Schoolnurses – Die Chance für eine bessere Kindergesundheit in Österreich

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Die grundlegende Idee von Schulgesundheitspflege im internationalen und europäischen Raum ist es, den Gesundheitszustand von Schülerinnen und Schüler nachhaltig zu bewahren und fördern. Mit der Integrierung von Schoolnurses werden nicht nur Schulkinder unterstützt, sondern auch ihr soziales Umfeld. Langfristig lassen sich damit Gesundheitsausgaben reduzieren. Die Zunahme chronisch kranker Kinder im österreichischen Schulsystem sowie Inklusion, Migration und Vulnerabilität, lassen besonders im Hinblick auf das Ganztagsschulsystem bzw. der Zusammenlegung von Schulstandorten zu Bildungscluster einen Bedarf an Gesundheitsexpertinnen und -experten in Form von Schoolnurses aufkommen.

Ausgangslage

Derzeit leiden von insgesamt 1,2 Millionen Schulkinder in Österreich ca. 190.000 an einer chronischen Erkrankung. Dazu zählen z. B. Asthma bronchiale, Diabetes, Epilepsie, Rheuma juvenile, Mukoviszidose, das Adrenogenitale Syndrom und Krebs. Anstelle von Unterstützung erfahren Kinder und Jugendliche in der Schule oftmals Diskriminierung. Sie erhalten keine Gelegenheit in Schulen aufgenommen zu werden oder sind von Veranstaltungen ausgeschlossen (Martin 2015: o. S.).

Expertinnen- und Expertengruppen kritisieren die derzeitige Situation in Österreichs Schulen. Sie befürworten eine Integrierung von diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger (DGKP) als positive Entwicklungsmöglichkeit (Damm, Hutter 2012: 82f).

Lehrerinnen bzw. Lehrer erkennen ein Zuständigkeitsproblem in Bezug auf die medizinisch-pflegerische Versorgung von Kindern und stehen vor der Frage, welche Person für die Insulinverabreichung eines Kindes mit Diabetes in der Schule zuständig und verantwortlich ist (Hopfinger 2017: o. S.).

Bildung, Armut und Gesundheit sind nicht nur eng miteinander verknüpft, sondern beeinflussen zu einem hohen Maß das spätere Leben der heranwachsenden Kinder. Chronische, oft lebenslang beeinträchtigende Krankheiten im Erwachsenenalter, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen, jedoch auch andere organische Störungen und psychosoziale Beeinträchtigungen, haben meist ihren Ursprung im Kindes- und Jugendalter (Hurrelmann 1994: 1-29).

Das Setting Schule und insbesondere die schulische Ganztagsbetreuung haben das Potential, wichtige Gesundheitsdeterminanten und damit in weiterer Folge Gesundheit und Wohlbefinden der Lernenden positiv zu beeinflussen, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind (Spath-Dreyer et al. 2013: 3).

In Bildungseinrichtungen wird ein Großteil der Bevölkerung über viele Jahre hinweg erreicht. Die Bedeutung der Schule besteht außerdem, da in diesem Bereich Gesundheitsbildung umgesetzt werden kann und Wissen bzw. Verhaltensweisen im Umgang mit Gesundheit und Krankheit bereits im Kindesalter gelernt werden können (Naidoo, Wills, 2003: 279).

Schulen sind soziale Orte, die bei einer entsprechenden Ausstattung und optimalen Rahmenbedingungen zur Verbesserung der psychischen Widerstandsfähigkeit von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien beitragen können. Insbesondere in schwierigen sozialen Lebenssituationen kann hier Unterstützung und Förderung erfolgen. Im Bereich Schule besteht aufgrund der bereits vorliegenden Strukturen die Möglichkeit, Gesundheitsförderung zu implementieren und ein gesundes Heranwachsen der Kinder zu fördern bzw. Armut entgegenzusteuern (Greene et al. 2013: 16). Im österreichischen Schulsystem finden bereits Angebote an Gesundheitsförderung und Prävention statt. Diese Maßnahmen sind jedoch unzureichend, da sie erforderliche Bedarfe übersehen bzw. zu wenig zielgerichtet stattfinden (Altgeld 2011: 56-59).

Den Bedarf von Schoolnurses erkannten auch die politisch entscheidungstragenden Personen in Österreich. In der Novelle des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes (GuKG) vom Jahr 2016 wurden für die neuerdings akademisierte Ausbildung zum gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege (DGKP) neue Kompetenzbereiche geschaffen. Unter anderem umfasst ein Teil der pflegerischen Kernkompetenzen des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege z.B. die Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitsberatung. In der Gesetzesnovelle 2016 ist neben der Familiengesundheitspflege auch die Schulgesundheitspflege als neuer Aufgabenbereich für DGKP verankert.

Eine Bedarfserhebung bzgl. Schoolnurses in Kärntens (Ö) Primarschulwesen in den Jahren 2016/2017 hatte zum Ziel, die Notwendigkeit einer Integrierung der Berufsgruppe in Kärntens Primarschulsystem zu erheben. Ergebnis der Recherchen ist, dass Expertinnen und Experten den Einsatz von Schoolnurses in Kärntens Primarschulen befürworten (Gundolf 2017: 104ff). Die Rekrutierung der Interviewpartnerinnen und -partner erfolgte mittels der Schneeballmethode. Die Auswertung erfolgte nach Mayring und Fenzl (2014: 543-548).

Schoolnurses International und in Europa:

Die Berufsgruppe der Schulgesundheitspflegerinnen und -pfleger, in Europa und International oft als Schoolnurses (m/w) bezeichnet, ist in den meisten Ländern Europas seit Jahrzehnten für Gesundheitsbelange im multiprofessionellen Team in der Schule sowie in Gesundheitsfragen für Lernende, deren Eltern und Lehrende tätig. In Europa, wie z.B. in Dänemark, Finnland, Irland, Schweden, Polen, Portugal etc. wird Schulgesundheitspflege bereits seit Jahrzehnten erfolgreich umgesetzt. Damm (2017) verweist auf das WHO Surveys des Jahres 2010 wenn sie meint, dass die Gesundheitsversorgung für europäische Schulkinder in den meisten Fällen von Schoolnurses (76 %) durchgeführt wird, gefolgt von Schulärztinnen und -ärzten (65 %) sowie Psychologinnen und Psychologen (43 %) (Damm 2017: 16).

Kompetenz- und Tätigkeitsbereiche von Schoolnurses in Europa sind:

  • körperliche, soziale und psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen,
  • Ernährung, Bewegung, Suchtprävention (Alkohol, Tabak und illegalen Drogen),
  • Sexualaufklärung und sexuelle Gesundheit, psychische Gesundheit,
  • Unfall- und Gewaltprävention (z.B. frühe Erkennung von Missbrauch, Gewalt, Mobbing, etc.),
  • die Mitwirkung an einer gesundheitsfördernden Umgebung in der Schule (z. B. Hygiene, Ernährung, Belichtung, Belüftung und Möblierung),
  • Infektionsvorbeugung und Impfungen (Einbeziehung des öffentlichen Gesundheitsdienstes),
  • die Erkennung von gesundheitlichen und sozialen Problemen im Frühstadium sowie von Lebens- und Lernbedingungen, die beeinträchtigend wirken auf Schulleistungen,
  • Unterstützung und Beratung chronisch kranker bzw. behinderter Kinder und Jugendlichen
  • die Früherkennung der Bedürfnisse von gefährdeten (vulnerablen) Kindern und Jugendlichen,
  • die Erkennung von unzureichender Zahngesundheit und Weiterleitung an entsprechende Zuständigkeiten (Möller 2016: 10).

In Abbildung unten sind die Aufgabenbereiche von Schoolnurses als Cluster dargestellt.

Abbildung: Cluster Schoolnurse; eigene Darstellung in Anlehnung an Kocks (2009)

Möller (2016) beschreibt den prozentuellen Beschäftigungsanteil einer Schoolnurse folgendermaßen:

„1) Gesundheitliche Versorgung
im Sinne einer Akutversorgung
und der Erbringung ausgewählter Leistungen der medizinischen Behandlungspflege (inkl. Dokumentation und Verwaltung) 30 %

2) Gesundheitsförderung und Prävention
im Sinne der 
Initiierung bewährter und qualitätsgesicherter Projekte 20 %

3) Früherkennung im Sinne individueller Hilfestellungen
für Schülerinnen bzw. Schüler und ihre Eltern bei gesundheitlichen  Auffälligkeiten, Problemen  20 %

