Hindernisse und Hürden bei der Einführung von SkillsLab in Berufsfachschulen der Krankenpflege

von Regina Scheller, BA & Prof. Dr. phil. Matthias Drossel

Intensive care unit with ECG monitor - (C) Beerkoff

Die pflegerische Ausbildung besteht aus zwei Anteilen. Der eine Anteil ist das Vermitteln theoretischer Inhalte, der andere Teil ist die Umsetzung des Wissens in der Praxis. Die Vermittlung der praktischen Inhalte erfolgt größtenteils durch die Praxisanleiter in der Praxis. Die Praxisanleiter sind jedoch oft in den Stationsalltag eingebunden und Lernen geschieht zufällig (Breuer & Fichtner, 2013, S. 72). Durch SkillsLab kann sichergestellt werden, dass die Schüler Tätigkeiten erst in einem geschützten Rahmen durchführen und dann am Patienten. Damit steigt die Patientensicherheit (St. Pierre & Breuer, Vorwort, 2013a, S. IX).

SkillsLab wird in Deutschland in der pflegerischen Ausbildung vergleichsweise selten angewendet, andere Länder wie die Schweiz oder auch Österreich wenden diese Methode schon länger an. 

Veränderungen in der Pflegeausbildung

Durch das Pflegeberufereformgesetz (2017) werden die bisherigen Ausbildungsrichtungen Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und Altenpflege nicht mehr ausgebildet werden. Deshalb muss eine Neustrukturierung der zu vermittelnden Inhalte erfolgen, um alle relevanten Inhalte der drei Berufsgruppen zu vereinen. Mit der reformierten Pflegeausbildung soll eine Handlungskompetenz vermittelt werden, die lebenslanges Lernen im Fokus hat und es so ermöglicht, in verschiedenen Bereichen der Pflege zu arbeiten (Bundesministerium für Gesundheit; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2016). Eine weitere Forderung ist, dass berufliche Situationen in den Curricula verankert sind (Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung, 2012). Berufliche Handlungskompetenz kann sich nur in konkreten Pflegesituationen zeigen. Durch Anwendung von SkillsLab können die fachlichen, methodischen, sozial-kommunikativen und personalen Kompetenzen der Auszubildenden gestärkt werden. Auszubildende haben die Möglichkeit, aus ihren Fehlern zu lernen und sich so weiterzuentwickeln (Staudinger, 2015, S. 40 ff.).

Das Wissen, das am ersten und zweiten Lernort vermittelt wird, wird im Moment unzureichend miteinander verknüpft. Der dritte Lernort kann für einen Theorie-Praxis-Transfer sorgen und so das Wissen sinnvoll miteinander verknüpfen.

Begriffsbegrenzung SkillsLab

Der Begriff SkillsLab stammt aus dem Englischen und setzt sich aus dem Wort skills zusammen, was Können oder Geschick bedeutet und dem Wort lab, ausgeschrieben laboratory, was Untersuchungsraum heißt. Es handelt sich also um speziell ausgestattete Unterrichtsräume, in denen praktische Fähigkeiten geübt werden können. Es können realitätsnahe Situationen dargestellt werden und so praktische Kompetenzen trainiert werden (Fichtner, 2013, S. S.106).

In anderen Ländern werden SkillsLabs in der pflegerischen Ausbildung eingesetzt, nicht nur in der ärztlichen Ausbildung. In Deutschland dagegen werden SkillsLabs in der Pflegeausbildung noch nicht häufig angewendet. Dabei kann diese Methode auch für Pflegeberufe viele Vorteile bringen. Die alltagsnahen Situationen werden erst in geschützter Umgebung trainiert und dann werden die Tätigkeiten am Patienten ausgeführt. Dies erhöht die Patientensicherheit und das eigene Selbstvertrauen in durchgeführte Handlungen (Loewenhardt, Wendorff, Büker, & Keogh, 2014, S. 64).

Bei der SkillsLab-Methode können Simulationspatienten eingebunden werden. Die Simulationspatienten können durch professionelle Schauspieler oder Laiendarsteller dargestellt werden (ebd., S. 114). Es gibt aber auch die Möglichkeit, mit technischen Simulatoren zu arbeiten. High-fidelity-Simulatoren geben dem Anwender eine differenzierte Rückmeldung, Low-fidelity-Simulatoren dagegen kommunizieren nur über einfache Vitalparameter mit dem Anwender (Russo & Nickel, 2013, S. 122 ff. ).

