Trans Senior_innen in der Pflege – Ein Leitfaden für Pflegekräfte

(C) Kzenon

Abstract

Der Artikel „Trans Senior_innen in der Pflege – Ein Leitfaden für Pflegekräfte“ beschäftigt sich mit den Problemen, Bedürfnissen, aber auch Ressourcen von alternden trans Personen. Vor allem der Blick auf die Bedürfnisse von trans Senior*innen hilft Pflegekräften bei einem fachgerechten und würdevollen Umgang mit künftigen Klient*innen. Dieser beinhaltet nicht nur die korrekte Ansprache von trans Klient*innen, sondern auch die Berücksichtigung bei der körperlichen Pflege oder der Gestaltung des Aufenthalts in einem Pflegeheim.

Begriffe: Transgender, Trans, Senioren, Seniorenarbeit, Altenarbeit, Alter, Pflege, Pflegekraft, Pflegeheim, Deadname, Misgendern, cis-geschlechtlich, Geschlechtervielfalt, Queer, LGBTQ+

Einleitung

Trans Personen werden immer älter. So ist laut Age UK (2020) die kommende Senior_innegeneration die erste Gruppe alternder trans Personen, die sich aktiv mit Pflegekräften auseinandersetzen wird. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Pflegekräfte womöglich das erste Mal auf trans Patient_innen treffen und nicht wissen, wie sie mit den sozialen oder körperlichen Pflegebedürfnissen einer trans Person umzugehen haben.

Dieser Beitrag soll Pflegekräfte über die Lebenswelt von alternden trans Menschen aufklären und als Leitfaden für den würdevollen Umgang mit trans Klient_innen dienen.

Im Folgenden werden zunächst Bedürfnisse und Probleme alternder trans Personen dargestellt. Im zweiten Schritt werden Handlungsempfehlungen für Pflegekräfte aufgezeigt.

Bedürfnisse, Probleme und Ressourcen alternder trans Personen

Erste Hinweise auf die Bedürfnisse und Probleme von alternden trans Menschen gibt die im Jahr 2014 erschienene Publikation von Anna Siverskog (2014). Im Rahmen der Interview-Studie wurden Gespräch mit trans Männern, trans Frauen sowie abinären (non-binary) Personen in Skandinavien geführt. Insgesamt kristallisieren sich darin vier Bedürfnisse heraus: Akzeptanz, zwischenmenschliche Beziehungen, Aufklärung des Umfeldes und vereinfachte Diagnoseverfahren.

Viele trans Menschen – geoutet oder ungeoutet – leben in ständiger Angst, zwangsgeoutet und durch die Offenlegung ihrer Trans-Identität diskriminiert zu werden. Gerade alternde trans Menschen haben oft ein Leben lang in Scham und Angst gelebt und halten sich entsprechend mit der Auslebung ihrer Identität zurück. Die Angst, mit der trans Personen leben, ergibt sich aus erlebten oder angedrohten Gewalterfahrungen, die ihnen vor allem durch die eigenen Familienmitglieder, Ehepartner_innen oder Bekannten zugefügt werden (Siverskog 2014, S. 392).

Das verspätete Coming Out, häufig aufgrund von Angst vor Diskriminierung und Gewalterfahrung, führt immer wieder zur Vereinsamung von alternden trans Personen. Siverskogs Studie wird unter anderem von Nachbarn erzählt, die ihre Nachbarin Lena seit ihrem Coming Out nicht mehr zu Kaffee und Kuchen einladen. Weitere Interviewte erzählen, dass keinerlei nähere zwischenmenschliche Beziehungen in ihrem Leben existieren. Vereinsamung und Isolation spielt auch bei alternden cis Menschen bereits eine große Rolle, da durch den Einstieg ins Rentenalter, den Auszug der eigenen Kinder oder den Tod des_der Ehepartner_in wichtige soziale Beziehungen wegfallen. Diese Isolation wird durch ein Coming Out als trans Person oftmals verstärkt. Häufig wenden sich Familienmitglieder oder Bekannte ab, da sie Transgeschlechtlichkeit und mögliche Änderungen, die die geoutete trans Person durchmachen wird, nicht verstehen. Aufgrund dessen ist die Aufklärung des Umfeldes von hoher Relevanz, denn nicht nur Bekannte müssen zum dem Thema aufgeklärt werden; in einem Großteil der Fälle müssen ebenso medizinisches Fachpersonal sowie Ärzt_innen über Transgeschlechtlichkeit, medizinische Behandlungen und den Unterschied zwischen Geschlechtsidentität und romantisch-sexueller Identität aufgeklärt werden. (Siverskog 2014, S. 395)

