Pfleger brauchen nach Corona psychische Hilfe

6. Dezember 2022 | Covid19, News international

Gros der medizinischen Arbeitskräfte war auf die Pandemie nicht ausreichend vorbereitet

Personen, die bei der COVID-19-Pandemie an vorderster Front stehen, brauchen psychische Unterstützung, um sich von dem erlebten Stress und dem erfahrenen Traumata zu erholen und damit umzugehen, wie eine Studie der University of East Anglia konstatiert. Dafür haben die Forscher die Auswirkung der Pandemie auf Pflegekräfte in Pflegeheimen untersucht. Diese Personengruppe ist für die Situation, in der sie sich wiederfand, oft nicht vorbereitet, was sich auf die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden auswirkt. Details wurden im „Journal of Nursing Scholarship“ publiziert.

Neue Stresssituation

Laut der leitenden Wissenschaftlerin Diane Bunn mussten die Pflegekräfte in der Vergangenheit plötzlich mit einer hochansteckenden neuen Krankheit umgehen, die mit einer hohen Sterblichkeit in Zusammenhang stand – und das bei Personen mit bereits schwierigen klinischen Bedingungen. Dazu kamen Engpässe bei den Mitarbeitern, sich dauernd verändernde und teilweise widersprechende Richtlinien bei einer minimalen externen Unterstützung. „Die Betroffenen befinden sich immer noch sehr in einer Erholungsphase. Sie brauchen Zeit, um sich von all dem zu erholen, was während der Pandemie passiert ist, und viele werden Beratung und psychologische Unterstützung brauchen“, so Bunn.

Die Forscher haben Tiefen-Interviews mit Pflegekräften aus Pflegeheimen für ältere Menschen in England und Schottland durchgeführt. Sie konzentrierten sich dabei vor allem auf die Resilienz und das seelische Wohlergehen. Bunn zufolge waren alle Befragten aufmerksam, wenn es um die Bedürfnisse anderer ging. Den eigenen Bedürfnissen wurde weniger Aufmerksamkeit geschenkt und das hatte seinen Preis. Die Studie macht auch Vorschläge, wie den Pflegekräften geholfen werden kann. Dazu gehört auch eine größere berufliche Anerkennung der speziellen Fähigkeiten, die in Pflegeheimen erforderlich sind – auch von Seiten der Regierung. Aber auch eine Überprüfung der Richtlinien in Pflegeheimen, um sich besser auf künftige Pandemien und Katastrophenfälle vorzubereiten, ist inkludiert.

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)