Reformdringlichkeit

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Laut Gesundheitsberufe-Register verfügen etwa 150 000 Pflegepersonen über eine Berufsberechtigung. Demnach ist dies die größte Berufsgruppe der gesetzlich geregelten Gesundheitsberufe. Daher haben die zentrale Verankerung der Handlungsfelder in allen Settings der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen eine enorme Bedeutung in der Versorgungspraxis. Dies wurde insbesondere während der Corona-Pandemie erneut deutlich sichtbar. Ebenso deutlich sichtbar ist der sich dramatisch zuspitzende Reformbedarf am Sektor der Pflegeberufe. Folgenden Maßnahmen sind daher nicht mehr auf die lange Bank zu schieben:

  • Augenhöhe

Bedarfsorientierte Gesundheitsversorgung und gezielter Einsatz fachkompetenter Pflege braucht Augenhöhe im therapeutischen Team. Zudem ist die Fachkompetenz der Gesundheits- und Krankenpflege in allen Entscheidungsprozessen, auf allen Ebenen sichtbar und nachhaltig einzubinden.

  • Leistungskataloge

Pflegeleistungen sind durch Leistungskataloge in allen Versorgungssettings zu bewerten, zu implementieren, um dadurch Leistungstransparenz zu erreichen.

  • Finanzierung der Ausbildung

Gut ausgebildetes Pflegepersonal ist systemrelevant. Daher ist die Berufsausbildung in allen Qualifikationslevels bundesweit durch die öffentliche Hand, zu finanzieren, sowie Weiterbildungsangebote bei vollem Lohnausgleich anzubieten.

  • Planungsbasis

Sämtlich Personalschlüssel, sowie die Themen der Finanzierung sind bundesweit einheitlich zu definieren und zu implementieren.

Dieser Text entstand nach einer kürzlich abgehaltenen Veranstaltung des Pflegemanagements. Eine Diskussion mit dem eingeladenen Gesundheitsminister Dr. Mückstein zu diesen wichtigen Fragen der Pflegeberufe und den damit verbundenen Konsequenzen für die Gesundheitsversorgung, sowie die Pflegeangebote für die Menschen in Österreich fand leider nicht statt. Es ist zu hoffen, dass Dringlichkeit für umfassende und nachhaltige Reformen der oben genannten Themenbereiche erkannt wurde. Die Zeit für kosmetische Maßnahmen ist längst abgelaufen. Ebenso ist es hoch an der Zeit, dass das gesamte Pflegepersonal auf allen Ebenen gemeinsam mit den Interessensvertretungen  die formulierten Reformen konsequent und geschlossen einfordert.

Über Ursula Frohner 9 Artikel
1977 bis 2007 Pflegepraxis und Projektarbeit im stationären Bereich wie etwa Unfall- und Allgemeine Chirurgie, Kardiologie und Nephrologie, sowie von 1993 bis 2007 Tätigkeitsbereich im Operationssaal. 2007 bis 2020 Präsidentin des ÖGKV sowie Vorsitzende der Österreichischen Pflegekonferenz. Aktuell Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Karl Landsteinerinstitutes für Human Factors & Resources im Gesundheitswesen, Lektorin der Weiterbildungsakademie für Pflegeberufe an der Sigmund Freud Universität Wien

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