Pathologisches Horten

Meist reagieren Menschen auf pathologisches Horten mit einem Kopfschütteln. Denn die Gründe für eine Vermüllung einer Wohnung oder eines Hauses wird von den meisten nicht verstanden. Das Chaos wird als eine Provokation oder gar als eine Unfähigkeit zu einem alltäglichen Leben angesehen. Dass sich Menschen in einem scheinbar selbstgewählten Chaos wohlfühlen, erscheint unmöglich. Die Psychologin Anne Katrin Külz und der Psychiater Ulrich Voderholzer gewähren mit dem Buch „Patholgisches Horten“ Einblicke in das Durcheinander der Wohnungen und Häuser bzw. in das innere Chaos der Betroffenen.

Dabei steht die Frage im Vordergrund, was aus einem einfachen Sammeln ein pathologisches Horten macht? Sammeln sei so lange nicht als pathologisches Horten zu betrachten, „als es dem eigenen Wohlergehen oder demjenigen anderer Menschen nicht schadet“ (S. 7). Gleichzeitig muss es zu Beeinträchtigungen im alltäglichen Leben kommen.

Külz und Voderholzer veranschaulichen auf verständliche Weise, was das pathologische Horten ausmacht. Sie erklären, dass das pathologische Horten mit dysfunktionalen Grundüberzeugungen zu tun hat. So können negative Selbstbilder oder auch das Modellverhalten von primären Bezugspersonen der Hintergrund für pathologisches Horten sein.

Die zeitgenössischen Instrumentarien zur Diagnostik pathologischen Hortens stellen Külz und Voderholzer vor. Dabei legen sie Wert darauf, dass durch Psychoedukation Scham-und Schuldgefühle abgebaut werden. Gleichzeitig ist es für Külz und Voderholzer von Bedeutung, wenn die Motivation zur Ordnung bei den betroffenen Menschen gesteigert wird. So müssen unterstützende Menschen immer auch im Blick haben, dass Gegenstände an etwas erinnern, was den Einzelnen oder die Einzelne ausmacht.

 

9783801727857Anne Katrin Külz / Ulrich Voderholzer: Pathologisches Horten, Hogrefe-Verlag, Göttingen 2018, ISBN 978-3-8017-2785-7, 89 Seiten, 19.95 Euro.

Autor:in

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    Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at

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