4) Unterstützung von Kindern und Jugendlichen
mit chronischen Erkrankungen/Behinderungen bzw. nach längerer krankheitsbedingter Abwesenheit von der Schule im Sinne einer Mitarbeit am landesspezifischen Eingliederungsprogramm inklusive einer Beratung des Schulpersonals und der betroffenen Familien 15 %

5) Ansprech- und Vertrauensperson für Schülerinnen und Schüler
mit 
gesundheitlichen Auffälligkeiten im Sinne eines Zugangs zu besonders gefährdeten und schwer zugänglichen Gruppen mittels kontinuierlicher Präsenz und Vermittlung frühzeitiger Hilfen 15 %

6) Die interdisziplinäre außerschulische Kooperation im Sinne einer Zusammenarbeit mit außerschulischen Netzwerkpartnerinnen und -partner im Gesundheits- und Bildungsbereich.“ (Möller 2016: 14)

Eine auf Österreich abgestimmte Variante der Schulgesundheitspflege könnte helfen, im Lande nicht nur die Effizienz in der Leistungserbringung zu steigern, sondern auch die Betreuungsqualität von Lernenden anzuheben. Vorausgesetzt, dass die Kompetenzen von Schoolnurses ausbildungsadäquat verteilt werden und diese dann weitgehend selbstständig innerhalb multidisziplinärer Zusammenarbeit ausgeübt werden dürfen (Damm, Hutter 2012: 83).

Vorteile, die sich mit der Integrierung von Schoolnurses in Bildungszentren ergeben:

Die Effizienz eines Einsatzes von Schoolnurses ist belegbar. Eine Studie von Morton und Schulz (2004) zeigt auf, dass mit der Anwesenheit von Schoolnurses eine beachtliche Reduktion der Krankheitsfälle nachgewiesen werden konnte, die auf Initiativen der Berufsgruppe zurückzuführen ist (Morton, Schulz 2004: 16).

Borup und Holstein (2008) befragten in einer groß angelegten Studie (n= 5205) Kinder und Jugendliche im Alter zwischen elf und fünfzehn Jahren in Dänemark. In die Untersuchung gelangten Schulkinder, die mehrmals gesundheitliche Beschwerden äußerten. Schülerinnen und Schüler wurden zu den Auswirkungen der Gesundheitsinitiativen befragt und gaben an, ein erhöhtes Gesundheitsbewusstsein erhalten zu haben. Sie erlebten einen Benefit für sich und fanden die Gesundheitsinitiative nützlich. Es wurde auch eine Diskussion mit Eltern und Freunden angeregt bzgl. Gesundheitsbelange. Vom Angebot der Schoolnurses profitieren vermehrt Lernende aus niedrigen sozialen Schichten und häufig erkrankte Kinder. Diese Personen suchen öfter Schoolnurses auf, beachten ihren Rat und diskutieren deren Aussagen in der Gruppe häufiger. Der Dialog kann als nachhaltig und gesundheitsfördernd bezeichnet werden (Borup, Holstein 2008: 32-36).

 

In Bezug auf die gesundheitliche Versorgung von Kindern in Österreichs Schulen ist ein Verbesserungsbedarf gegeben. Der Bedarf von pflegerischer Unterstützung im Schulsystem besteht aufgrund einer Zunahme von chronisch kranken Kindern und längeren Schulzeiten. All diese Faktoren mit Ärztinnen und Ärzten aufzufangen würde mit einer enormen Kostenbelastung verbunden sein, abgesehen davon, dass die Berufsgruppe keine Qualifikation in der Pflege mitbringt.

Zusätzlich entstehen z.B. hohe Rettungstransportkosten, verdeckte Kosten im derzeitigen System sowie hohe finanzielle Belastungen von Eltern chronisch kranker Schulkinder, um einen sicheren Schulalltag zu gewährleisten. Diese Kosten wären mit der Anwesenheit einer DGKP behebbar. Dies zeigt auch das Beispiel der Korneuburger Gemeinde-Kinder-DGKP. Daran kann man erkennen, dass sich relativ bescheidene finanzielle Investitionen in eine DGKP mittel- und langfristig rechnen. Eine bedeutsame politische Frage ist, ob es für Österreich leistbar ist, an der Gesundheit unserer Kinder zu sparen (Damm 2017: 17f).