Ein wichtiger Bestandteil von SkillsLab sind Briefing und Debriefing. Mit Briefing ist eine kurze Besprechung vor der Simulation gemeint. Im Debriefing reflektieren sich die Auszubildenden selbst. Es kann hier auf Stärken und Schwächen eingegangen werden und Lösungsstrategien können entwickelt werden. Im klinischen Alltag fehlt oft die Möglichkeit, ein Debriefing durchzuführen. Im SkillsLab sollte es deshalb fest integriert werden. Eine Möglichkeit, um Debriefing durchzuführen, ist die Verwendung von Videomaterial, um die Handlung zu reflektieren (Dieckmann, 2013, S. 154 f.)

Da SkillsLab in der Pflegeausbildung in Deutschland noch nicht weit verbreitet ist, stellt das Netzwerk SimNAT Pflege einen wichtigen Ansprechpartner bei der Einführung von SkillsLab dar. Das Netzwerk SimNAT Pflege fördert die Einführung von Skillstraining und Simulationen im pflegerischen Bereich (SimNAT Pflege Simualtions-Netzwerk, 2018).

Aktueller Forschungsstand

Viele Studien vergleichen den Einsatz von SkillsLab gegenüber anderen Methoden, diese Studien beschäftigen sich aber meist mit der Humanmedizin und nicht mit der Krankenpflege.

Staudinger (2015) beschreibt in ihrer Arbeit ein SkillsLab-Konzept, das an einer Pflegeschule umgesetzt wird. In den Evaluationen der Schüler, die jährlich durchgeführt werden, wird SkillsLab als eine Möglichkeit zum Theorie-Praxis-Transfer gesehen. Die Schüler hatten nur bei den ersten Simulationstrainings Bedenken bei der Durchführung der neuen Unterrichtsmethode. Sie berichten, dass diese sich mit der Zeit legen würden.

Das Herausgeberwerk von St. Pierre und Breuer (2013) gibt einen guten Überblick über die Implementierung und Durchführung von SkillsLab im medizinischen Bereich. Dabei wird sowohl Bezug auf das klinische als auch auf das universitäre Setting genommen.

Muijsers (1997) beschrieb in seinem Werk Ideen und hilfreiche Hinweise zur Einführung und Durchführung von SkillsLab, jedoch bezogen auf die Krankenpflegeausbildung in der Schweiz.

Da SkillsLab in Deutschland im pflegerischen Bereich noch selten anzutreffen ist, gibt es aktuell wenig Literatur zu diesem Thema, weshalb sich die vorliegende Arbeit mit diesem zukünftig wichtigen Thema befasst.

Methodik

Studiendesign und Ziel der Arbeit

Die Arbeit hat ein empirisches, qualitatives Studiendesign, um das Thema im Ganzen zu erfassen. Um Nachfragen zu ermöglichen und die Gefahr von Missverständnissen zu verringern, wurden Interviews durchgeführt.

Ziel dieser Arbeit ist es, Hindernisse, Hürden und beeinflussende Faktoren bei der Einführung von SkillsLab zu identifizieren, um diese im Vorfeld ausräumen zu können. Es können dabei bereits an anderen Berufsfachschulen aufgetretene Probleme und Erfahrungen gesammelt werden und nach Lösungen für diese gesucht werden. Dies kann das Einführen von SkillsLab an anderen Pflegeschulen erleichtern und die Akzeptanz der Methode SkillsLab erhöhen.

Die Forschungsfragen, die sich ableiten lassen, sind folgende:

  • „Welche Hindernisse und Hürden können bei der Einführung von Skills Lab an einer Berufsfachschule auftreten?“
  • „Was hätten die Experten nach der Einführung von SkillsLab rückblickend anders gemacht?“
  • „Welche Erkenntnisse können aus dem Vorgehen der Berufsfachschulen für die Zukunft gezogen werden?“

Auswahl und Rekrutierung der Experten

Einschlusskriterium bei der Auswahl der Experten war, dass die Interviewpartner SkillsLab an ihrer Berufsfachschule für Krankenpflege eingeführt haben. Ausgeschlossen wurden Lehrer, die die Methode SkillsLab noch nicht an einer Berufsfachschule implementiert und noch nicht mit dieser Methode gearbeitet haben.

Als Experten werden Personen definiert, die SkillsLab an einer Berufsfachschule eingeführt haben. Es sind keine Experten, die die Situation von Extern begutachten, sie sind im Geschehen. (Meuser & Nagel, 2005, S. 73 f.).

