Therapeutic Touch

Die Verknüpfung mit der Comfort-Theorie in der professionellen Pflege

(C) Buchmayer

In der Gesundheits- und Krankenpflege gibt es bereits gut etablierte Pflegekonzepte. Wie aber kann Therapeutic Touch/Therapeutische Berührung als komplementäres Pflegekonzept integraler Bestandteil der professionellen Pflege und eine indizierte Anwendung zu einem Selbstverständnis werden?

Die Comfort-Theorie könnte hierfür wegweisend sein, weil sie speziell für die Praxis konzipiert wurde und ein anwendungsorientiertes Fundament für eine patiententinnen- und patientenzentrierte Pflegepraxis bietet. Kolcaba (2014), die Entwicklerin der Comfort-Theorie, schaffte für Comfort einen theoretischen Bezugsrahmen mit Aspekten der Philosophie und Ethik und entwickelte Instrumente für Comfortmessungen. Sie zeigte dabei die Bedeutung der Pflege auf und spricht von Comfort-Care. Comfort wird hier beschrieben als „ein energiespendendes Erleben, wobei Bedürfnisse nach Linderung, Behaglichkeit und Transzendenz in vier Erlebensbereichen (physisch, psychospirituell, sozial und umgebungsbezogen) erfüllt werden.“ (Kolcaba, 2014, S. 34)

„Sorgen und kümmern  repräsentieren in der Kombination vermutlich am ehesten den Begriff „Caring“, […]  und ist […] „Kernstück unseres beruflichen Handelns“. (Schnepp, 2016, S. 74 & 81)

Comfort-Care beinhaltet mehr, als aus der Pflicht heraus zu handeln. Vielmehr bedeutet es individualisiertes, pflegerisches Handeln, verbunden mit Mitgefühl, Achtung vor dem Menschen und zum Besten der Patientinnen und Patienten zu wirken (Staudacher, 2014). Stoddart (2014) spricht von sogenannten „care and comfort rounds“. Diese haben einen zentralen Stellenwert für eine qualitativ hochwertige Pflege, weil eine personenzentrierte, humane und qualitativ hochwertige Versorgung im Mittelpunkt steht. Die Ergebnisse von einem Akutkrankenhaus, in dem  „care and comfort rounds“  implementiert wurden, zeigen, dass es zu einer verbesserten Patientinnen- und Patientenversorgung kommt, die Patientinnen und Patienten zufriedener sind, sich besser aufgehoben fühlen und die Rufanlagen weniger benützt werden (Stoddart, 2014). „Nursing students […] said, they had a unique and exciting learning experience.“ (Stoddart, 2014, S. 20). Im Rahmen solcher Pflegevisiten können die unterschiedlichen Bedürfnisse erhoben und Comfort-Interventionen angeboten werden. Diese fördern die Zufriedenheit von Patientinnen und Patienten und stärken sie, um mit oftmals stark belastenden Situationen umgehen zu lernen. Um physischen Comfort zu erleben, kann zum Beispiel eine gute Schlafposition ermöglicht oder Schmerzen durch eine entsprechende Positionierung und/oder Analgetikagabe gelindert werden.  Eine Comfort-Intervention auf der psychosozialen Ebene bedeutet Angst zu lindern, Hoffnung zu geben, zu beruhigen, die letzte Lebensphase empathisch zu begleiten oder Angehörige in den pflegerischen Kontext miteinzubeziehen. Eine Comfort-Intervention kann eine entspannungsfördernde Maßnahme, eine beruhigende Umgebung oder eine Anwendung von Therapeutic Touch sein (Kolcaba, 2014). Dazu gibt es unterschiedliche Techniken, wie die Chelation, Lymphchelation, Reversechelation, Lungentechnik, das Brainbalancing und andere, die mit direkter Berührung am Körper erfolgen. Das Clearing wird als eine Methode im Non-Touch Bereich beschrieben. Die Auswahl einer bestimmten Behandlungsweise erfolgt nach einem Assessment und wird je nach Indikation getroffen. Eine positive Wirkung kann bei Ängsten, Schmerzen, Übelkeit, Stress (dies führt zu einer Reduktion des Stresshormons Cortisols) und weiteren erzielt werden (Wiederkehr, 2016).

Therapeutic Touch wirkt, weil der Mensch ein offenes Energiesystem darstellt und der Energieaustausch zwischen Menschen als ein gegebenes, natürliches Phänomen zu bewerten ist, stellte die amerikanische Pflegewissenschaftlerin Krieger (2012) fest. Ebenso besagt auch ein physikalischer Grundsatz, dass der Mensch ein offenes System darstellt und „mit seiner Umgebung in Kontakt steht. Es ist also möglich, Stoffe bzw. Materie auszutauschen, sowie auch Energie […]“. (Kristen, o.J.)

