Schlaf Apnoe per Herzschlag-KI feststellbar

So werden Patienten heute in Schlafkliniken verkabelt (Foto: tue.nl)

Niederländische Wissenschaftler entwickeln einfache Methode zur Diagnose daheim

Eindhoven (pte/02.12.2019/06:00) Wer im Verdacht steht, an Schlaf-Apnoe zu leiden, muss nicht zwingend ins Schlaflabor. Denn Betroffene können das im eigenen Bett überprüfen. Basis ist der Herzrhythmus, der mithilfe eines Algorithmus ausgewertet wird, den Forscher am Philips and Sleep Medicine Center Kempenhaeghe entwickelt haben, das zur Technischen Universität Eindhoven http://tue.nl/en gehört. Der Herzrhythmus wird mittels Smartwatch aufgezeichnet, die, anders als Sensoren, die Gehirnaktivitäten messen, beim Schlafen nicht stört.

Selbstlernender Algorithmus

Schlafforscher Sebastiaan Overeem und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Gabriele Papini haben herausgefunden, dass bestimmte Abweichungen des Herzrhythmus vom Normalzustand ein gutes Indiz sind für meist vorübergehende Atemstillstände während des Schlafes. Diese werden ausgelöst von Zunge und/oder Zäpfchen, die den Atemweg blockieren. Die Patienten befreien sich nach einer Weile davon durch einen mächtigen Schnarchlaut. Der Sauerstofftransport zu den Organen wird dadurch behindert. Die Folgen können Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein.

Nach der Entdeckung des Zusammenhangs zwischen Herzrhythmusstörungen und Atemstillständen haben sich die Forscher daran gemacht, einen Algorithmus zu entwickeln, der die Daten selbstständig auswertet und bewertet. Die Software fütterten Overeem und sein Team mit den Daten von 250 Patienten. „Unsere Methode kommt zu weitgehend gleichen Ergebnissen wie die heute übliche Messung der Gehirnströme“, sagt Overeem. Das Verfahren funktioniere auch bei Menschen, die an unterschiedlichen Schlafstörungen leiden.

Anschluss-Studie zur Sicherheit

Trotz ihrer Erfolge planen die niederländischen Forscher zur Sicherheit noch eine Studie mit Patienten, bei denen gerade in einer speziellen Klinik Schlaf-Apnoe auf herkömmliche Weise diagnostiziert worden ist. „Wir bitten sie, zwei Wochen lang eine Smartwatch zu tragen, die den Herzrhythmus aufzeichnet. Danach vergleichen wir die Ergebnisse unseres Algorithmus mit denen der herkömmlichen Diagnosemethode“, so Overeem. Zusätzlich will er herausfinden, ob die Patienten in der Klinik anders schlafen als unbedrängt im eigenen Bett. Das könnte die Messergebnisse beeinflussen, glaubt er.

Video: https://youtu.be/GfexNZyYrpA

Karin Eder
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Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Advanced Practice Nurse, Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, Leitung Bereich Gerontologie und Validation im Ausbildungszentrum des Wiener Rotes Kreuzes GmbH.

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