Stichwunde: Neues Gerät stoppt Blutung blitzschnell

Rettung von Menschen nach Messerattacken

Schnell drauf: So wird "REACT" eingesetzt (Fotos: lboro.ac.uk)

Polizisten, die nach einer Messerstecherei am Tatort eintreffen, können die Wunden künftig in kürzester Zeit soweit versorgen, dass das Opfer nicht stirbt. Möglich macht das „REACT“ („rapid emergency actuated tamponade“, übersetzt etwa „schnelle Notfallversorgung“), ein Gerät des Produktdesign- und Technologie-Studenten Joseph Bentley von der Loughborough University https://www.lboro.ac.uk . REACT kommt dann zum Einsatz, falls die Stichwaffe – ob Messer, Glassplitter oder Sonstiges – aus der Wunde entfernt wurde.

Ballon verschließt die Blutgefäße

Der Ersthelfer steckt in die Wunde zunächst ein aufblasbares Plastikrohr hinein und klebt es fest. Dann verbindet er dieses mit dem sogenannten Aktuator, einem batteriebetriebenen Kompressor. Dieser füllt das Rohr automatisch mit der jeweils nötigen Luftmenge, die von der Position der Wunde abhängt. Diese kann vorgewählt werden. Der Druck, den dieserer „Ballon“ auf die Blutgefäße ausübt, verschließt diese, bis der Verletzte vom Notarzt versorgt werden kann.

Bentley hat das aufblasbare Rohr per 3D-Druck hergestellt. Der Aktuator verfügt über Wahltasten und Leuchtdioden zur Kontrolle. Beide Komponenten sind mit einem Mechanismus ausgestattet, der eine schnelle Verbindung ermöglicht. Der Prototyp ist für die Versorgung von Wunden im Achsel- und Leistenbereich sowie im Bauch ausgelegt. Die dabei entstehenden Blutungen lassen sich auch von Sanitätern nur schwer stoppen, wie Bentley von Notärzten erfuhr.

Messerattacken auf Freunde

Bentley hat REACT aufgrund unschöner Erfahrungen in seinem Umfeld entwickelt. „Ich habe mehrere Freunde, die unglücklicherweise Opfer von Messerattacken wurden“, erklärt er. „Zum Glück ist keiner daran gestorben.“ Dabei können Opfer von Stichverletzungen binnen weniger Minuten verbluten, weshalb schnelle Hilfe unerlässlich ist.

Bentley glaubt also, dass sein Gerät jährlich hunderte Menschenleben retten kann. Allein in Großbritannien sind zwischen April 2018 und März 2019 immerhin 259 Menschen an Stichverletzungen mit Messern oder anderen scharfkantigen Gegenständen gestorben.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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