Qualität in der Pflege

15. Januar 2023 | Rezensionen

„Reichhaltige Fundgrube“

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, was die Qualität in der pflegerischen Versorgung ausmacht? Ist Qualität als solche eigentlich greifbar? Das Buch „Qualität in der Pflege“ versucht einer erst einmal trockenen Materie Saft zu gönnen. Damit haben sich die Pflegewissenschaftler Andreas Büscher und Moritz Krebs einer Aufgabe gestellt, der sie kaum gerecht werden können. Da wundert es schon, dass man ihr Buch nicht gerade in die Ecke legt.

Krebs und Büscher hauchen der Qualität in der Pflege Leben ein. Dies vermögen sie, weil sie die Leser_innen und Praktiker_innen bei der zu erwartenden Skepsis abholen. Schon zu Beginn bringen sie die Begriffe der Subjektivität und der Objektivität in den Diskurs ein. Sie stellen unter anderem fest, „dass die Qualität der Pflege zwischen den Polen der subjektiven Bewertung durch die Empfänger*innen pflegerischer Versorgung und der sehr objektiven Form des Grads der Erfüllung von Anforderungen liegt“ (S. 17).

Ziel-und lösungsorientiert definieren die beiden Pflegewissenschaftler die grundlegenden Begriffe des Qualitätsmanagements. Die pflegerischen Praktiker_innen haben die Gelegenheit, die sperrigen Termini auf das eigene Handlungsfeld runterzubrechen. Büscher und Krebs motivieren dabei die Berufskolleg_innen, aus der eigenen Fachlichkeit heraus die Qualität zu bestimmen. Qualitätsmanagement hat bekanntlich viel mit Gesetzen, Verordnungen und anderen Regelungen zu tun. Das Beschäftigen mit den formalen Fragen gestalten sie auf eine verständliche und gut lesbare Weise.

Was das Buch in besonderer Weise ausmacht, ist die Tatsache, dass Büscher und Krebs der Sicht der Nutzer_innen einen großen Raum gönnen. Sie regen die Praktiker_innen an, darüber nachzudenken, was sie subjektiv für wichtig halten würden, wenn sie einer Pflegeleistung bedürftig seien. Die Autoren bedauern, dass es nur wenige Studien zur Nutzer_innensicht zum Qualitätsbegriff in der pflegerischen Versorgung gebe. Ein Satz erscheint tiefgreifend: „Die Bedeutung der Qualität der Pflege erschließt sich vielfach erst während des Krankenhausaufenthaltes, wenn deutlich wird, dass die Pflegenden die Berufsgruppe sind, zu der vielfach der intensivste, zum Teil auch intimste und längste Kontakt der Patientinnen und Patienten sowie ihrer Angehörigen besteht“ (S. 57). An anderer Stelle schreiben sie: „Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Patientinnen und Patienten durchaus in der Lage sind, Angaben zu ihrer Vorstellung von Pflegequalität zu machen, danach jedoch nicht allzu oft gefragt werden“ (S. 58).

Überhaupt liegt nach ihrem Verständnis die Qualität der Pflege im Auge der Betrachter. So referieren sie die Perspektiven der Kostenträger und Leistungserbringer, der zahlreichen Berufsgruppen und der Politik sowie natürlich der Pflegenden. Bei dem Blick auf die „Entwicklung und Bewertung von Qualität“ lernen die Praktiker_innen einen sicheren Umgang mit Begriffen wie Expertenstandards und Leitlinien, Benchmarking und Qualitätsindikatoren, Audits und Zertfizierungen. Krebs und Büscher unterstreichen auch, dass Qualität in der Pflege eine Organisationsaufgabe ist.

Das Buch „Qualität in der Pflege“ ist als Studienbuch konzipiert. Pflege-Praktiker_innen, die sich akademisieren, können gut mit ihm lernen. Pflege-Praktiker_innen, die Impulse für den beruflichen Alltag wollen, treffen auf eine reichhaltige Fundgrube.

 

Andreas Büscher & Moritz Krebs: Qualität in der Pflege, Ernst Reinhardt Verlag, München 2022, ISBN 978-3-8252-5589-3, 222 Seiten, 29.90 Euro.

Autor:in

  • Christoph Mueller

    Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at