Über das SimNAT Pflege Simulations-Netzwerk wurden Berufsfachschulen ausfindig gemacht, die SkillsLab schon eingeführt haben (SimNAT Pflege Simulations-Netzwerk, 2018). Die Schulen, an denen die Interviews durchgeführt wurden, sind alle in Bayern.

Der Interviewleitfaden

Der Interviewleitfaden wurde in Anlehnung an Stelzer (2016) erstellt. Stelzer erhob in ihrer Arbeit Erfahrungen, die mit dem Lernbereich Training und Transfer an einer Schule in der Steiermark (Österreich) gemacht wurden. Sie ging dabei auch auf hemmende und fördernde Faktoren und benötigte Ressourcen zur Umsetzung für den Lernbereich Training Transfer ein. Der Leitfaden von Stelzer wurde für die Zielstellung dieser Arbeit adaptiert. Der Interviewleitfaden wurde vor Beginn der Interviews von einer Expertin für SkillsLab, die die Einschlusskriterien nicht erfüllt, begutachtet und auf Verständnis und Vollständigkeit geprüft. Die Expertin hat einen pädagogischen und gesundheitswissenschaftlichen Hintergrund. Es wurde ein Pretest mit einer Person durchgeführt, die aufgrund der Ausschlusskriterien nicht an den Interviews teilnehmen konnte.

Transkription und Datenauswertung

Bei der Transkription wurden die einfachen Transkriptionsregeln nach Kuckartz verwendet (Kuckartz, 2016, S. 167 f.). Die einfachen Transkriptionsregeln wurden nach Dresing und Pehl (2013, S.23) ergänzt. „\\“ steht für einen abgebrochenen Satz. Es wurden alle Äußerungen der Interviewten transkribiert inklusive Fülllaute (ebd.). Die Daten wurden pseudonymisiert. So können sensible Themen in den Interviews angesprochen werden, die ohne Anonymisierung möglicherweise nicht so offen beantwortet worden wären (Kuckartz, 2016, S. 171 f.).

Es wurde die inhaltlich strukturierende Inhaltsanalyse nach Mayring durchgeführt. Die Hauptkategorien leiteten sich aus der Forschungsfrage ab. Die Subkategorien wurden anhand des vorhandenen Materials Subkategorien bestimmt. Anschließend wurde das ganze Material in mehreren Durchgängen codiert und die Subkategorien angepasst. Textstellen, die für das Thema SkillsLab nicht relevant sind, blieben uncodiert. 

Ergebnisse der Interviews

Die Auswertung der Ergebnisse der sieben Interviews ergab 12 Kategorien. Diese werden in Tabelle 1 nicht hierarchisch geordnet dargestellt.

Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse der einzelnen Kategorien dargestellt.

Vorbereitung auf die Einführung

Die Schulen haben sich die benötigten Informationen durch Bücher, den Austausch mit anderen Schulen und SimNAT beschafft. Die Bedeutsamkeit des Austausches mit anderen Schulen zu diesem Thema wurde dabei betont.

„Also, wir haben mit vielen Schulen gesprochen und hospitiert und uns besucht, haben da ganz viel Nutzen daraus gezogen, dass uns da ganz Viele einfach auch weitergeholfen haben. Also wir waren viel im Austausch mit, mit anderen Schulen, gerade, was so den Aufbau dann angegangen ist“ (I 5, Z. 28-31)

An zwei Schulen besuchten die Lehrkräfte Fortbildungen zum Thema SkillsLab, um sich darauf vorzubereiten.

Fallerstellung

Die Fallerstellung wurde von drei Schulen als sehr zeitaufwendig beschrieben. Die erstellten Fälle können immer wieder verwendet werden, aber sie müssen auch evaluiert und angepasst werden.

Curriculare Einbindung

Drei Schulen haben SkillsLab fest ins Curriculum integriert. Zwei Schulen, die es nicht im Curriculum verankert haben, würden dies tun, wenn sie SkillsLab noch einmal einführen würden, da sie sich Vorteile davon versprechen.

Equipment

Fünf der sieben Befragten berichten, dass die Anschaffung der benötigten Materialien für das SkillsLab teuer ist. Alle Schulen haben einen oder mehrere High-fidelity-Simulatoren, deren Anschaffung kostenintensiv ist.

