Griechische Inseln: Stellungnahme von Ärzte ohne Grenzen zur erneuten Ankündigung von „Hilfe vor Ort“

23. Dezember 2020 | Gastkommentare | 0 Kommentare

Angesichts der Debatten über die Situation in den Lagern auf den griechischen Inseln fordert Ärzte ohne Grenzen erneut die Evakuierung besonders schutzbedürftiger Personen.

„Die neuerliche Ankündigung von Hilfe vor Ort lenkt von den tatsächlichen Bedürfnissen und Notwendigkeiten ab. Seit fünf Jahren ist die Situation eine Zumutung, trotz unzähliger Ankündigungen leben die Menschen immer noch im Schlamm, haben keine ausreichende medizinische Versorgung und nicht einmal ausreichend sauberes Wasser und Sanitäranlagen zur Verfügung. Daran ändert auch die nunmehrige Ankündigung der Regierung nichts, über eine Organisation eine Kindertagesstätte im Lager Kara Tepe auf der Insel Lesbos zu finanzieren. Das ändert wenig an der prekären Lage, in denen die Kinder leben müssen.

Das Gebot der Stunde ist vielmehr die rasche Evakuierung der Lager, zuallererst der unbegleiteten Minderjährigen, der Familien mit Kindern und der besonders schutzbedürftigen Personen. Wir haben bereits vor dem Brand von Moria unter den Schutzsuchenden auf den griechischen Inseln hunderte Menschen dokumentiert, die dort nicht adäquat medizinisch versorgt werden können.

Es ist auch wichtig zu verstehen, dass die Notlage sich nicht auf die Insel Lesbos beschränkt, dasselbe Bild bietet sich auf Samos, Kos, Chios und Leros. In unserer Klinik auf Samos haben wir zuletzt bei rund 37 Prozent unserer neuen Patientinnen und Patienten im November Suizid-Gefährdung dokumentiert – viele Menschen sind aufgrund ihrer aussichtslosen Lage so verzweifelt, dass sie nicht mehr leben wollen.“

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)