Zusätzlich zu Akzeptanz, zwischenmenschlichen Beziehungen sowie Aufklärung des Umfeldes sind vereinfachte Diagnoseverfahren für binäre und abinäre trans Personen notwendig . Dies beinhaltet nicht nur den Zugang zu Hormontherapien oder chirurgischen Eingriffen (im Englischen „gender reassignment surgery“ (GRS) genannt), sondern auch die Möglichkeit einer schnellen Änderung des Personenstandes und Passnamens. Ein vereinfachter Zugang zu Hormontherapien, angleichenden Operationen oder gar „nur“ die Änderung des Personenstandes senkt nicht nur die Geschlechtsdysphorie und die mögliche Gefahr zwangsgeoutet zu werden deutlich, sondern steigert ebenso die Lebensqualität von trans Personen. (Bockting et al. 2016, S.3)

Eines der größten Probleme von alternden trans Personen ist, neben Gewalterfahrungen, Zwangsouting und Isolation, die oftmals berechtigte Sorge der schlechten medizinischen und später pflegerischen Versorgungen, denen trans Menschen ausgesetzt sind. Neben fehlender Mobilität im Alter oder fehlender Versorgung für trans Personen im Wohnort der Senior_innen (Witten 2014, S. 26f; Siverskog 2014, S. 398) ist die heteronormative und cissexistische Wahrnehmung von Geschlecht und deren Auswirkung auf die Transition von abinären, genderqueeren, genderfluiden und agender Personen ein großes Problem, mit dem sich vor allem abinäre trans Personen regelmäßig auseinandersetzen müssen. Die abinären Personen, die Siverskog interviewt hat, berichten davon, dass sie kein offizielles Gutachten bekommen haben, das ihnen Zugang zu Hormonbehandlungen und ähnlichem ermöglicht hätte. Dies bedeutet entweder das Zahlen der Behandlungen aus eigener Tasche – wofür häufig die finanziellen Mittel und der Zugang zu adäquaten Medikamenten fehlen –, ein Rechtsstreit – wofür meist die finanziellen und emotionalen Mittel fehlen –, oder ein Leben mit Geschlechtsdysphorie, was wiederum psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Suizidalität auslösen kann. (Siverskog 2014, S. 396; Bockting et al 2016, S. 3)

Eine wichtige Ressource, die Isolation sowie fehlende finanzielle Mittel oder den Zugang zu adäquaten Medikamenten ausgleicht, ist der Umgang mit anderen trans Menschen. Sei es durch peer-to-peer-Beratung oder durch Online Communities: Eine Vernetzung mit Gleichgesinnten hilft trans Personen im Umgang mit aufkommenden Problemen. Es können Themen besprochen werden, für die Dienstleister_innen teils kein Bewusstsein haben , wie sichere Orte, um Kleidung zu kaufen, oder wie mit respektlosen Kolleg_innen umgegangen werden soll. Gerade Online Communities erzeugen so ein Gefühl des Zusammenhalts und einen sicheren Raum. Gleichzeitig müssen sich die entsprechenden Betroffenen nicht öffentlich outen, wenn ein Coming Out die eigene Sicherheit gefährden könnte. Hilfsnetzwerke dienen dem gegenseitigen Empowerment, dem Teilen von Erfahrungen und dem Teilen von Tipps zur Selbstpflege. (Ducheny et al 2019, S. 169)

Neben einem Netzwerk in der trans Community erwähnen sowohl Witten (2014) als auch Emlet (2011, S.17) geistige Verbindungen als mögliche Ressource. Der „The Aging and Health Report“ zeigt, dass knapp 50% der trans Teilnehmenden mindestens einmal im Monat zum Gottesdienst gehen. Witten (2014, S. 29) argumentiert, dass eine geistige Verbindung („nurturing spiritual self“) als Ressource dienen kann, um „robust zu bleiben“ . Zusätzlich nennt Witten (2014, S.29) Selbstakzeptanz sowie Aufklärung und Aktivismus als Ressourcen, die trans Personen helfen können, ihren Alltag zu meisten.