Dabei ist zu bedenken, dass jeder Euro, der während der frühen Kindheit in gesundheitsfördernde und präventive Maßnahmen investiert wird, die Ausgaben im Gesundheits- und Sozialsystem um acht bis zehn Euro reduziert (Vavrik 2012: 21).

Eltern von chronisch kranken und beeinträchtigen Kindern müssen oft für einen Schulbesuch bzw. Kindergartenplatz große Anstrengungen hinnehmen. Betroffene Eltern haben Ängste bzgl. dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes und stellen sich die Frage der Finanzierung von anfallenden Gesundheitskosten für ihr Schulkind. Eltern fordern eine Kostenübernahme von Seiten der öffentlichen Hand. In fast allen Bundesländern ist derzeit ein Teil der Betreuungskosten des Kindes von den Eltern selbst zu tragen. Lehrende sind im Übrigen mit der Situation konfrontiert, zusätzlich zu den Anforderungen ihres Berufsalltags Tätigkeiten übernehmen, welche nicht zu ihrem Kompetenzbereich zählen. Geringe Zeitressourcen, zu wenig Fachwissen bzgl. der Erkrankung sowie die Angst vor falschen Entscheidungen ohne rechtliche Absicherung führen dazu, dass Pädagoginnen bzw. Pädagogen die Übernahme der Tätigkeiten ablehnen. Am 28. Mai 2015 fand zu diesem Thema eine parlamentarische Enquete zu diesem Thema statt (Hintermayer 2016: 17ff).

Eine Verbesserung der derzeitigen Situation für Schulkinder, deren Eltern und des pädagogischen Personals kann nur anhand von zusätzlicher gesundheitlich-pflegerischer Beratung und Schulung erzielt werden, falls eine Relevanz bzgl. der pädagogischen Praxis vorliegt. Chronische Erkrankungen von Schulkindern können zu lebensbedrohenden Auswirkungen führen. Die Kenntnis der Lehrenden in Bezug auf Handlungsweisen im Notfall und die Bereitstellung der Notfallmedikation sind für den weiteren gesundheitlichen Verlauf nach der Krisensituation entscheidend (Bachinger 2017: 2f).

In den Jahren 2016/2017 durchgeführte qualitative, problemzentrierte Expertinnen- und Experteninterviews mit insgesamt zwölf Personen, darunter vier Lehrende, vier Direktorinnen von diversen Kärntner Volksschulen sowie vier entscheidungstragende Personen der Gesundheits- und Bildungsabteilungen der Kärntner Landesregierung ergaben, dass Expertinnen bzw. Experten für Gesundheitsfragen im Kärntner Primarschulsystem fehlen. Besonders im Bezug auf chronisch kranke Kinder, Erste Hilfe Maßnahmen und in der Prävention fehlt speziell ausgebildetes Gesundheitspersonal. Schoolnurses wären laut allen befragten Personen eine wichtige Unterstützung für Kinder im Schulsystem, ebenso für Eltern und Lehrende. Besonders im Hinblick auf rechtliche Fragen wie z.B. gesundheitlichen Unterstützungsleistungen, zeigte sich eine Unsicherheit der Lehrenden. Hier fühlen sich beide Gruppen, also Lehrende und Direktorinnen bzw. Direktoren, in ihrer Unsicherheit alleingelassen. Alle befragten Personen erkannten einen Bedarf in Kärnten und befürworten eine Integrierung von Schoolnurses im Bildungssystem (Gundolf 2017: 104ff).

Zwei Gründe sprechen für den Einsatz von Schoolnurses an Österreichs Schulen:

„1. Der Großteil der notwendigen Unterstützungsleistungen in Schulen ist pflegerischer Natur, Schulärztinnen und -ärzte sind hingegen Ärztinnen und Ärzte und haben keine Ausbildung in Pflege. So wie ärztliche Tätigkeiten geregelt sind, sind es auch die pflegerischen: professionelle Pflege kann (und darf) nicht jeder durchführen.

