Jesus aber schlief – Biblische Tipps für ein effektives Stressmanagement

„Entlastung vom subjektiv empfundenen Stress“

Der Umgang mit Krisen ist Jonathan Gutmann aus seinem beruflichen Alltag vertraut. Als Fachpfleger für Psychiatrische Pflege unterstützt er Menschen, deren Seelen aus der Balance sind. Und Krisen führen zu einem persönlichen Stresserleben – bei den leidenden Menschen und bei den Unterstützenden. Da verwundert es nicht, dass Gutmann über Wege aus dem subjektiven Stresserleben nachdenkt. Mit dem Buch „Jesus aber schlief“ schlägt der Psychiatrie-Pfleger nun einen Bogen zu den biblischen Quellen.

Dies wird Zeitgenoss_innen und den Berufskolleg_innen vielleicht überraschen. Wer Gutmann kennt, demjenigen erscheint dieser Brückenschlag schlüssig. Schließlich macht er seit Jahren keinen Hehl daraus, dass er ein praktizierender Christ ist. So sind es auch viele persönliche Töne, die Gutmann anklingen lässt. Wenn er betont, dass es hilfreich sei, sich der Anforderungen des Alltags anzunehmen und „das eigene Leben, die Verhaltens-, Handlungs-und Denkweisen regelmäßig zu reflektieren“ (S. 13), dann sorgt er im besten Sinne für ein gutes Rüstzeug.

Den Begriffen des Stresses und des Ausgebranntseins setzt Gutmann die Salutogenese und die Resilienz entgegen. Resilienz könne nicht vor Krisen schützen, „aber wir lernen, damit besser umzugehen und uns davon nicht aus der Bahn werfen zu lassen“ (S. 44). Für Gutmann sind der Glaube an Gott und die biblischen Zeugnisse Kompasse, um den Alltag mit seinen Anforderungen erfolgreich zu bewältigen.

Gutmann kommt nicht als Missionar daher, der die Menschen in seinem Umfeld und mit seinem Buch überreden will. Nein, er erscheint als Überzeugungstäter. Die Darstellung der wissenschaftlichen Fakten und die Darlegung der eigenen Überzeugungen aus dem eigenen Glauben heraus wirken konsistent. Sie entwickeln damit eine Kraft, der sich die Leser_innen auf jeden Fall stellen müssen.

Stellen müssen sich die Leser_innen auch den zahllosen Überlegungen und Reflexionen, die Gutmann vorstellt. So identifiziert er Zeiträuber als Grund für den subjektiv empfundenen Stress. Er fordert auf, diese auszuschalten. Wörtlich schreibt er: „Sie werden sehen, wie befreiend es ist, sich von zeitraubenden Dingen zu verabschieden und Unnützes nicht an sich heranzulassen“ (S.79). Mit dem neutestamentlichen Gleichnis der zehn Brautjungfern veranschaulicht Gutmann, wie entscheidend gute Planung im Alltag ist.

Gutmann thematisiert auch die ständige Erreichbarkeit durch digitale Medien in der Gegenwart. Er gibt zu bedenken, dass das eigentliche Leben dadurch auf der Strecke bleibe. So ermuntert Gutmann, „sich selbst Grenzen aufzuerlegen“ (S. 100). Dies wird vielen Zeitgenoss_innen schwerfallen. Damit dies leichter gelingt, bietet Gutmann viele Reflexionsübungen und Denkanstösse an.

Das Buch „Jesus aber schlief“ ist eine hilfreiche und aufrüttelnde Sammlung von Überlegungen, um Mit Stress und Ausgebranntsein zurechtzukommen. Es weist auf alternative Wege hin. Gutmann empfiehlt in diesem Kontext, das Buch ganz individuell zu nutzen. Er schreibt vom Ausprobieren, vom Anpassen an den eigenen Alltag.

Gutmanns Buch „Jesus aber schlief“ ist nicht bloß eine Hilfe für sich selbst. Für die eigene berufliche Tätigkeit bietet es sich an, das eine oder andere Kapitel als Matrix zu nehmen, die Menschen in Krisen angeboten wird. Ein erfolgreiches Projekt.

Jonathan Gutmann: Jesus aber schlief – Biblische Tipps für ein effektives Stressmanagement, Francke Verlag, Marburg 2021, ISBN 978-3-96362-206-9, 175 Seiten, 12.95 Euro.

Christoph Mueller
Über Christoph Mueller 274 Artikel
Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at

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