ÖGGG Kongress Salzburg 2022: Rückwärts schauen – vorwärts denken

ÖGGG Kongress PMU Salzburg

Vom 21.-23. April fand die Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie, diesmal an der PMU in Salzburg, statt. Ambitioniert wurde retrospektiv analysiert um prospektiv gute Schritte in die Zukunft gehen zu können.

Der Eröffnungstag am Donnerstag beschäftigte sich mit dem Thema Ernährung und der Möglichkeit des Lernens aus Wissenschaft und Praxis, natürlich auch mit einem Rückblick auf COVID-19. Dieser Schwerpunkt begleitete den gesamten Kongress mit dem Ziel der Learnings aus der Pandemie und möglicher Verbesserungen. Moderiert von Prof. Kolland setzte sich ein Saal mit dem Thema Soziale Inklusion im Alter auseinander und beleuchtete das Thema Einsamkeit im Alter und digitale Kommunikation mit Menschen mit Demenz. In den freien Vorträgen zur Gerontologie am Nachmittag wurde das Projekt Linked Care von Fr. Zeidler vorgestellt. Das Projekt Linked Care soll als umfassendes digitales System einen stringenten Informationsfluss und eine durchgehende Informationsversorgung in der mobilen Pflege, Betreuung und Therapie sicherstellen. Linked Care vereinfacht den Informationsfluss und vernetzt alle Beteiligten miteinander mit dem Ziel, dass Personen in Gesundheitsberufen mit den Betroffenen selbst, deren An- und Zugehörigen, sowie Ärzt*innen, Therapeut*innen und Apotheken online effizient, sicher und niederschwellig direkt mit optimaler IT-unterstützung zusammenarbeiten. (https://www.fh-campuswien.ac.at/forschung/projekte-und-aktivitaeten/linked-care-durchgehende-informationsversorgung-in-der-mobilen-pflege-und-betreuung.html) Als Leitprojekt in diesem Bereich vereint Linked Care in noch nie dagewesener Form Stakeholder und End-User als Partner*innen zur Einbringung von Wissen und Anliegen.

Freitag war dem Thema Wohnen-Pflege-Architektur gewidmet und Prof. Marquardt stellte die demenzsensible Architektur im Krankenhaus vor. Ein Novum ihrer Studie stellte die Befragung dementiell Betroffener zu den getroffenen Maßnahmen dar, wodurch diese evaluiert und in der Ausstattung des Klinikums angepasst wurden. Sie betonte, dass Menschen mit dementiellen Erkrankungen vor allem auch im Raumkonzept viel Platz eingeplant bräuchten, wie zum Beispiel im Ambulanz-Warteraum, um einer Reizüberflutung vorzubeugen. Prof. Kolland stellte gemeinsam mit Rebekka Rohner die Studie zum Wohnen im Pflegeheim während COVID-19 mit Potentialen und Herausforderungen vor. Er stellte die Frage, „Kann Pflege auch Wohnen sein?“ und versuchte diese zu beantworten und fragte provokant ob der Mensch tatsächlich im Mittelpunkt stehe, oder sich Bewohner*innen und Pflegepersonen nur gegenseitig im Weg stünden. Alexander Seifert präsentierte die Ergebnisse aus dem SwissSurvey 65+ wo anhand der Loneliness-Scale die Voraussetzungen für soziale Teilhabe und das soziale Umfeld erhoben wurde. Er postulierte, „Es liegt  nicht nur am Raum sondern am Menschen bzw. sozialen Umfeld.“ Andreas Wörndl sagte in seinem Vortrag, „Privatheit ist eine Haltungsfrage und begleitet uns das ganze Leben.“ Auch am Freitag war der Tag von der Pandemie geprägt, es wurde ein Projekt der Teilhabe präsentiert, die demenzfreundliche Bibliothek Wiener Neustadt: https://www.fhwn.ac.at/hochschule/infrastruktur/bibliothek/dembib#partner-innen-team

Ebenso wurde MEMDA – mobile Ergotherapie für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen vorgestellt: http://www.memda.at/

Und der Trainingscomputer ASTrid – Digitale Trainingsbegleitung in den Geriatrischen Gesundheitszentren Graz: https://ggz.graz.at/de/Aktuelles/Presse/ASTrid-ist-immer-fuer-Dich-da!

Am Samstag sprach Prof. Heimerl über die soziale Teilhabe von hochbetagten Menschen. Sie stellte die Caring Community und die Möglichkeit dieser einen Beitrag zur sozialen Teilhabe von Menschen mit Vergesslichkeit zu leisten und ging auf die Wichtigkeit von demenzfreundlicher Kommunen ein. Prof. Frühwald sprach über den Todeswunsch und Suizidalität im Alter, ein Thema, welches gerade jetzt im Hinblick auf das Sterbeverfügungsgesetz ein sehr wichtiges ist und ab Mittag dann umfassend im Themenfeld assistierter Suizid von Michael Halmich seitens Rechtsperspektive, Maria Kletecka-Plucker aus dem Blick der Ethik, Sabine Ruppert mit dem Blick über den Tellerrand („Was können wir aus dem Ausland lernen?“)  sowie Katharina Pils und Georg Pinter, welche beleuchteten, wwas das Gesundheitspersonal braucht und wie das Positionspapier der ÖGGG dazu aussieht.

Eine sehr umfassende, lehrreiche und informative Poster-Ausstellung rundete den Kongress hervorragend ab.

 

Autor:in

  • Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Advanced Practice Nurse, akademische Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, Demenzberaterin, Direktorin im Haus Hetzendorf, Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser