Humor in der Krise

Spielend durch die Krise

Es wundert nicht, dass die herrschende Corona-Pandemie die Vorlage für das Buch „Humor in der Krise“ gewesen ist. Schließlich hält die Pandemie für Humor-Aktivistinnen und Humor-Aktivisten manche Aufgabe bereit. Dazu gehört unter anderem die Frage, wie sich in Zeiten der Distanzierung und des Abstands Heiterkeit gelebt werden kann.

Um Antworten auf ganz unterschiedliche Fragen zu finden, hat Jan- Rüdiger Vogler, der selbst als Humor-Trainer arbeitet, namhafte Autorinnen und Autoren um sich geschart. Und man glaubt es nicht: Die Humor-Praktikerinnen und Humor-Praktiker haben sich durch die Pandemie nicht ins Bockshorn jagen lassen. Nein, sie haben mit Engagement und Kreativität nach Wegen gesucht, als Clowns trotzdem Visiten im Pflegheim zu realisieren oder Lachyoga digital anzubieten.

Geri-Clown Ulrich Fey fasst in seinem Beitrag eindrucksvoll zusammen: „So ungewohnt, so positive diese Impulse sind, so limitiert bleiben diese. Zwangsläufig. Körperliche Berührungen, unmittelbares Erspüren der Situation, der Atmosphäre fehlen. Die sinnliche Erlebniswelt am Tablet bleibt zweidimensional“ (S. 111). Gleichzeitig betont Fey, dass bescheidene Erwartungen bei weitem übertroffen worden seien.

Überhaupt kommt das Buch mit positiven Botschaften daher. Es trotzt der Krise, bietet Alternativen zu einem negativistischen Denken an. So konstatiert Alex Bannes mit dem Blick auf das Lach-Yoga: „Das digitale Lachen ist für viele Menschen ein großer Segen und hilft ihnen, körperlich und psychisch gesund zu bleiben sowie gut durch die herausfordernden Zeiten zu kommen“ (S. 102). Online-Lachyoga sei ein wunderbarer Weg, Menschen zu unterstützen, die ihr psychomentales Wohlbefinden nachhaltig fördern wollten.

„Es geht mehr als man denkt!“ steht über dem Beitrag von Charlotte Cordes, der sich mit dem digitalen Arbeiten mit der provokativen Therapie in Pandemiezeiten beschäftigt. Jan-Rüdiger Vogler erkennt den „Humor als kollektive Bewältigungsstrategie“. Sylvia Sänger fragt „Können Sie mich jetzt sehen?“ und schildert Erfahrungen mit der Online-Lehre in der Pandemiezeit. Gleichzeitig zeigt Christina Valentiner-Branth auf, wie man spielend durch die Krise kommt.

Frederick Dove wagt in seinem Artikel „Mein Humor in der Krise“ eine Selbstanalyse. Dabei stellt er fest, dass in Pandemie-Zeiten die Welt zwar dunkler geworden sei. Es heiße jedoch nicht, „dass für Humor kein Platz mehr ist“ (S. 24). Humor spiele in unterschiedlichen Formen eine nützliche Rolle. Humor sei sein treuer Freund.

Das Buch „Humor in der Krise“ setzt kleine Farbtupfer gegen das Grau des derzeitigen Alltags. Es ist ein erfrischendes Signal, dass bei allen Problemen in einer schwierigen Zeit die Haltung entscheidend ist, mit der dem Alltag begegnet wird. Es erübrigt sich fast zu bemerken, dass es mehr solcher Ermutigungen braucht.

 

Jan-Rüdiger Vogler: Humor in der Krise, HCD-Verlag, Tuttlingen 2021, ISBN 978-3-938089-40-8, 225 Seiten, 17.80 Euro.

Autor:in

  • Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at