Pest und Corona – Pandemien in Geschichte, Gegenwart und Zukunft

„Handlungsbezogene und pragmatische Medizingeschichte“

Manche Phänomene müssen in Zusammenhängen verstanden werden. Mit Pandemien ist dies auch so. Deshalb wundert es nicht, dass sich die beiden Medizin-Historiker Heiner Fangerau und Alfons Labisch anlässlich der Corona-Pandemie mit Pandemien in Geschichte, Gegenwart und Zukunft beschäftigen. Das Buch „Pest und Corona“ verhandelt aus Sicht Fangeraus und Labischs „eine zwar historisch-empirische, aber handlungsbezogene und damit pragmatische Medizingeschichte“ (S. 16).

Fangerau und Labisch nehmen aus der Diskussion um die Corona-Pandemie jede Hysterisierung und Dramatisierung heraus. Sie unterscheiden zwischen skandalisierten Krankheiten und echten Killern. Sie berichten über den „schwarzen Tod“, die „attische Seuche“ und die Influenza 1918. Sie schauen auf die „neuen Seuchen“, Krankheiten im individuellen und öffentlichen Leben.

Nun aber zu den Fakten: Für Fangerau und Labisch sind skandalisierte Krankheiten diejenigen, „deren tatsächliche Bedeutung aus epidemiologischer Sicht in einem merkwürdigen Missverhältnis zu ihrer Wahrnehmung und zu den Reaktionen im öffentlichen Raum steht“ (S. 41). Die Maßnahmen zu den skandalisierten Erkrankungen erfolgten „weder krankheitslogisch noch rein wissenschaftslogisch“ (S. 42). Covid 19 sehen sie nicht als skandalisierte Krankheit, sondern als potentiell echten Killer.

An vielen Stellen im Buch greifen Labisch und Fangerau auf, was in der Öffentlichkeit über Wochen diskutiert wurde bzw. publiziert wurde. Dies macht den eigenen Zugang zu dem Buch natürlich leichter. Schließlich ist diese medizinhistorische Arbeit der beiden Fachleute aufgrund der Faktendichte und der Vielseitigkeit des Themas kein leichter Lesestoff.

Ist es Ihnen eigentlich geläufig, weshalb das Trinkwasser in Deutschland eine so gute Qualität hat? In dem Buch „Pest und Corona“ erfahren Sie es. Labisch und Fangerau fassen zusammen: „Als bleibendes Ergebnis wurde Leitungswasser nun allerdings in den Status eines Nahrungsmittels erhoben und damit strengster Kontrolle unterworfen. Deswegen wird das Trinkwasser in Deutschland bis auf den heutigen Tag als Lebensmittel behandelt und streng kontrolliert“ (S. 83).

Fazit: Das Buch von Labisch und Fangerau ist eine überzeugende Studie, die mit Gewinn in einer Zeit gelesen wird, in der jede Einzelne von den Wogen der Pandemie hinweggerissen zu sein scheint.

Heiner Fangerau / Alfons Labisch: Pest und Corona – Pandemien in Geschichte, Gegenwart und Zukunft, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau, ISBN 978-3-451-38879-8, 18 Euro.

Christoph Mueller
Über Christoph Mueller 208 Artikel
Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at

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