Kopf-Hals-Krebs: Traumata verschlechtern Therapie

7. August 2018 | Gastkommentare | 0 Kommentare

São Paulo (pte008/06.08.2018/10:30) – Patienten mit Kopf-Hals-Krebs, die Kindheitraumata erlitten haben, leiden laut einer Studie der São Paulo State University http://unesp.br eher an fortgeschrittenem Krebs, frönem einem höheren Alkoholkonsum und verfügen über Symptome im Bereich Angst und Depression. Laut den in „Cancer“ veröffentlichten Ergebnissen sollten Kindheitstraumata bei der Behandlung dieser Krebsformen berücksichtigt werden.

Erst spätes Nachwirken

Eine Krebsbehandlung- und -diagnose kann bei den Betroffenen zu starkem Stress, Angst und Depressionen führen. Patienten mit Kopf-Hals-Krebs weisen emotionale Reaktionen auf, die ihre Therapietreue und den Umgang mit dem Rauchen und Alkoholismus beeinflussen können. Traumatische Erlebnisse in der Kindheit wurden ebenfalls mit dem Auftreten von Angstgefühlen und Depressionen im Erwachsenenalter in Verbindung gebracht.

Für die aktuelle Studie wurde das Auftreten von Kindheitstraumata bei diesen Krebspatienten und die Verbindung mit Angst und Depression untersucht. Das Team um Daniel Bernabé hat dafür die Daten von 110 Patienten mit Plattenepithelkarzinomen analysiert, nachdem sie die Diagnose erhalten hatten, aber bevor sie mit der Behandlung begannen.

Traumata betreffen alle

Von den 110 Personen hatten 105, also 95,5 Prozent, zumindest eine Art von Kindheitstrauma erlitten. Am häufigsten haandelte es sich mit 43,8 Prozent um emotionale Vernachlässigung, gefolgt von körperlicher Misshandlung (30,5 Prozent), emotionaler Misshandlung (15,2 Prozent) und körperlicher Vernachlässigung (8,6 Prozent). Nur zwei Patienten berichteten von sexuellem Missbrauch.

Emotionale Vernachlässigun sowie die mangelnde Beachtung von Bedürfnissen standen mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung und höherem Alkoholkonsum in Verbindung. Eine körperliche Vernachlässigung erwies sich als vorhersagender Faktor für erhöhte Angstzustände. Patienten mit einem erhöhten Auftreten traumatischer Ereignisse in der Kindheit verfügten vor Beginn der Behandlung über eine fast zwölf Mal so hohe Wahrscheinlichkeit erhöhter Depressionswerte.

Laut Bernabé könnte die Berücksichtigung von traumatischen Ereignissen in der Kindheit von großem Wert beim Verstehen von neuropsychologischen Mechanismen in Zusammenhang Alkoholmissbrauch sowie Symptomen von Angst und Depressionen bei Krebspatienten sein. Die Lebensgeschichte der Krebspatienten inklusive ihrer traumatischen Erinnerungen und damit in Verbindung stehender Gefühle sollten bei der Behandlung berücksichtigt werden.

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)