Menschenrechtsbasierte Pflege

Wie kann man Menschenrechte in der Pflege achten und anwenden? – Das Fachbuch zur menschenrechtsbasierten Pflege analysiert, welche Gestaltungs- und Handlungsmöglichkeiten sowie -verpflichtungen in Menschenrechten und Menschenwürde für die nationale und internationale pflegerische Versorgungspraxis liegen. Exemplarisch stellen die Autorinnen dies an den Themen Arbeitsmigration, Fachkräftemangel, Personalbesetzung, Ökonomisierung und Privatisierung dar. Sie beschreiben, wie förderlich oder hinderlich bestimmte Arbeitsbedingungen sind, um Menschenrechte und -würde achten zu können. All das unter Bedingungen von Pflegeausbildung und -praxis und im Kontext von Digitalisierung und Migration sowie von Diskriminierung und moralischer Desensibilisierung.

Im direkten Umgang von Mensch zu Mensch plädieren die Herausgeberinnen und Autorinnen dafür, Menschenrechte in der Pflege zu achten und anzuwenden. Sie zeigen dies exemplarisch an Themen der Autonomie, Beziehungsgestaltung und Humanität und an Beispielen der Pflege alter Menschen, der Palliative Care und in der Sorge um den Erhalt sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.

Persönliches Fazit: Darf man Pflegepersonen aus dem Ausland rekrutieren oder ist es nur eine Form der modernen Sklaverei? Welchen Auftrag haben Hochschulen, Politik und Führungspersonen, um den Personalmangel entgegen zu wirken, damit eine menschenwürdige Pflege möglich ist? Ist Robotik in der Pflege ethisch vertretbar? Dies sind nur einige Fragen, die in diesem Buch bearbeitet werden. Noch nie gab es ein Pflegebuch, das solch brisante Themen in der Kürze auf den Punkt bringt. Hierbei wird der Leserschaft keine Zeit zum Aufatmen gelassen. Kapitel für Kapitel wird einem klar gemacht, dass die Diskussion um „Menschenrechte in der Pflege“ mehr den je stattfinden muss. Kein unangenehmes bzw. relevantes Thema wird ausgelassen, alle Punkte werden aus mehreren Perspektiven betrachtet. Werden Menschenrechte im Altenheim immer eingehalten? Natürlich würden Sie mit „Ja“ antworten, aber passiert dies wirklich? Ist ein „Nein“ eines Bewohners, der sich den dritten Tag nicht duschen will auch ein akzeptiertes „Nein“? Wenn die Person den ganzen Tag im Bett liegen bleiben will, gibt es hier keine „ausgeübte Gewalt“? Schnell erkennt man in diesem Werk das hier schon längst eine „magische Schwelle“ überschritten wurde und uns dies teilweise nicht mehr bewusst ist. Die Aussagen werden mit Studien und Berichten hinterlegt, die Quellenangaben führen zu weiterführenden Artikeln und Büchern, die genau dieses Thema offen beleuchten. Schnell steht man als Leser*in vor dem kritischen Hinterfragen, ob wir uns in der Pflege auf dem wirklich richtigen Pfad bewegen, der sämtliche Menschenrechte beinhaltet. Prädikat: Absolut lesenswert! Ein Pflichtbuch zur Reflexion! 

Herausgeber*innen: Olivia Dibelius, Gudrun Piechotta-Henze
Umfang: 288 Seiten
Sprache: Deutsch
ISBN:
978-3-456-85913-2

Markus Golla
Über Markus Golla 7018 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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