Neues Teilchen im Alzheimer-Puzzle entdeckt

Neurologe Jack Jhamandas in seinem Labor (Foto: ualberta.ca, Jordan Carson)

Wissenschaftler der University of Alberta sehen Möglichkeit für eine erste wirksame Therapie

Edmonton (pte/19.09.2019/06:00) Forscher der University of Alberta http://ualberta.ca haben ein neues Teilchen im Alzheimer-Puzzle gefunden. Konkret handelt es sich dabei um zwei kurze Peptide – um Ketten von Aminosäuren, die, fünf Wochen lang regelmäßig in Körper von Mäusen gespritzt, deren Gedächtnisleistung deutlich verbessert haben. Laut Wissenschaftler Jack Jhamandas bietet das neue Wissen die Basis für eine neue Alzheimer-Heilungsmethode. Denn dank der verabreichten Peptide bildeten sich Veränderungen im Gehirn zurück, die Alzheimer auslösen. 

Deutlich weniger Plaques

„In den Mäusen, die wir behandelt haben, fanden wir eine geringere Anhäufung von amyloiden Plaques und registrierten einen Rückgang von Entzündungen im Gehirn“, so Jhamandas. Amyloide Plaques sind Eiweißablagerungen zwischen den Gehirnzellen, die typisch sind bei Alzheimer. Die aktuellen Ergebnisse seien hochinteressant, weil sich nicht nur die Gedächtnisleistung verbesserte, sondern auch das Krankheitsbild.

Die Arbeit von Jhamandas baut auf der ein wenig zurückliegenden Entdeckung einer Substanz namens AC253 auf. Diese hemmt die toxische Wirkung eines Amyloid Beta genannten Proteins, das eine wesentliche Ursache für den Ausbruch von Alzheimer zu sein scheint, weil es in den Gehirnen von Betroffenen in großen Mengen zu finden ist.

Die Wirkung von AC253 hält allerdings nicht lange an, weil sie im Blut schnell abgebaut wird. Aus diesem Grund sind große Mengen der Substanz nötig, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen. Das jedoch sei nicht praktikabel, meint Jhamandas, weil die Gefahr bestehe, dass der Körper sein Immunsystem gegen die Substanz aktiviert und sie dadurch unwirksam macht. Der Versuch, AC253 in Tablettenform zu pressen, um den Abbau zu verlangsamen, misslang wegen der Komplexität des Moleküls.

Zwei Bruchstücke reichen

Jhamandas hat die Substanz in kleinere Stücke aufgeteilt, weil er gehofft hat, dass die Bruchstücke ähnlich wirken wie das gesamte Molekül. Tatsächlich fand sein Team nach zahllosen Versuchen mit Mäusen zwei Schnipsel, die Wirkung zeigten. Jetzt arbeiten die Forscher daran, sie in Tablettenform zu pressen, sodass die Alzheimer-Behandlung ähnlich einfach wird wie Therapien von Bluthochdruck oder einem zu hohen Cholesterinwert.

Karin Eder
Über Karin Eder 461 Artikel
Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Advanced Practice Nurse, Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, Leitung Bereich Gerontologie und Validation im Ausbildungszentrum des Wiener Rotes Kreuzes GmbH.

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