Trotzdem lachen – Eine kurze Philosophie des Humors

4. Dezember 2022 | Rezensionen

„Höchst unterhaltsam“

Mit der Philosophie des Humors haben sich in den letzten Jahren einige Bücher beschäftigt. Allen voran hat Lenz Prüttings beeindruckendes dreibändiges Werk „Homo ridens“ seine Spuren in den Diskursen hinterlassen. So stellt sich natürlich die Frage, was denn der Philosoph und Journalist Yves Bossart Neues liefern kann. Inhaltlich liefert das Buch „Trotzdem lachen“ nichts Neues. Doch Bossart kann sich auf die Fahne schreiben, dass er ein höchst unterhaltsames Buch geschrieben hat. Dies liegt sicher auch daran, dass er den spielenden Menschen, den lachenden Menschen und den lächerlichen Menschen in den Fokus rückt.

Überzeugend ist, dass Bossart den Humor als ein wechselseitiges Geschehen versteht. Aus seiner Sicht zeigt sich am Humor des Einzelnen das „Gütesiegel seiner Glaubwürdigkeit“ (S. 91). Dies klingt burschikos, meint Bossart ernst. Humor könne helfen, „zu unseren eigenen Meinungen auf Distanz zu gehen und unser Denken von starren Mustern zu befreien“ (S. 96). Auf diese Weise gibt Bossart dem Humor das Vermögen, als eine Reflexionsmatrix zu dienen. Dies setzt sich fort: „ … eine Grundhaltung, die wir dem Leben gegenüber einnehmen“ (S. 97).

Der Titel des Buchs hat etwas Trotziges. Diesen Trotz brauchen die Überlegungen Bossarts gar nicht. Schließlich zeigt er als Autor auf, welchen eigenen Charakter der Humor entwickeln kann, um im individuellen Leben seine Berechtigung zu haben. Klar setzt Bossart den Humor mit philosophischen Begriffen wie Ästhetik, Ethik und Lebenskunst in Beziehung. Wenn sich Bossart mit der Evolution beschäftigt, präsentiert er quasi die historische Entwicklung des Humors. Dabei hätte es sich vielleicht gelohnt, den Humor als einen Moment der Ko-Evolution zweier Menschen darzustellen. Und was viele Autor_innen oft vergessen: Er nimmt das Kitzeln in den Blick, das bekanntlich viel mit dem Lachen zu tun hat.

Erinnern Sie sich noch an die Unterscheidbarkeit des Komischen vom Witzigen? Wenn nicht, dann tritt Bossart gerne zur Seite, wenn er betont, dass das Komische Dinge seien, „über die wir lachen. Witze, Missgeschicke, Fürze, Clowns und so weiter“ (S. 36). Humor sei die Fähigkeit, diese komischen Dinge erkennen und über sie lachen zu können.

Bossart setzt mit dem Buch einen Markstein. Wie der Vogel auf dem Cover auf dem Kopf steht, so ist das Buch ein hoffnungsfrohes Zeichen in einer schwierigen Zeit, die von vielem Dunklen begleitet ist. Die Leser_innen sind eingeladen, Erlebtes und Erfahrenes im Leben gegen den Strich zu kämmen. Das humorvolle Lachen sei die Kunst, „unauflösbare Widersprüche und Ambivalenzen des Lebens gelassen hinzunehmen – einen Perspektivwechsel zu vollziehen, dass sich tragische Konflikte in komische Inkongruenzen verwandeln“ (S. 111).

Das Buch will die Zeitgenoss_innen inspirieren, eine andere Sicht auf das Leben zu wagen. Indem sich die Leser_innen zu Herzen nehmen, was Bossart an Überlegungen andeutet, bekommen sie einen ganz anderen Blick auf die Wirklichkeit und das subjektive Erleben. Es will inspirieren, Erlebtes und vor allem sich nicht so ernst zu nehmen, wie es manchmal nötig erscheint. Nicht umsonst scheint er immer wieder den Terminus Distanz einzubringen.

Gönnen Sie sich die Lektüre des Buchs „Trotzdem lachen“, auf amüsante Weise wird es den Alltag in einem veränderten Licht erscheinen. Bossart schreibt: „Denken und Lachen – beides sind Strategien, mit der Welt zurande zu kommen, sie auf Distanz zu halten“ (S. 110). Wenn dies auch noch an einem Wochenende gelingt, dann werden Sie anders in eine neue Arbeitswoche gehen.

 

Yves Bossart: Trotzdem lachen – Eine kurze Philosophie des Humors, Blessing Verlag, München 2022, ISBN 978-3-89667-742-6, 126 Seiten, 20 Euro.

Autor:in

  • Christoph Mueller

    Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at