Tumor mit Humor – Darmkrebs in Corona-Zeiten

Tumor Humor Covid-19

„Objektive Bedeutung relativieren“

Es ist ein und derselbe Gedanke, der einem während der Lektüre des Buchs „Tumor mit Humor“ durch den Kopf geht: „Dies musst Du erst einmal schaffen, dass Du im Angesicht der Endlichkeit Deine Heiterkeit nicht verlierst“. Dietmar Gebert vermisst seine optimistische Lebenshaltung wohl nicht. In dem bewegenden wie beeindruckenden Buch nimmt er die Leserinnen und Leser mit auf eine „Reise nach Darm-Stadt“. Der Darmkrebs hat die Leistungsfähigkeit seines Körpers und sein Leben an sich in Frage gestellt. Seinen Kopf steckt Gebert trotzdem nicht in den Sand. Vielmehr kämpft er mit der Hilfe seines Humors und seiner Heiterkeit um das eigene Überleben.

„Für alle potentiellen Patient_innen kann das Buch Ermutigung zum selbst-bewussten Umgang mit einer schweren Diagnose sein“, schreibt der Internist Prof. Dr. Andreas Schuler in seinem empathischen Vorwort. Fein-und tiefsinniger Humor, köstlich humoreske Sentenzen und Blickwinkel, Momente herzhaften Lachens wechselten sich ab mit nachdenklich, fast demütig anmutenden Passagen.

Schuler trifft mit seinen Worten sehr gut, was das Gebert-Buch ausmacht. Aus der Perspektive eines Betroffenen, aus der Sicht eines Patienten im scheinbar kaum zu bewältigenden Gesundheitssystem nimmt Gebert die Leserinnen und Leser mit in eine schwierige Zeit seines Lebens. Wenn Gebert ausführlich und mit einem Augenzwinkern eine Untersuchung mit einem Kernspin-Tomographen beschreibt, wird die Hilflosigkeit deutlich, die ein Betroffener beispielsweise in der Diagnostik erlebt. Wörtlich schreibt Gebert: „Das Monstrum, das mich in hellem Weiß anlacht, soll mein Zuhause für die nächsten fünfunddreißig Minuten werden. Für alle, die gerade mit ihrer Wohnsituation unzufrieden sind, sei gesagt: Kernspin ist keine Alternative“ (S. 18).

Es ist nicht nur so, dass Gebert den Alltag mit einem Darmkrebs beschreibt. Er erzählt nicht nur, wie sich Diagnostik und Therapie gestalten. Um seine schwere Erkrankung zu bewältigen, schreibt er seinem Krebs auch Briefe. Da klagt er darüber, dass der Krebs auch hätte fragen können, ob er bei Gebert einkehren könne. Vielleicht wäre der Krebs ja frühzeitig auf die Idee gekommen, dass er nicht mit Gebert zusammenpasse.

Es ist der sehr konstruktive Umgang mit dem Leiden, den die Leserinnen und Leser beeindrucken. Damit ist Gebert beispielgebend für Menschen, die in vergleichbaren Situationen sind. Auch für Angehörige erkrankter Menschen kann es ein Hoffnungsschimmer sein. Das Trotzdem dieses Buchs hat eine unglaubliche Überzeugungskraft.

Die lebhaften Beschreibungen des Alltags mit einer schweren Darmerkrankung illustriert Gebert mit Fotografien und Zeichnungen, die er unter anderem vor Ort in der Klinik gemacht hat. Diese Illustrationen verstärken die Eindrücke, die Leserinnen und Leser bei der Begleitung Geberts gewinnen. Gebert denkt viel nach, lässt die Leserinnen und Leser an seinen Überlegungen teilhaben: „Ja, es ist immer eine Frage der Haltung. Die realen Tatsachen können wir nicht verändern – mag es sich dabei um eine Krankheit, um Schicksalsschläge oder ähnliches handeln. Wir können aber frei bestimmen, wie wir uns gegenüber solchen Tatsachen einstellen, wie wir sie subjektiv einschätzen und bewerten. Ich für meinen Teil habe die Entscheidung getroffen, der Krankheit mit positiver Energie und mit recht viel Humor entgegenzutreten – und ihre objektive Bedeutung dadurch zu relativieren“ (S. 81).

Und das Wichtigste ist in diesem Zusammenhang, dass uns Gebert mit seinem Buch „Tumor mit Humor“ an dieser Haltung teilhaben lässt. Da lohnt es sich, den Hut zu ziehen.

 

Tumor Humor Covid-19

Dietmar Gebert: Tumor mit Humor – Darmkrebs in Corona-Zeiten, HCD-Verlag, Tuttlingen 2021, ISBN 978-3-938089-38-5, 160 Seiten, 15.80 Euro.

Autor:in

  • Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at