Ratgeber Trauma und Posttraumatische Belastungsstörung

„Zeitreise beim Wiedererleben“

Menschen mit einem Trauma und einer posttraumatischen Belastungsstörung stoßen im persönlichen Umfeld häufig auf Unverständnis. An-und Zugehörigen fällt es schwer, Erlebtes nachzuvollziehen und alltägliche Emotionen der Betroffenen zu verstehen. Da ist es nötig, dass die Betroffenen Schützenhilfe bekommen. Mit dem „Ratgeber Trauma und Posttraumatische Belastungsstörung“ haben die leidenden Menschen eine hilfreiche Unterstützung. An-und Zugehörige können in dem Buch zügig und ohne große Barrieren Informationen über das Störungsbild bekommen.

So ist es für Menschen im sozialen Umfeld der Betroffenen sicher hilfreich, den Begriff des Traumagedächtnisses kennenzulernen. Ehring und Ehlers betonen, das ungewollte Wiedererleben des Traumas in Form von Bildern oder anderen Sinneseindrücken sei ein wichtiges Merkmal einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Diese Bilder seien sehr lebhaft und deutlich – „fast so, als würde das Trauma hier und jetzt noch einmal passieren“ (S. 26). Ehring und Ehlers erklären auch, wie es zu der Zeitreise beim Wiedererleben kommt.

Menschen, die eine traumatische Erfahrung hinter sich haben, tragen einen schweren Rucksack mit sich. Dies ist besonders für die An-und Zugehörigen eine Erkenntnis, ohne die gemeinsamer Alltag nicht gelingen kann. Ehring und Ehlers stellen klar, dass das Erlebnis eines Traumas die Art und Weise grundlegend verändere, „in der sie über sich selbst, andere Menschen und die Welt denken“ (S. 30). Das erhöhte Bewusstsein von Gefahr nach einem Trauma könne zu einem Problem werden, „wenn es einem so vorkommt, als lauere überall Gefahr und als könne man niemandem mehr trauen“ (S. 30 / 31).

Diese Vorsicht ist eine Seite der Medaille. Eine andere Seite der Medaille ist der soziale Rückzug, den viele antreten, und das Grübeln. Das Grübeln sei verantwortlich dafür, dass manche Probleme bestehen blieben. Gleichzeitig stehe das Grübeln konstruktiven Lösungsmustern im Weg, geben Ehring und Ehlers zu verstehen. Die Reaktions-und Verhaltensweisen im Anschluss an ein Trauma sind vielfältig. Bei ihnen muss vor allem danach geschaut werden, dass ein Ausweg gefunden wird.

Mit diesen Auswegen beschäftigen sich Ehring und Ehlers natürlich auch. Sie stellen viele Möglichkeiten dar, wie Betroffene Erholung erfahren können. Sie gestehen den Betroffenen zu: „Da jeder Mensch anders ist, sollten Sie den Menschen in Ihrem Umfeld ruhig sagen, was für Sie persönlich am hilfreichsten ist. Es ist für andere nahestehende Menschen im Allgemeinen eine Erleichterung, wenn sie wissen, wie sie Sie am besten in der Erholung vom Trauma unterstützen können“ (S. 45). Auch die therapeutischen Pfade werden aufgezeigt. Dabei konzentrieren sich Ehring und Ehlers auf verhaltenstherapeutische Interventionen.

Die Wege, um eine traumatische Erfahrung und eine Posttraumatische Belastungsstörung zu bewältigen, sind oft steinig. Der Ratgeber „Trauma und Posttraumatische Belastungsstörung“ kann als eine Gehstütze auf den holprigen Pfaden gesehen werden.

Thomas Ehring & Anke Ehlers: Ratgeber Trauma und Posttraumatische Belastungsstörung – Informationen für Betroffene und Angehörige, Hogrefe-Verlag, Bern 2019, ISBN 978-3-8017-2949-3, 74 Seiten, 8.95 Euro.

Autor:in

  • Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at

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