  1. Schulärztinnen und -ärzte sind nur zu bestimmten Zeiten in der Schule – Kinder brauchen aber Unterstützung beispielsweise nicht nur am Donnerstag zwischen 11 und 13 Uhr, sondern im Schulalltag täglich. Aufgrund ihrer eingeschränkten Anwesenheit und des Anforderungsprofils stehen Schulärztinnen und -ärzte auch nur eingeschränkt für wichtige Aufgaben wie Gesundheitsförderung/Prävention, psychosoziale Unterstützung, interdisziplinäre Zusammenarbeit usw. zur Verfügung. Kurzum: Schulärztinnen und -ärzte sind nicht ausreichend für eine erfolgreiche Schulgesundheitspflege“. (Damm 2017: 16f)

Internationale Erfahrungen mit Schoolnurses zeigen, dass sie anders als Schulärztinnen und -ärzte auch intensivere psychosoziale Betreuungen der Lernenden wahrnehmen können. Sie helfen dabei, Krankheit und schulisches Leben zu vereinbaren. Mit der Integrierung von Schoolnurses im Setting Schule besteht die Chance einer Anhebung der Betreuungsqualität von Schulkindern und gleichzeitig eine Kostenreduktion im österreichischen Gesundheitssystem (Czypionka et al. 2011: 1).

Die Umsetzung von Schulgesundheitspflege sollte folgend organisiert werden: „Zuerst ist alle Energie auf die Erlangung eines politischen Auftrags für eine Reform zu richten und dann mithilfe der Expertise der Gesundheit Österreich GesmbH (GÖG) ein strukturierter Aushandlungsprozess mit klarer Zielsetzung und Zeitplan zu beginnen. Bei der Zielsetzung gibt es bereits wertvolle Vorarbeiten der WHO/EU, die Rahmenbedingungen und Qualitätsstandards für die Schulgesundheitspflege erarbeitet haben, die nun in den verschiedenen Ländern entsprechend ihren regionalen Gegebenheiten und den dort vorhandenen Ressourcen umgesetzt werden können. Dieses Rahmenpapier kann eine überaus wichtige Orientierung bei den zu erwartenden intensiven Diskussionen z.B. mit der Ärztekammer darstellen“. (Damm 2017:18)

Qualifikation und Integrierung von Schoolnurses:

International und im europäischen Raum ist der Beruf „Schoolnurse“ seit Jahrzehnten gewachsen und erfolgt als akademische Weiterbildung meist auf Masterebene nach einer Ausbildung zur DGKP. Neben der Qualifizierung ist der gezielte Einsatz der Berufsgruppe ausschlaggebend für eine gelingende Schulgesundheitspflege.

Ab Beginn der Beschäftigung von Schoolnurses sollte ein selbständiges und ganztägiges Betätigungsfeld gewährleistet sein und eine Vernetzung mit Gesundheitsämtern, Kinderärztinnen und -ärzten, Kliniken und Krankenkassen etc. hergestellt werden, um einen optimalen Nutzen der Gesundheitsleistungen erzielen zu können. Bei der Integrierung von Schoolnurses in Kärntens bzw. Österreichs Bildungseinrichtungen bietet sich ein Blick auf das Best Practice Beispiel Schulgesundheitspflege von Brandenburg und Hessen (DE) an.

 

Die Weiterbildung von DGKP zu Schoolnurses sollte im Hinblick auf die Professionalisierung der Berufsgruppe in Österreich mit einem einheitlichen Curriculum auf Master-Niveau z.B. an Fachhochschulen in Österreich angeboten werden. Einerseits um dem anspruchsvollen Tätigkeitsprofil von Schulgesundheitspflegerinnen und -pfleger zu genügen und um andererseits eine internationale Anschlussfähigkeit gewährleisten zu können.

Gleichzeitig sollte die Umsetzung von Schulgesundheitspflege anhand eines Implementierungskonzepts bedarfsorientiert erfolgen unter Einbeziehung aller schulinternen und -externen Kooperationspartnerinnen bzw. -partner. Es fehlt zum Zeitpunkt noch eine Entscheidung der politisch verantwortlichen Personen für eine Integrierung von Schoolnurses in Österreich sowie in Kärntens Schulen.

Die Fokussierung auf die gesundheitsbezogenen Bedürfnisse betroffener Schulkinder, deren Eltern und Lehrenden in Kärnten und Österreich würde diese Entscheidung erleichtern.

 

Andrea Gundolf
Über Andrea Gundolf 1 Artikel
Andrea Gundolf, M.Ed., DGKP Sonderausbildung für Intensiv- und Anästhesiepflege sowie Nierenersatztherapie Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege Derzeit Studium Akad. Gesundheits- und Pflegemanagement andrea@gundolf.at

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