Präparate zu entwickeln. Nur auf diesem Weg könnten Menschenleben gerettet und die tödlichste aller Infektionskrankheiten bekämpft werden.

Die gute Nachricht ist, dass dieses historische Treffen zu einer Zeit stattfand, in der die Welt mit neuen, wirksameren Medikamenten und Diagnostika zur Bekämpfung von Tuberkulose ausgestattet ist und eine echte Chance besteht, die Behandlung zu verbessern und das Leben von Menschen zu retten.

Die schlechte Nachricht ist, dass die führenden Politiker der Welt es erneut versäumt haben, Menschen mit TB eine Priorität zu geben und somit den Fortschritt in diesem Kampf weiter bremsen. Das ist eine verpasste Gelegenheit. Von den 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen haben weniger als 30 Staats- und Regierungschefs an dem Treffen teilgenommen. Es fehlen Mitglieder der Länder mit hoher TB-Belastung und Geber, die zugesagt hatten, den Kampf gegen TB zu finanzieren.

Nur weil die Kameras aus sind, bedeutet das aber nicht, dass alle wieder zum normalen Geschäft zurückkehren können. Die Regierungschefs müssen diese Dynamik nutzen und sich verpflichten, ihre Investitionen deutlich zu erhöhen und so die Forschungsgemeinschaft zur Entwicklung neuer neuer Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente zu befähigen – die wir dringend benötigen. Nur so kann die tödlichste Infektionskrankheit wirksam bekämpft werden. Zehn Millionen Menschen, die jedes Jahr an Tuberkulose erkranken, warten verzweifelt auf eine schnelle, sichere und einfache Heilung.“

Sharonann Lynch, Beraterin für HIV & Tuberkulose bei Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF)  Access Campaign.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen