Resilienz und Resilienzförderung bei Pflegenden und Patienten

„Spiele am Arbeitsplatz“

Ist es vorstellbar, dass Resilienz gleichzeitig für pflegende und zu pflegende Menschen gedacht wird? Geht es nach Margaret McAllister und John B. Lowe, so muss es quasi geschehen. Als Pflegenden kann uns dies nur gefallen. Schließlich vermittelt das Resilienz-Konzept ein optimistisches Bild der professionell Tätigen, wie es die Professorin Stephanie Fox-Young bereits in ihrem Vorwort andeutet: „Wer resilient ist, hat nicht nur Schwierigkeiten gemeistert, sondern auch aus den damit verbundenen Erfahrungen gelernt und sie zu seiner Weiterentwicklung genutzt“ (S. 15).

Im beruflichen Alltag haben Pflegende viele Aufgaben, die immer wieder auch Herausforderungen darstellen. Viele Pflegende kapitulieren nach einer gewissen Zeit. Andere schöpfen aus Erfahrungen und deren Bewältigung Kraft. Die Pflegeprofessoren Margret McAllister und John B. Lowe haben Kolleginnen und Kollegen um sich versammelt, die die Phänomene Resilienz und Resilienzförderung aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten.

Mary Kattsikitis und Rachael Sharman schreiben über das rationale Denken und denken über die realistische Einschätzung von Stresssituationen nach. Andrew Estefan sinniert über „Moral und Ethik in der Praxis“ nach. Debra Jackson, Glenda McDonald und Lesley Wilkes schauen auf den „Erfolg am Arbeitsplatz“ und die Nutzung innovativer Praktiken.

Was die zahlreichen Beiträge des Buchs auszeichnet, dies ist die Praxisnähe. Als Pflegender fühlt man sich unmittelbar in den pflegerischen Alltag mitgenommen. Gleichzeitig erlebt man sich motiviert, die Anregungen auf der Matrix des eigenen beruflichen Alltags zu reflektieren und eigene Umsetzungen unmittelbar zu initiieren. Oder auch anders formuliert: Das Buch hat das Zeug, immer wieder als Impuls für Menschen aus der pflegerischen Praxis seinen Dienst zu tun.

In einem Beitrag von Tony Warne und Sue McAndrew geht es „Spiele am Arbeitsplatz“. Erinnerungen an Eric Bernes „Spiele der Erwachsenen“ werden schnell während der Lektüre wach. Sie machen deutlich, dass es wichtig sei, „die Spiele zu kennen, die bei interpersonellen Begegnungen (in diesem Fall multidisziplinäre Teams) häufig zu beobachten sind“ (S. 129). Dieses Wissen könne die Bereitschaft stärken, Resilienzstrategien zu entwickeln, die es ermöglichen, einen Konflikt zu nutzen, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Warne und McAndrew wollen Pflegende dazu bewegen, sich der eigenen Rollen in multidisziplinären Teams bewusst zu werden. Dies helfe, einen Resilienzfundus zu entwickeln. Konkret verdeutlichen sie: „Während sie Ihren Resilienzfundus entwickeln und kultivieren, wird Ihnen auffallen, dass die Dinge, die Sie dazu befähigen, dieselben sind, die im Leben eine wichtige Rolle spielen“ (S. 139).

Es bewegt, dass die Autorinnen und Autoren des Buchs dazu auffordern, die Selbstsorge mit derselben Wertigkeit wie die Fremdsorge anzusehen. Was sich einfach liest, dies bedeutet für Pflegende große Schritte. Schließlich steht vielen Pflegenden die berufliche Sozialisation sowie die eigenen moralischen Ansprüche gegen diesen Grundsatz.

Es macht große Freude, den Spuren der vielen Autorinnen und Autoren zu folgen. Sie führen Pflegende umsichtig und kenntnisreich zu einem Reflexionsprozess, der für Pflegende überfällig ist.

Margaret McAllister / John B. Lowe (Hrsg.): Resilienz und Resilienzförderung bei Pflegenden und Patienten – Widerstandsfähiger werden trotz widriger Umstände, Hogrefe-Verlag, Bern 2019, ISBN 978-3-456-85949-1, 288 Seiten, 29.95 Euro.

Christoph Mueller
Über Christoph Mueller 126 Artikel
Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at

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