„Also, in allererster Linie ist es natürlich auch (.) eine finanzielle Geschichte, also (.) man braucht einfach finanzielle Mittel, um das ganze aufzubauen. Natürlich gibt es, glaub ich, viele Alternativen und man kann viel improvisieren, trotzdem kostet es am Ende dann doch Geld.“ (I5, Z. 120-123)

Außer den Simulatoren werden verschiedene Materialien und Patientenbetten zur Durchführung der Pflegehandlungen benötigt. Auch eine Videokamera zum Filmen der Schüler sowie ein Laptop oder PC und Beamer sind notwendig.

Es ist wichtig, dass die Schulleitung bereit ist für das Beschaffen der benötigten Materialien finanzielle Mittel bereitzustellen.

„man braucht eine Leitung, die dahintersteht und das auch gerne finanziert und einen da unterstützt.“ (I 5, Z. 121,122)

Technische Schwierigkeiten

Vier Schulen berichten über technische Schwierigkeiten, die vor allem bei der Einführung von SkillsLab auftraten. Die Probleme traten entweder im Zusammenhang mit der Videotechnik oder dem High-fidelity-Simulator auf.

Vier Befragte berichten über technische Probleme, die bei dem High-fidelity-Simulator aufgetreten sind.

„eine kurze Einweisung gekriegt, also hoher technischer Aufwand. Also das fand ich, war so ein bisschen schwierig für uns.“ (I 2, Z.121,122)

Ein Experte berichtet darüber, dass es schwierig war, die verschiedenen Geräte in Einklang zu bringen.

„was äh was auch eine Schwierigkeit dargestellt hat, das Ganze sozusagen in Einklang zu bringen, dass alle Geräte funktionieren optional, das haben wir auch von anderen Einrichtungen mitbekommen“ (I 1, Z.214-216)

Räumlichkeiten

Fehlende räumliche Ressourcen erschweren die Durchführung von SkillsLab. Drei Schulen klagen über fehlende räumliche Ressourcen, ihnen fehlt der Regieraum, an einer Schule fehlt zusätzlich der Debriefingraum.

Rolle der Vorgesetzten

Die Unterstützung durch die Vorgesetzten erwies sich als Voraussetzung für die erfolgreiche Einführung von SkillsLab.

„man braucht eine Leitung, die dahintersteht und das auch gerne finanziert und einen da unterstützt.“ (I 5, Z. 123,124)

An einer Schule würde der Interviewpartner vor der Einführung von SkillsLab an die Geschäftsführung herantreten, um sich hier Unterstützung zusichern zu lassen, da für die Finanzierung von SkillsLab die Befugnisse der Schulleitung nicht ausreichen.

Rolle der Kollegen

Drei Experten berichten, dass sie und ihre Kollegen Schulungsbedarf hatten, um die Methode SkillsLab sinnvoll umsetzen zu können.

Drei Experten erwähnen, dass SkillsLab anfangs von manchen Kollegen kritisch gesehen wurde, da es schon Praxisbegleitungen und Praxisanleitungen gibt und SkillsLab vor allem als zusätzlicher Zeitaufwand angesehen wurde.

Vorbehalte der Auszubildenden gegenüber SkillsLab

Zwei Experten berichten darüber, dass SkillsLab vor allem bei der Einführung sehr kritisch von den Schülern angenommen wurde, sich die Meinung dazu aber ins Positive wandelte. An einer Schule stehen die Schüler der Methode auch noch nach längerer Durchführungszeit kritisch gegenüber.

Vier Experten berichten, dass die Schüler sagen, dass es ihnen schwerfällt, sich auf die gestellte Situation einzulassen.

Zeitlicher Aufwand

Vier Schulen erwähnen einen hohen Zeitaufwand im Zusammenhang mit SkillsLab. Ein Experte wäre deshalb gerne für die Implementierung freigestellt worden.

„Erst mal braucht man Lehrer, die das Ganze vorbereiten. Und das war das größte Problem, weil wir nicht freigestellt waren. Wir mussten das neben den Unterrichten machen. Und das war, das war schwierig, muss ich Ihnen ganz ehrlich sagen.“ (I 2, Z. 117-119)

Zwei Experten sagen, dass die Vorbereitung und die Nachbereitung der Räumlichkeiten und der Simulatoren sehr zeitintensiv sind.

Auch die intensive Betreuung der Schüler nimmt sehr viel zeitliche Ressourcen in Anspruch.

