Schlaf wirkt Wunder – Alles über das wichtigste Drittel unseres Lebens

25. Januar 2019 | Rezensionen | 0 Kommentare

Wer Probleme mit dem Schlafen hat, der fühlt sich nicht nur hilflos. Es ist eine große Ausweglosigkeit, die den Einzelnen bei diesem Phänomen begleitet. Mit dem Buch „Schlaf wirkt Wunder“ liefert der Schlafforscher Hans-Günter Weeß zwar kein Patentrezept. Es ist eine große Hilfestellung, das Schlafen an sich zu verstehen. Mehr noch: es bietet viele Zugänge zu Fragen des individuellen Schlafs. Dabei erscheint es den Menschen mit Schlafproblemen sein, selbst nach Ursachen und Auswegen zu suchen. Doch auch professionell Tätige in Medizin, Psychotherapie und Pflege können mit Unterstützung des Buchs am Phänomen arbeiten.

Weeß lädt seine Leserinnen und Leser ein, sich mit ihm „auf eine spannende Reise durch die faszinierende Welt des Schlafes“ (S. 15) zu machen. Schlaf sei „das wichtigste Regenerationsinstrument unseres Organismus“ und ein „Quell von Energie“ (S. 15). Während der Lektüre wird er seinem eigenen Anspruch gerecht, die Leserinnen und Leser zu „kleinen Schlafexperten“ (S. 16) zu machen. Vielfältig sind die Sichtweisen auf den Schlaf und entsprechende Schwierigkeiten damit. Weeß geht so weit, dass er eine neue Schlafkultur ins Gespräch bringt.

So lernen die Leserinnen und Leser viel über die Bedeutung der unterschiedlichen Hormone während des Schlafs. Weeß klärt darüber auf, dass in den verschiedenen biographischen Lebensphasen Schlaf anders stattfindet. Wer meint, ausreichend über die eigene innere Uhr und das eigene Schlafbedürfnis zu wissen, der ist bei Weeß an der falschen Stelle. Denn dem Schlafforscher gelingt es, Wissenschaft populär und für jeden verständlich zu erklären.

Die Erfahrung, dass die Geschlechter unterschiedliche Schlaferfahrungen und Schlafgewohnheiten haben, werden viele Menschen kennen. Frauen haben nach Weeß ein größeres Schlafbedürfnis als Männer (S. 121). Bettsocken sind bei vielen Frauen nach den Erkenntnissen von Weeß häufiger ein Thema. Die Erklärung: „Je mehr warmes Blut vom Körperinnern in die Gliedmaßen transportiert wird, umso stärker der einschlaffördernde Temperaturabfall im Körperkern. Warme Hände und warme Füße sind also ein untrügliches Zeichen für die Vorbereitung auf den Schlaf. Frauen haben jedoch oft kalte Hände und Füße, weil das warme Blut nicht nach außen gelangen kann: Die weiblichen Sexualhormone verhindern die dafür nötige Weitung der Blutgefäße“ (S. 122).

Amüsiert liest man auch immer wieder, dass Schlafschwierigkeiten bei Frauen nichts mit dem Schnarchen des Lebenspartners zu tun hat. Apropos Zweisamkeit – Weeß geht auch beim Thema Schlaf und Sexualität in medias res: „Sex fördert Schlaf, und wer ausreichend schläft, hat wiederum mehr Lust auf Sex“ (S. 132) Abendlicher Sex baue schlafverhindernden Stress durch die Ausschüttung des Kuschelhormons Oxytocin ab und fördere den Schlaf der Glückseligen (S. 132).

Lebensnah gibt sich Weeß auch, als es um die Schichtarbeit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern geht. Weeß´Buch eignet sich als Lektüre für Führungskräfte, die die Effizienz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigern wollen. Knapp ein Fünftel der Beschäftigten in Deutschland sind Schichtarbeitende. Ihnen legt Weeß nochmals ans Herz, dass der Mensch ein Rhythmustier ist (S. 154). Er erinnert daran, dass eine vorwärtsrotierende Schichtreihenfolge (Früh-, Spät-, Nachtdienst) Körper und Seele zuträglich sind. Gleichzeitig mache es Sinn, die Schichten nicht mehr als zwei, drei Tage aufeinander folgen zu lassen.

Das Buch „Schlaf wirkt Wunder“ kann man nur mit Gewinn in die Hand nehmen. Im privaten wie im beruflichen Leben garantiert es die Gesundheitsförderung.

Hans-Günter Weess: Schlaf wirkt Wunder – Alles über das wichtigste Drittel unseres Lebens, Verlag Droemer-Knaur, München 2018, ISBN 978-3-426-27755-3, 331 Seiten, 16.99 Euro.

Autor:in

  • Christoph Mueller

    Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at