Streik der Pflegepersonen in den Krankenhäusern in den Niederlanden

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Es gibt kaum eine Berufsgruppe, die weniger gern streikt als Pflegepersonen. Daher muss der Ärger unter den niederländischen Pflegepersonen, die in den Krankenhäusern tätig sind, wirklich schon sehr groß sein, denn am 20. November streikten sie gemeinsam mit anderen MitarbeiterInnen von Krankenhäusern für bessere Tarifverträge. Seit mehr als 8 Monate warten sie auf anständige Tarifverträge.  Es wurden im Vorfeld bereites in vielen Krankenanstalten Aktionen durchgeführt, um bessere Tarifverträge zu erreichen. Dies hat jedoch nichts bewirkt, obwohl es seit Ende März 2019 keinen aktuellen Tarifvertrag gibt und die Gewerkschaften über Monate mit der Niederländischen Vereinigung von Krankenhäusern (NVZ) verhandelten.

Daher wurden landesweit am 20. November in mehr als 100 Krankenanstalten und Rehabilitationszentren in den Niederlanden ein Notfalldienst (Feiertagsdienst) durchgeführt und Protestaktionen ausgeführt, wie z.B. Aufhängen von weißen Leintüchern. In Utrecht fand eine Kundgebung statt, zu der die MitarbeiterInnen aus allen Teilen der Niederlande mit Bussen gebracht wurden.

In den über 83 Krankenanstalten und 30 Rehabilitationszentren arbeiten ca. 200.000 MitarbeiterInnen. Abteilungen wie Operationssäle, Radiologie, Pflegestationen, Labor usw. wurden 24h für Routinebehandlungen geschlossen. Insgesamt nahmen mehr als 150.00 MitarbeiterInnen an der Aktion teil, 2000 Pflegepersonen waren in Utrecht auf der Kundgebung.

Die Forderungen der Gewerkschaften sind:

  • Gute Tarifverträge für KrankenhausmitarbeiterInnen
  • Strukturelle Lohnerhöhung 2019 (4% am 1. Jänner 2020, 4% am 1. Jänner 2021) und einmalige Brutto-Auszahlung von 1000€ im November 2019
  • Extra Lohnzuschlag, wenn man in letzter Minute den Dienst antreten muss
  • Absprachen über Arbeits- und Ruhezeiten und Maßnahmen, um neue MitarbeiterInnen aufzunehmen bzw. MitarbeiterInnen in der Organisation zu halten
  • Erhöhung des Entgelts im Praktikum von 345€/Monat auf 400€
  • Rücknahme der angekündigten Verschlechterungen (u.a. Senkung von Gehalt im Krankenstand von 100% im 2. Halbjahr auf 90%)
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VertreterInnen der Gewerkschaften traten in öffentlichen Medien auf, es gab auch Gespräche mit dem zuständigen Minister für Medizinische Pflege, Bruno Bruins. Im Gegensatz zu anderen Streiks, die vor kurzem stattgefunden haben (z.B. von LehrerInnen, LandwirtInnen) hatte die niederländische Bevölkerung inkl. des zuständigen Ministers Verständnis für die Anliegen der Krankenhausmitarbeiter und auch den Streik. Umso mehr wurde in Öffentlichen Medien die Frage gestellt, warum denn die Forderungen der Pflegepersonen nicht umgesetzt werden

Ich finde es bemerkenswert, dass Pflegepersonen derart aktiv an einem Streik teilnehmen. In Österreich gehen sehr viele Pflegepersonen nicht einmal zu einer Demonstration, auch wenn sie frei hätten. Es wäre schön, wenn eine derartige Aktion auch einmal bei uns möglich wäre, um für mehr Pflegepersonal in Krankenhäuser und auch Pflegeheime zu kämpfen.

Sabine Ruppert
Über Sabine Ruppert 1 Artikel
DGKP, Pflegewissenschafterin, externe Lektorin, Mitglied der GesPW, Mitglied der Kommission 5 der Volksanwaltschaft

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