Handlungsempfehlungen für Pflegepersonal

Basierend auf den vorgestellten Bedürfnissen und Problemen , die bei alternden trans Personen auftreten, sowie den Ressourcen, auf die sie zurückgreifen können, werden im Folgenden Handlungsempfehlungen für Pflegepersonal vorgestellt. Diese Handlungsempfehlungen dienen dazu, den Umgang mit trans Klient_innen respektvoll zu gestalten.

  1. Die korrekte Anrede nutzen

Einer der wichtigsten Punkte – wenn nicht sogar der wichtigste Punkt – im Umgang mit trans Klient_innen ist die Nutzung des korrekten Namens, der korrekten Anrede, der korrekten Personalpronomen sowie der Selbstbeschreibung der Klient_innen (Cook-Daniels 2010).

In der trans Community gibt es viele Selbstbeschreibungen, die nicht von jeder trans Person genutzt oder von manchen abgelehnt werden können. Dies wird vor allem bei dem Diskurs um „transgender“ vs. „transsexuell“ sichtbar .

„Transgender“ lässt sich laut dem Duden als „[eine] Person, die sich nicht mit dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht identifiziert und oft geschlechtsangleichende Maßnahmen anstrebt oder durchführen lässt“ definieren. (Duden o.J.)

Hierbei wird nicht unterschieden, ob sich die besagte Person nicht mit ihrem „sozialen Geschlecht“ (d.h. wie die Person gelesen und wahrgenommen wird) identifiziert oder auch angleichende Maßnahmen (z.B. Hormontherapie, angleichende Operationen, Gesichtsfeminisierung bei trans femininen Personen oder Hysterektomie bei trans maskulinen Personen) durchführen lassen möchte.

„Transsexualität“ wird laut ICD-10 „F64 Störung der Geschlechtsidentität“ genannt und ist der „medizinische“ Begriff für Transgeschlechtlichkeit. Laut ICD-10 wird „Transsexualismus“ als „[der] Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden. Dieser geht meist mit Unbehagen oder dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen anatomischen Geschlecht einher. Es besteht der Wunsch nach chirurgischer und hormoneller Behandlung, um den eigenen Körper dem bevorzugten Geschlecht soweit wie möglich anzugleichen.“. (Krollner & Krollner o.J.)

Transsexualität ist damit nicht nur heteronormativ und cissexistisch verortet und schließt somit abinäre Menschen aus, sondern besteht auf den Wunsch, angleichende Maßnahmen durchführen lassen zu wollen. Dies ist jedoch nicht bei jeder trans Person der Fall.

„Transsexuell“ wird häufig von älteren trans Personen genutzt, während der Begriff von jüngeren Mitgliedern der Community als pathologisierend eingestuft und somit abgelehnt wird. Entsprechend wichtig ist es, die Selbstbeschreibungen von Klient_innen zu respektieren und nicht nur im Umgang mit trans Klient_innen, sondern auch im Gespräch mit Fachkolleg_innen zu nutzen. Dasselbe gilt für selbst gewählte Namen der Klient_innen, bei denen Passname und Personenstand womöglich nicht mit dem genannten Namen und Geschlechtseintrag übereinstimmen. Oftmals konnte oder wollte der Personenstand aus persönlichen und/oder finanziellen Gründen bisher nicht angeglichen werden. Nichtsdestotrotz müssen Pflegekräfte trans Klient_innen in ihrer Identität wahr- und ernstnehmen und sollten entsprechendes Misgendern (Klient_in mit falschem Personalpronomen / falscher Anrede ansprechen) oder Deadnamen (Klient_in mit noch nicht geändertem Passnamen anstelle des gewählten Namens ansprechen) nicht nur im persönlichen Gespräch mit den Klient_innen, sondern auch im Umgang mit Kolleg_innen und medizinischem Fachpersonal vermeiden.

  1. Zwangsouting vermeiden

Es kann vorkommen, dass trans Personen bereits früh eine soziale und medizinische Transition durchgeführt haben und eine Pflegekraft nicht auf den ersten Blick merkt, dass si_er eine_n transgeschlechtliche_n Klient_in pflegt. Wenn sich di_er Klient_in nicht freiwillig outet, sollten Pflegekräfte nicht auf ein Zwangsouting pochen. Kein_e Klient_in ist einer Fachkraft eine Rechenschaft bzgl. der eigenen Geschlechtsidentität schuldig. (Siverskog 2014, S. 402f)

  1. Grenzüberschreitende Fragen vermeiden

Neben einem Zwangsouting sollten grenzüberschreitende Fragen zu angleichenden Operationen, Hormontherapien, Deadnamen („Geburtsname“ / Name vor Änderung des Personenstandes) vermieden werden. Es kann nicht automatisch angenommen werden, dass jede trans Person angleichende Operationen durchführen möchte. Die individuellen Entscheidungen der_es Klient_in sind zu respektieren. Ein Überstülpen von eigenen Meinungen oder dem, was die Fachkraft über das Thema zu wissen glaubt, ist unangebracht. Gerade im Bereich Geschlechtsidentität gilt verstärkt die Arbeitseinstellung: „Di_er Klient_in kennt sich selbst am besten und weiß, was für das eigene Wohl am besten ist“. Sollte di_er trans Patient_in jedoch den Wunsch nach einer medizinischen Transition äußern, sollten Pflegekräfte di_en Patient_in so gut es geht unterstützen, um deren Lebensqualität im Alter zu steigern.

  1. Zugang zur trans Community ermöglichen

Zusätzlich zur Unterstützung beim Wunsch nach einer sozialen oder medizinischen Transition ist es wichtig, den Patient_innen den Zugang zur trans Community und trans Medien zu ermöglichen. Als Teil der aktivierende Pflege können beispielsweise Besuchsprojekte mit lokalen LSBTIAQ+ Organisationen durchgeführt werden. (Schwulenberatung Berlin 2020, S. 54)

  1. Privatsphäre wahren

Eine weitere Handlungsempfehlung erwähnt Weiß (2020): Die Privatsphäre der Patient_innen sollte gewahrt bleiben. Dies kann bedeuten, dass di_er trans Patient_in mit anderen Patient_innen des Identitätsgeschlechts zusammengelegt wird oder ein Einzel- bzw. Zweibettzimmer mit gesperrtem zweiten Bett organisiert wird. Ebenso könnten die beiden Betten, sollte eine Sperrung des zweiten Bettes nicht möglich sein, mit einem Vorhang abgetrennt werden. Auch diese Handlungsempfehlung bestärkt die Vermeidung eines Zwangsoutings der_s trans Patient_in, da dieses zu Diskriminierung oder Gewalterfahrung führen kann.

  1. Abinär-freundliche Maßnahmen treffen

Neben dem Wahren der Privatsphäre sind auch trans-freundliche Fragebögen wichtig. Diese beinhalten z.B. Geschlechtseinträge außerhalb des binären Geschlechtersystems oder die Möglichkeit, einen gewählten Rufnamen und eigene Personalpronomen eintragen zu können.

Um einen sicheren Raum für abinäre trans Personen zu schaffen, kann die Einführung einer Unisex-Toilette sinnvoll sein. Abinäre Menschen werden dadurch nicht mehr zur Einordnung in „Mann“ oder „Frau“ gedrängt und müssen sich gegebenenfalls nicht erklären, warum sie „die falsche Toilette“ aufsuchen, wenn Aussehen und Geschlechtsidentität von außen eingeschätzt „nicht übereinstimmen“. (Siverskog 2014, S. 402f)

  1. Abstimmung vor Berührungen (Konsens)

Relevant für den Bereich körperliche Pflege ist außerdem das Wissen um Konsens. Viele trans Personen sind in ihrem Leben Opfer von physischer oder gar sexualisierter Gewalt geworden (Harley at al 2016, S. 296). Entsprechend sollten Berührungen durch das Pflegepersonal vorher mit den Patient_innen abgestimmt und täglich abgefragt werden, um das Triggern von Flashbacks zu vermeiden.

  1. Fortbildung von Pflegepersonal

Die Sensibilisierung von Pflegepersonal zum Thema Geschlechtervielfalt und Transgeschlechtlichkeit ist gerade für die Pflege von trans Personen besonders wichtig. Durch die Fortbildung – entweder aufgrund individueller Initiative oder durch eine breit angelegte Fortbildung durch Arbeitgeber*innen – zum Thema werden nicht nur grenzüberschreitende Fragen verhindert, sondern trans Klient_innen die Last einer möglichen Aufklärungsarbeit abgenommen. (Siverskog 2014, S. 402f)

Sensibilisierung ist weiterhin bedeutend für das Erkennen von Mikroaggressionen sowie Diskriminierung gegenüber trans Patient_innen. Diskriminierende Erfahrungen durch andere Patient_innen oder gar Pflegekräfte sollten schnellstens thematisiert und aufgearbeitet werden, sodass der Pflegedienst ein sicherer Ort für die trans Person bleiben kann.

