Good Vibrations – Die heilende Kraft der Musik

Es klingt so, als hätte es jemand einfach einmal daher gesagt. Musik habe eine heilende Kraft, Klänge und Melodien könnten besser helfen als Medikamente und Schulmedizin. Der Neurowissenschaftler und Musiker Stefan Kölsch hat mit dem Buch „Good Vibrations“ ein starkes Zeichen gesetzt. Denn was alltäglich erscheint, dem hat er ein wissenschaftliches Fundament gegeben. Was wir über die Wirkung von Musik auf die Gesundheit wissen, dies hat er in seinem lebendigen Buch auf den Punkt gebracht.

Kölsch geht so weit, dass er betont, die Menschen hätten ohne Musik die Evolution nicht überlebt. Er untermauert dies damit, dass Musik zu einer besseren Kooperation und einem stärkeren sozialen Zusammenhalt führe. Musik führe den Menschen zu positiveren Emotionen und einer Förderung der Gesundheit. Und noch mehr: Musik habe eine Minderung von Konflikten zur Folge (S. 25 / 26).

Kölsch hat ein Buch geschrieben, das von einem zu bewundernden Optimismus durchzogen ist. Musik könne Good Vibrations in uns hervorrufen. Dies sei wichtig, weil sich neue Bahnen im Gehirn bildeten, „die es zunehmend einfacher machen, weniger ungesunde und mehr gesunde Emotionen und Stimmungen zu erleben“ (S. 67).

Wie erklärt sich denn der eindrucksvolle Zusammenhang von Emotionen und Musik? Sowohl aus eigenem Erleben als auch als zeitgenössischer Wissenschaftler erklärt Kölsch Hintergründe der Emotionsforschung, bringt diese in den Zusammenhang mit dem Anhören und Selbermachen von Musik. Dabei legt er Wert darauf, dass das Wissen allgemeinverständlich dargestellt wird. Und es sind viele ermutigende Worte, die die Aufmerksamkeit der Leserin und des Lesers binden. Kölsch konstatiert: „Als Musik können wir alles nutzen, was sensuelle und geistige Öffnung fördert“ (S. 83). Oder mit mehr Pathos: „Wenn Menschlichkeit nicht der Kompass für unsere Einstellung ist, stehen wir unserer Gesundheit im Weg. Gesünder ist es für uns, wenn wir mit Musik … den schönen Funken der Freude zünden, mit der wir alle einander menschlich, im Geiste der Brüderlichkeit begegnen“ (S. 91).

Gut verständlich gelingt es Kölsch, die Wirkungen von Musik im Gehirn darzustellen. In diesem Kontext betont er, dass das einfache Hören von Musik bereits helfe. Stärker seien de Effekte, „Wenn man sich beim Musikhören auf die Musik konzentriert“ (S. 191). Ein Grinsen entlockt Kölsch der Leserin und dem Leser, wenn er zu einem morgendlichen Tanzen auffordert. Laut Friedrich Nietzsche sei ein Tag ohne Tanzen ein verlorener Tag, so wie bei Charlie Chaplin ein Tag ohne Lächeln verloren sei. Tanzen trage zur körperlichen Fitness bei, der Spaß halte das Gehirn jung, es reduziere Stress und fördere positive Emotionen (S. 228).

Am Beispiel einzelner körperlicher und seelischer Erkrankungen stellt Kölsch vor, wie Musik bei Krankheiten hilft. Musik deutet Kölsch im Zusammenhang mit dem autobiographischen Gedächtnis. Lebens-Plots seien verknüpft mit Selbst-Entdeckung, Selbst-Entwicklung und Selbst-Verstehen. Sie leisteten ihren Beitrag zum Identitätsbewusstsein und zur Definition unseres Selbst (S. 261). Da spiele Musik eine entscheidende Rolle.

Wenn es ein Beispiel dafür gibt, dass Wissenschaft eine große Alltagsbedeutung haben kann, dann leistet Kölsch mit seinem Buch „Good Vibrations“ einen tollen Beitrag dazu. Ein Bonus mehr: Er zeigt, dass Wissenschaft eine Menge Spaß machen kann.

Stefan Kölsch: Good Vibrations – Die heilende Kraft der Musik, Ullstein Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-550-05252-7, 384 Seiten, 22 Euro.

Autor:in

  • Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at

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