Therapeutische Beziehungsgestaltung

Therapeutischer Alltag

Wer sich mit psychotherapeutischer Arbeit beschäftigt, der wird schnell dem Begriff der Beziehungsgestaltung begegnen. Sämtlichen Berufsgruppen in psychotherapeutischen und psychiatrischen Settings liegen die Begegnungen mit den Menschen am Herzen, deren Seelen erschüttert sind. Dabei bleibt leider oft unklar, was denn mit dem Begriff der Beziehungsgestaltung gemeint ist.

Mit dem Buch „Therapeutische Beziehungsgestaltung“ haben professionell Tätige die Möglichkeit, sich dem Miteinander von helfenden und unterstützungsbedürftigen Menschen qualifiziert anzunähern. Sachse gelingt es mit diesem kompakten Buch, ganz entscheidende Grundlagen zu schaffen. Dabei fällt auf, dass es ein Buch ist, das nicht nur den unterstützenden Menschen unter die Arme greift. Werfen Betroffene einen Blick hinein, so bekommen sie einen Eindruck davon, was eigentlich alles zu einem Behandlungsvertrag in einer psychotherapeutischen Begleitung gehören sollte.

Immer wieder macht Sachse deutlich, dass eine therapeutische Beziehung von einer Wechselseitigkeit lebt. Das ist gut so, schließlich wird so klar, dass sich auf keiner Seite zurückgelehnt werden kann, um den Mühen der anderen Seite zuzuschauen. Sowohl die helfende als auch die unterstützungsbedürftige Person sind nach dem Verständnis des Buchs aufgefordert, sich aktiv in einen Prozess einzubringen.

Bei therapeutischen Begleitungen muss immer wieder davon ausgegangen werden, dass es zwischen Therapeut_innen und Klient_innen ein asymmetrisches Verhältnis gibt. So wundert es nicht, dass Sachse die Macht anspricht, die ein therapeutisches Miteinander beeinflusst. Sachse unterstreicht, dass es lediglich eine Expertise-Macht gibt. Der Therapeut sei der Spezialist für Problemlösungen und helfe gezielt bei Klärung und Lösung von Problemen.

Wer als Psychotherapeut_in oder Mediziner_in, Sozialarbeiter_in oder Pflegefachperson in einem therapeutischen Umfeld tätig ist, der kommt an Sachses Buch nicht vorbei. Es ist ein ausgezeichneter Ausgangspunkt, um einerseits am eigenen Selbstverständnis und der eigenen Rolle zu arbeiten. Andererseits vermittelt es grundlegende Informationen zum Miteinander während einer therapeutischen Begleitung.

Sachse nimmt die Grundcharakteristika genauso in den Blick wie die Funktionen und Arten der therapeutischen Beziehungen. Er stellt seine Vorstellungen zum Aufbau personalen Vertrauens vor und zeigt grundlegende Dilemmata. Einen breiten Raum nehmen die Komplementaritätskonzepte zur Beziehungsgestaltung ein.

Viel Aufmerksamkeit schenkt Sachse folgerichtig dem Verstehen. Für die Menschen, deren seelische Balance ins Wanken geraten ist, ist dies natürlich ein entscheidender Moment. Dabei betont Sachse: „Verstehen bedeutet dabei aber nicht nur ein Paraphrasieren des vom Klienten Gesagten, sondern ein Rekonstruieren des vom Klienten Gemeinten …“ (S. 40). Es reiche nicht zu sagen „Ich verstehe …“. Vielmehr müsse der Therapeut durch konkrete Aussagen nachweisen, dass er den Klienten wirklich verstehe und der Klient sich verstanden fühle.

Durch die Lektüre nimmt Sachse der therapeutischen Beziehungsgestaltung das Mysterium, verdeutlicht die Bedeutung für den therapeutischen Alltag. Gut so …

Rainer Sachse: Therapeutische Beziehungsgestaltung, Hogrefe-Verlag, Bern 2016 (2. Auflage), ISBN 978-3-8017-2718-5, 124 Seiten, 24.95 Euro.

Autor:in

  • Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at