MSF: Fünf Jahre nach Konfliktbeginn: Schwere Folgen für psychische Gesundheit von Vertriebenen in Mosambik

7. Oktober 2022 | News international, Psyche | 0 Kommentare

Der Beginn des kriegerischen Konflikts im Norden Mosambiks jährt sich zum fünften Mal. Die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit vieler Vertriebener werden unterdessen immer tiefgreifender. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sind in Cabo Delgado im Einsatz.

„Die Menschen erzählen uns von Müttern, die ihre Kinder während einer Flucht zurücklassen mussten und nicht wissen, wie es ihnen heute geht. Sie erzählen von Kindern, die den Tod ihrer Eltern miterlebt haben oder den Tod anderer Familienmitglieder”, sagt Tatiane Francisco, psychosoziale Beraterin von Ärzte ohne Grenzen in Mosambik. „Wenn man ständig unter dieser Angst leidet, ist es schwer, an die Zukunft zu denken und Dinge zu planen. Man ist immer noch im Überlebensmodus. Die Menschen leben nun schon seit Jahren in einer Art Schwebezustand.”

Die Gründe dafür, dass die Menschen die psychosozialen Projekte von Ärzte ohne Grenzen aufsuchen, sind vielschichtig: „Sie reichen von akutem Stress und Angst aufgrund von Unsicherheit und Perspektivlosigkeit bis zu Trauer”, sagt Tatiane Francisco. Die Zahl der Vertriebenen in der Region liegt bei mehr als einer Million Menschen. Viele von ihnen mussten mehrmals fliehen.

„Wir sind von unserer Familie und unseren Gemeinschaften getrennt“, sagt ein Gemeindeleiter aus Mocímboa da Praia, einem Bezirk im Norden der Provinz Cabo Delgado. Er musste immer wieder von vorne anfangen und lebt derzeit in einer provisorischen Siedlung im Bezirk Palma. „Wir hören jetzt, dass einige Menschen an einem Ort sind und weitere an einem anderen“, sagt er. „Manchmal hören wir von einem kranken Familienmitglied, aber wir haben keine Möglichkeit, es zu besuchen. Manchmal hören wir, dass jemand verstorben ist, aber wir können nicht zu ihm gelangen. Mit jedem Tag, der vergeht, werden wir trauriger darüber.“

Ärzte ohne Grenzen ist derzeit in Cabo Delgado in Macomia, Mocímboa da Praia, Palma und Mueda sowie in den Nachbardistriken wie Muidumbe, Nangade and Meluco mit mobilen Kliniken im Einsatz. Die Teams leisten Basisgesundheitsversorgung sowie psychosoziale Hilfe, sie setzen Wasser- und Sanitätsprojekte um, verteilen Hilfsgüter an Vertriebene und unterstützen bestehende Gesundheitseinrichtungen.

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)