MKÖ-Jahrestagung: Basics & Highlights der Inkontinenz

Kongressnachlese

400 TeilnehmerInnen (C) MKÖ

Linz / Wien, 3. November 2016 – Von 21. bis 22. Oktober 2016 fand heuer zum 26. Mal die interdisziplinäre wissenschaftliche Jahrestagung der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) in Linz statt. Unter dem Motto “Basics & Highlights“ lag der Fokus des diesjährigen Kongresses zum einen auf den wichtigen Grundlagen und klar definierten Abläufen im Behandlungsalltag und auf der anderen Seite auf der kritischen Betrachtung und Verbesserung von Diagnose- und Behandlungsalgorithmen. Die MKÖ-Tagung hat eine Vorreiterrolle in Österreich: Keine andere wissenschaftliche Tagung bringt so viele unterschiedliche Fachbereiche zusammen, wodurch sie sich zum Fixpunkt für all jene etabliert hat, denen das Tabuthema Inkontinenz ein Anliegen ist. Kontinuierlich steigende Teilnehmerzahlen bestätigen das Veranstaltungskonzept. Abstracts finden Sie unter www.kontinenzgesellschaft.at (Jahrestagung)

Die Jahrestagung der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) ist eine einzigartige interdisziplinäre Möglichkeit der Weiterbildung, des Erfahrungsaustausches und der Diskussion. Diese zwei Tage dienen der nachhaltigen Vernetzung all jener Disziplinen, welche sich mit Erhaltung und Wiederherstellung der Kontinenz befassen. Knapp 400 Teilnehmer folgten der Einladung, was das wachsende Interesse an diesem so breiten medizinischen Bereich zeigt und dennoch die Erwartungen aller, auch der beiden Kongresspräsidentinnen Dr. Evi Reinstadler, Oberärztin an der Abteilung Gynäkologie am Krankenhaus Dornbirn, und Elisabeth Udier, MSc., Physiotherapeutin mit Lehrauftrag an der FH Physiotherapie in Klagenfurt, übertraf.

Breites wissenschaftliches Programm für alle Berufsgruppen

Das Programm richtete sich an Ärzte mehrerer Fachbereiche, Pflegedienst, Physiotherapie und Hebammen. An zwei Tagen präsentierten führende Experten dieser Disziplinen aus Österreich, Deutschland, Großbritannien und sogar Australien aktuelles Wissen, praktisch umsetzbare Information und neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Auch die Workshops wurden mit großem Interesse angenommen: „Die Teilnehmer erhielten in Kleingruppen profundes Fachwissen und Anleitung zur praktischen Umsetzung zu den Themen Perinealsonografie, Transanale Irrigation, Elektrotherapie und Neurourologie“, so die beiden Kongresspräsidentinnen. Der Themenbogen der wissenschaftlichen Vorträge spannte sich von der Geburtshilfe über Prolaps bis hin zu Inkontinenz vor und nach Wirbelsäulenoperationen und Selbstkatheterismus. Aber auch den „Stiefkindern der Inkontinenz“ wie schlecht eingestellter Diabetes mellitus oder Inkontinenz nach einem Insult widmeten sich die Referenten. Genauso wie der Frage, wie der Internist zur Kontinenz beitragen kann, da er es zumeist mit multimorbiden älteren Patienten zu tun hat. Last but noch least wurde dem heiklen und deshalb so wichtigen Thema Katheterismus und Intimität Platz eingeräumt, das viel Sensibilität im Umgang mit diesen Patienten erfordert.

Forceps are bad news

Zu den Höhepunkten der Tagung zählte ohne Zweifel die Mitwirkung des weltweit bekannten und renommierten Urogynäkologen Prof. Dr. Hans-Peter Dietz von der University of Sydney, Australien, der im Workshop und Vortrag über die diagnostischen Möglichkeiten der Perinealsonografie sprach und schließlich für die Verbannung der Geburtszange ins Museum plädierte: „Forceps are bad news“, brachte er die Ursache für zahlreiche maternale Geburtstraumen auf den Punkt. In seinem Workshop verbildlichte er eindrucksvoll anhand Live-Ultraschalls, wie das Auge des Diagnostikers geschult und dadurch die Therapie optimiert werden kann.