Schauspieler

Der Einsatz von Schauspielern ist aus organisatorischen Gründen schwierig, da immer damit gerechnet werden muss, dass ein Schauspieler ausfällt und kurzfristig ersetzt werden muss. Auch der finanzielle Aspekt muss berücksichtigt werden.

Der Einsatz von Lehrern als Schauspieler ist nur als Notlösung anzusehen, da es sowohl für die Lehrer als auch für die Schüler Schwierigkeiten mit sich bringt.

Diskussion

Die Haltung des Lehrerteams, aber auch der Vorgesetzten scheint ein mögliches Hindernis bei der Einführung von SkillsLab darzustellen. Es sollte vor der Implementierung mit der Geschäftsführung Kontakt aufgenommen werden, um abzuklären, in welchem Rahmen eine Umsetzung möglich und auch gewünscht ist.

Denn die Räume, die zusätzlich für SkillsLab benötigt werden, können auch für das Personal der Klinik zu Fortbildungszwecken genutzt werden. Wenn SkillsLab auch anderweitig genutzt werden soll, ist es gegebenenfalls möglich, ein größeres Budget auszuhandeln und man hat somit mehr Möglichkeiten bei der Beschaffung des Equipments und mehr räumlichen Ressourcen. Eine Kooperation mit anderen Schulen könnte auch eine Möglichkeit darstellen, wie es ein Befragter in einem Interview vorschlug.

Mehrere Experten berichten, dass die vorhandenen Räumlichkeiten nicht ausreichen, vor allem wenn kein Debriefingraum oder Regieraum im Rahmen der Umbauarbeiten eingerichtet werden konnte, erwähnten die Experten diese Tatsache als störend. Auch St. Pierre und Breuer (2013b, S. 4) sehen einen Simulationsraum, einen Debriefingraum und einen Regieraum als Voraussetzung für die Durchführung von Simulationen.

Wenn SkillsLab nicht ins Curriculum integriert ist, kann es dazu führen, dass der Ausbildungsstand der Auszubildenden nicht berücksichtigt wird, was zu Demotivation bei Auszubildenden führen kann. Auch den Lehrern kann eine Nichtintegration von SkillsLab ins Curriculum Schwierigkeiten bereiten, wie ein Experte berichtet. Durch die Integration in das Curriculum hingegen kann sichergestellt werden, dass die einzelnen Einheiten aufeinander aufbauen und dass Lernziele vorgegeben sind, die die zu erlangenden Kompetenzen festlegen. Es kann also zu einem planvollen Aufbau an Kompetenz kommen (Ahlers, 2013, S. 78).

Die Erfahrung der Experten zeigte, dass die Auszubildenden SkillsLab anfangs kritisch gegenüberstehen, aber wenn sie mit der Zeit bemerken, dass diese Methode sinnvoll für das Erreichen der Ausbildungsziele ist, akzeptieren die meisten diese Unterrichtsmethode schließlich. Es erscheint wichtig, dass die Einführung für die Schüler transparent gestaltet wird und dass sie auf das Arbeiten im SkillsLab vorbereitet werden. Durch einfühlsames und transparentes Vorgehen kann den Schülern die Angst vor der neuen Methode genommen werden. Dies erscheint erstrebenswert, da Angst ein mögliches Lernhindernis darstellt (Meyer, 2013, S. 66). Fünf von sieben Schulen sprachen die hohen Kosten an, die SkillsLab mit sich bringt. Dabei spielt es auch eine Rolle, ob die Vorgesetzten hinter der Einführung von SkillsLab stehen oder nicht. Denn es tauchen zusätzlich zu den hohen Anschaffungskosten immer wieder unerwartete Kosten auf, die genehmigt werden müssen.

Laut Stricker und Göldner (2013, S. 32) ist die Wahl des richtigen Kamerasystems etwas, das Schwierigkeiten bereiten kann und passend zu den vorhandenen Gegebenheiten ausgewählt werden muss, da es hier keine einheitliche Ideallösung gäbe, dies wird auch in den Inteviews deutlich.

Auch das Equipment ist teuer. Daher sollte man genau überlegen, welche Anschaffungen tatsächlich notwendig sind und an welcher Stelle eine Improvisation möglich ist, ohne dass die Nähe zur Realität leidet. Auch Laamerding-Köppel und Baatz (2013, S. 94) schreiben, dass der Ressourceneinsatz sehr gut überlegt werden muss, da großer Aufwand nicht mit Lernerfolg gleichzusetzen sei. Die Zusammenarbeit mit Geräteherstellern kann auch die die hohen Kosten senken, die durch die Anschaffung der High-fidelity-Simulatoren entstehen. In die Kostenrechnung sollten auch die Kosten, die durch Auftreten von Fehlern entstehen, miteinbezogen werden (Issleib & Schmidt, 2013, S. 49 ff.) .