Die Studie von Vanaki, Matourypour, Gholami, Zare, Mehrzad und Dehghan (2015) soll veranschaulichen, wie Therapeutic Touch wirken und  mit der Comfort-Theorie verknüpft werden kann. Die Forscherinnen und Forscher untersuchten, ob bei Brustkrebspatientinnen die Chemotherapie-induzierte Übelkeit durch die Anwendung von Therapeutic Touch reduziert werden kann. Als Studiendesign wählten  sie eine randomisierte, kontrollierte Interventionsstudie. Die Untersuchung erfolgte mit einer Kontroll-, Placebo- und Interventionsgruppe bei 108 Patientinnen mit einem Durchschnittsalter von 49 Jahren. Zur Einschätzung der Übelkeit wurde die visuelle analoge Skala (VAS) verwendet und die drei Kriterien Dauer, Häufigkeit und Intensität am Morgen, zu Mittag, am Nachmittag und in der Nacht innerhalb von 24 Stunden nach der Chemotherapie eingeschätzt. Die Anwendung von Therapeutic Touch erfolgte 15-20 Minuten vor dem Erhalt der Chemotherapie. Die Dauer einer Behandlung betrug ca. 21 Minuten. In der Placebogruppe wurde ebenso im Energiefeld gearbeitet, jedoch weiter als 20 cm vom Körper entfernt. Das Ergebnis dieser Studie zeigte, dass die Übelkeit bei den Patientinnen in der Interventionsgruppe mit Therapeutic Touch signifikant niedriger war als in der Kontroll- und Placebogruppe.

Kolcaba (2014) nimmt Bezug zu einer qualitativen Studie über Comfort von Arrudas (1992) und hebt hervor, dass bei Patientinnen und Patienten mit einer Tumorerkrankung und -therapie es besonders wichtig sei, auf die Comfort-Bedürfnisse einzugehen, um mit den stark belastenden Symptomen umgehen zu können. Die Art und Weise, wie Comfort durch die Pflegepersonen umgesetzt wird, wird nicht nur von der Intensität der Beschwerden bestimmt, sondern ist auch abhängig von der Prognose, um situationsgerecht und sinnerfüllt nach den Prinzipien von Comfort-Care zu pflegen.

Wenn Übelkeit reduziert werden kann, wirkt sich dies auf alle Aktivitäten des täglichen Lebens positiv aus. Die Ergebnisse von Vanaki et al. und Kolcaba verdeutlichen,  dass die Anwendung von Therapeutic Touch eine hochwirksame pflegerische Comfort-Intervention darstellt. Die Comfort-Theorie kann mit Therapeutic Touch gut verknüpft werden und ist für die gemeinsame Nutzung in der professionellen Pflege fundiert begründbar. Beide sind in besonderer Weise auf die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten ausgerichtet. 

Literatur:

Kolcaba, K. (2014): Pflegekonzept Comfort. Theorie und Praxis der Förderung von

Wohlbefinden, Trost und Entspannung in der Pflege. Bern: Hogrefe.

Krieger, D. (2012): Therapeutic Touch. Die Heilkraft unserer Hände. Bielefeld:

Kamphausen Verlag & ion GmbH.

Kristen, Y. (o. J.):    https://www.uniulm.de/fileadmin/website_uni_ulm/nawi.inst.251/Didactics/ther   modynamik/INHALT/DEF.HTM. (1.3.2017).

Schnepp, W. (2016): Caring – ein Stiefkind in der deutschsprachigen

Pflegewissenschaft? In: Kleibel, V./Urban-Huser, C. (Hg.) (2016): Caring-Pflicht oder Kür? Gestaltungsspielräume um eine fürsorgliche Pflegepraxis. Wien: Facultas.

Staudacher, D. (2014): Comfort- die „Spitze des Pflegebewusstseins.“ Zur Aktualität

und Bedeutsamkeit von Katherine Kolcabas Comfort-Pflegekonzept. In: Padua 9. Jg., H. 1, S. 47-51.

Stoddart, K. (2014): Care and Comfort rounds: Improving Standards. In Nursing

Mangagement. Volume 20, Number 9, pp. 18-24.

Vanaki, Z./Matourypour, P./Gholami,R./ Zare, Z./Mehrzad,V./ Dehghan,M. (2015):

Therapeutic touch for nausea in breast cancer patients receiving chemotherapy: Composing a treatment. In: Complementary Therapies in Clinical Practice, Volume 22, pp. 64-68.

Wiederkehr, G. (2016): Energetische Modelle und Methoden-Therapeutische

Berührung. Unterlagen der Weiterbildung gemäß § 64 Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (GuKG). 21. Überarbeitung. Wien, S. 38-73.

 

Rosemarie Buchmayer
Über Rosemarie Buchmayer 1 Artikel
Rosemarie Buchmayer, MSc : Akad. Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, FH-Lektorin , DGKP - Komplementäre Pflege-Therapeutic Touch, Schule für allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege und FH- Studienstandort am Sozialmedizinischen Zentrum Ost, Wien

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