Neben der generellen Fortbildung und Sensibilisierung ist eine Repräsentation von trans Pfleger_innen im eigenen Arbeitsumfeld wichtig. Dies kann das Vertrauen zwischen Patient_innen und Pflegekraft steigern, das Enttabuisieren des Themas Transgeschlechtlichkeit sowie die Akzeptanz unter Kolleg_innen und Patient_innen vorantreiben (Schwulenberatung Berlin 2020, S.22)

Zusammenfassung & Ausblick

Aus den vorausgegangenen Ausführungen ergeben sich folgende Handlungsempfehlungen für Pflegekräfte, die mit trans Patient_innen zusammenarbeiten:

  1. Nutzen Sie den gewählten Namen, die gewählten Personalpronomen sowie die Selbstbeschreibung(en) der trans Patient_innen in persönlichen Gesprächen sowie in Fachgesprächen mit Kolleg_innen.
  2. Vermeiden Sie Deadnaming und Misgendern, sollte der Personalstand noch nicht angeglichen worden sein.
  3. Vermeiden Sie Zwangsoutings von trans Patient_innen.
  4. Vermeiden Sie grenzüberschreitende Fragen zu angleichenden Operationen, Hormontherapien, Deadnamen, etc.
  5. Unterstützen Sie trans Patient_innen bei der sozialen und/oder medizinischen Transition, falls dies gewünscht ist.
  6. Knüpfen Sie Kontakte zu lokalen trans Organisationen und organisieren Sie bspw. Besuchsprojekte von queeren Personen für queere Personen als Teil der aktivierenden Pflege.
  7. Wahren Sie die Privatsphäre der trans Patient_innen.
  8. Führen Sie trans-freundliche Maßnahmen ein, um Diskriminierung zu vermeiden. Beispiele hierfür sind trans-freundliche Fragebögen und Unisex-Toiletten.
  9. Berücksichtigen Sie mögliche Trigger während der körperlichen Pflege und versuchen Sie, unangenehme Berührungen zu vermeiden.
  10. Bilden Sie sich zum Thema Geschlechtervielfalt und Transgeschlechtlichkeit fort.
  11. Sprechen Sie Diskriminierung offen an und sorgen Sie für einen sicheren Raum für trans Patient_innen.
  12. Fördern Sie Repräsentation in der Pflege, um Vertrauen zwischen Pflegepersonal und trans Klient_innen zu steigern.

Es ist für Fachpersonal jeglicher Art, das regelmäßig mit Menschen arbeitet, sie lehrt, pflegt oder unterstützt, von großer Bedeutung, die eigene Einstellung zu Vielfalt zu hinterfragen und die eigene Arbeitsweise zu reflektieren. Ein falsches Wort oder ein falscher Begriff sollte nicht entmutigen, nicht mehr weiterlernen zu wollen. Ebenso sollte man sich nicht vor Veränderung verschließen. Es gibt in Deutschland einige Organisationen, die wichtige Bildungsarbeit zu Transgeschlechtlichkeit und Geschlechtervielfalt leisten, unter anderem der Bundesverband Trans* e.V. (Berlin) und dessen Mitgliedsvereine sowie TransInterQueer e.V. (ebenfalls Berlin). Hier können sich interessierte Pflegekräfte und Pflegeeinrichtungen zur Geschlechtervielfalt und Transgeschlechtlichkeit sensibilisieren lassen.

Literaturverzeichnis

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  11. Weiß, Ilka Christin (2020). Trans* in der Pflege. In Hackbart, M. (Hrsg.), Gesunde Vielfalt pflegen. Zugriff am 13.01.2021. Verfügbar unter https://www.waldschloesschen.org/files/Publikationen/Waldschloesschen-Verlag/gesundevielfaltpflegen.pdf.
  12. Witten, T. (2014). It’s Not All Darkness: Robustness, Resilience, and Successful Transgender Aging (Nr. 1). LGBT Health (S. 24–33). Zugriff am 16.03.2019. Verfügbar unter https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26789507
Lea Schubert
Über Lea Schubert 1 Artikel
Sozialarbeiter_in mit den Schwerpunkten LGBTIAQ* und geschlechtergerechte Sozialarbeit sowie Digitalisierung in der Sozialarbeit. Aktuell tätig als Projektkoordination des Digitalisierungsprojektes „PILOT.digi“, das freie und gemeinnützige Träger der Sozialwirtschaft in Sachsen-Anhalt bei der Entwicklung von Digitalisierungsstrategien unterstützt.

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