Der Einsatz von Schauspielpatienten wird von den Schulen teilweise als schwer organisierbar beschrieben. Trotz des hohen Aufwands spricht die Möglichkeit, ein konstruktives Feedback durch die Schauspielpatienten zu bekommen für diese Möglichkeit. Auch ist es einfacher, eine bestimmte Anzahl an Schauspielern für eine kurze Zeit zu rekrutieren als viele Simulatoren zu kaufen, die möglicherweise nur selten in der großen Anzahl benötigt werden (Schnabel, 2013, S. 117 ff.). Die meisten Befragten haben zuerst SkillsLab nur mit Simulatoren eingeführt und sich dann, wenn das problemlos organisiert war, dem Thema Schauspielpatienten zugewandt.

Limitation

Der Leitfaden, der in Anlehnung an Stelzer (2016) erstellt wurde, erwies sich bei Durchführung der Interviews als zu unspezifisch für die Fragestellung der Arbeit.

Es werden viele Rückschlüsse aus dem medizinischen Bereich und pflegerischen Bereich aus der Schweiz gezogen, da in diesem Bereich SkillsLab schon in einem größeren Rahmen etabliert ist als im Pflegebereich in Deutschland.

Es erscheinen weitere Untersuchungen im speziellen Setting der Pflegeausbildung nötig, da dies ein noch sehr neues Gebiet ist. Die Tatsache, dass sich die Pflegeausbildung im Moment verändert hin zu einer Ausbildung, in der der Fokus auf den dritten Lernort gerichtet ist, verstärkt aus Sicht der Autorin den Forschungsbedarf in diesem Gebiet.

Fazit

Positiv herauszustellen ist, dass die Schulen, die SkillsLab durchführen, von diesem Konzept überzeugt sind und größtenteils Verbesserungen im praktischen Handeln der Auszubildenden erkennen. Ein wichtiger Punkt, der für die Einführung spricht, ist, dass möglicher Schaden vom Patienten abgewendet wird.

Aufgrund der Ergebnisse der Interviews kann man schlussfolgern, dass es eine Grundvoraussetzung für die Einführung von SkillsLab ist, dass die Vorgesetzten das Projekt SkillsLab unterstützen. Es ist sinnvoll, mit der Geschäftsführung zu vereinbaren, in welchem Rahmen SkillsLab stattfinden soll, um ein möglichst großes Budget zu verhandeln. Denn es ist mit Kosten, aber auch mit hohem Zeitaufwand zu rechnen. Die Räumlichkeiten sollten gut durchdacht sein, damit sie für verschiedene Simulationsszenarien genutzt werden können.

Bedenkt man diese Punkte in der Planungsphase des Projekts, kann es trotzdem noch zu unerwarteten Hindernissen kommen, die jedoch im Austausch mit anderen Schulen und im SimNAT- Netzwerk besprochen und gelöst werden können. Es sollte auch über eine mögliche Zusammenarbeit mit anderen Schulen nachgedacht werden. So können die Räumlichkeiten gemeinschaftlich genutzt werden und die Kosten verteilen sich auf die Kooperationspartner.

Die Implementierung von SkillsLab an einer Pflegeschule erscheint trotz der aufgezeigten Hindernisse und Hürden als wichtig und sinnvoll, da SkillsLab viele Vorteile für die Auszubildenden, die Lehrer und auch für die praktische Arbeit in der Klinik mit sich bringt. Durch den Wandel der Ausbildung hin zu einer generalistischen Ausbildung rückt die Handlungskompetenz stärker in den Fokus. Was im Pflegeberufereformgesetz (2017) gefordert wird, muss von den Berufsfachschulen umgesetzt werden. Damit dies erfolgreich gelingen kann, wird der Schwerpunkt stärker auf die Handlungsorientierung in der Pflegeausbildung gelegt werden. Dies kann mithilfe von SkillsLab gelingen. 

Literatur

Literaturverzeichnis

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Matthias Drossel
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Gesundheits- und Krankenpfleger, Medizinpädagoge und Pflegewissenschaftler, Gesamtschulleitung an den Bamberger Akademien für Gesundheits- und Pflegeberufe, Lehrbeauftragter an Hochschulen.

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