Kleinere Gesprächsgruppen – die „Salons“ – in denen wissenschaftszentrierte und praxisorientierte Ansätze, Meinungen und Fallbeispiele zu Themen wie Problemzone Anorektum, Fertilität & Sexualität oder Verantwortung des „Kontinenzteams in der Rehabilitation nach Operationen im Becken präsentiert und diskutiert wurden, rundeten das breit gefächerte Programm ab. Reinstadler und Udier: „Das Format der Salons hat sich in den letzten Jahren sehr bewährt, da hier die Interaktion mit dem Publikum aus unterschiedlichen Fachbereiche besonders gut funktioniert.“

Zertifiziert und ausgezeichnet

Um die Entstehung von qualifizierten Anlaufstellen für Patienten mit Kontinenz- und Beckenbodenproblemen zu fördern und österreichweit einheitliche Qualitätsstandards in der Diagnostik, Therapie und Versorgung zu schaffen und zu sichern, bietet die MKÖ als unabhängiges und interdisziplinäres Expertengremium an, derartige Zentren zu zertifizieren. Im Rahmen des Kongresses erhielt heuer das Krankenhaus Dornbirn das Zertifikat „Kontinenz- und Beckenboden-Zentrum (KBBZ)“. Das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Ried wurde bereits zum zweiten Mal re-zertifiziert.

Ebenso zum zweiten Mal wurde heuer der „Comitatus Award“ verliehen, der von der Firma Hollister in Zusammenarbeit mit MKÖ, der Kontinenz-Stomaberatung-Österreich (KSB) und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie (ÖGU) ausgeschrieben wird. Mit diesem Preis sollen besonders innovative und patientenfreundliche Projekte, Initiativen und Maßnahmen für Menschen mit neurogenen Blasenentleerungsstörungen ausgezeichnet werden. Der erste Preis wurde einer Arbeitsgruppe aus Bad Häring verliehen, die standardisierte Anleitungen zum intermittierenden Selbstkatheterismus entwickelt hat.

Neben der Jahrestagung gab es wieder den alljährlichen Festabend der MKÖ, der traditionsgemäß am Linzer Pöstlingberg stattfand. Legendär sind die Reime von MKÖ-Vizepräsident Univ.-Prof. Dr. Max Wunderlich, der sich heuer den Verlockungen und Versprechungen in der TV-Werbung widmete –mühelose Bewältigung der Inkontinenz inklusive. Für äußerst gute Stimmung sorgte das Vorarlberger Trio „Spitfire“, die mit Rock’n Roll die Gäste zum ausgelassenen Tanzen und den Pöstlingberg zum Beben brachten.

Das Resümee der Kongresspräsidentinnen Reinstadler und Udier: „Die MKÖ ist ein starkes Team. Das hat sich heuer auf der Tagung wieder auf eindrucksvolle Art gezeigt. So eine Organisation ist nur möglich, weil so viele Köpfe mitdenken, so viele Hände zur rechten Zeit zur Stelle sind. Dass die Sprecher zum Teil direkt aus den MKÖ-Kreisen sind, versteht sich von selbst, da die MKÖ aus einem hervorragenden interprofessionellen Team besteht. Durch weitere Sprecher „von außen“ holten wir uns interessante Aspekt in unser Netzwerk. Wir möchten uns bei allen Mitwirkenden ganz herzlich für ihren Beitrag und auch für die ganz besonders gute und herzliche Stimmung in den Diskussionen und Gesprächen bedanken.“

Save the date: Die 27. Jahrestagung der MKÖ findet am 20. und 21. Oktober 2017 wieder im LFI Linz auf der Gugl statt.

400 TeilnehmerInnen (C) MKÖ
400 TeilnehmerInnen (C) MKÖ
Hans-Peter Dietz Sydney  (C) MKÖ
Hans-Peter Dietz Sydney (C) MKÖ
 KBBZ an KH BHS Ried ©-MKÖ
KBBZ an KH BHS Ried ©-MKÖ
KBBZ an KH Dornbirn © MKÖ
KBBZ an KH Dornbirn © MKÖ

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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