GÖG-Colloquium zum Thema Qualitätsregister für Demenzerkrankungen

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Bei diesem Online GÖG-Colloquium am 20. Oktober 2021 mit rund 87 Teilnehmer*innen unter der Moderation von Frau Mag.a Brigitte Juraszovich, stellte Dr.in med. Sibylle Mayer Standar, Fachärztin für Innere Medizin und Geriatrie und Mitglied in der SveDem-Leitungsgruppe, das SveDem – Schwedisches Register für kognitive und demenzielle Beeinträchtigungen/Demenzerkrankungen vor.

Hier handelt es sich um ein nationales Qualitätsregister für Demenzerkrankungen, dass zum Ziel hat, die Qualität der Diagnostik, Behandlung und Betreuung von Patient*innen mit Demenzerkrankungen zu verbessern.

Die Zahl der Demenzkranken nimmt auch in Schweden zu, vor allem aufgrund der steigenden Zahl älterer Menschen. In Schweden leiden 150.000 Menschen an Demenz, 2/3 von ihnen haben Alzheimer Demenz. Jährlich kommen 24.000 neue Fälle dazu. Um eine bundesweit vergleichbare und qualitativ hochwertige Demenzversorgung zu erreichen, wurde das nationale Qualitätsregister für Demenzkranke SveDem im Mai 2007 ins Leben gerufen.

Patient*innen mit neu diagnostizierter Demenz werden registriert, mittlerweile sind es 100 000 Personen und jährlich nachbeobachtet. Parameter, wie Alter, Geschlecht, Vererbung, BMI, MMSE-Werte, Diagnosen, Demenzuntersuchungen, medizinische Behandlung, Unterstützung durch die Gemeinde, Zeit von der Überweisung bis zur Diagnose werden im webbasierten Register registriert. Daraus folgt jährlich ein Bericht des SveDem für Berufs-, politische und administrative Entscheidungsträger.

Die basale Untersuchung (Anamnese, Status, Labor, kognitive Tests, CT/MRT, Diagnose, Behandlung, BMI, Vererbung, Führerschein, Waffen, Medikamente, Unterstützung für Patient*innen und Angehörige, Wohnform, MMSE-Wert) wird durch die Hausärzte durchgeführt. Die Nachkontrolle erfolgt mindestens einmal im Jahr durch die Hausärzte, im Demenzheim oder zu Hause durch die Hauskrankenpflege. Dabei werden Parameter, wie Größe, Gewicht, Aktivitätsniveau, Medikamente, Behandlungen, Angehörige, QUALID Skala (dient zur Bewertung der Lebensqualität bei Personen mit Demenzerkrankungen im Spätstadium) und Person-zentrierte Pflege erhoben.

Die Ergebnisse werden in diversen wissenschaftlichen Artikeln publiziert. Zwischen 2007 und 2020 wurden mehr als 80 wissenschaftliche Artikel (allein 2020 17 Artikel), 20 Examensarbeiten und 6 Disputationen veröffentlicht.

Als eine der Veröffentlichungen, wurde beim GÖG-Colloquium Studie Long-term Effects of Cholinesterase Inhibitors on Cognitive Decline and Mortality (First published March 19, 2021, DOI: https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000011832 ) vorgestellt.

Ziel der Studie war zu untersuchen, ob Cholinesterase-Inhibitoren (ChEIs) zu einem langsameren kognitiven Abbau bei Alzheimer-Demenz und einem verringerten Risiko für schwere Demenz führen, mit folgendem Ergebnis: ChEIs sind mit einem bescheidenen, aber im Laufe der Zeit anhaltenden kognitiven Nutzen sowie mit einem verringerten Mortalitätsrisiko verbunden, was teilweise durch ihre kognitiven Effekte erklärt werden kann. Galantamin (Wirkstoff pflanzlicher Herkunft aus der Gruppe der Cholinesterase-Hemmer. Durch Inhibition des Enzyms Acetylcholinesterase im Gehirn führt es zu einer Erhöhung von Acetylcholin und zu einer Verbesserung der Symptomatik bei der Alzheimer-Erkrankung) war der einzige ChEI, der eine signifikante Verringerung des Risikos zeigte, an schwerer Demenz zu erkranken.

Eine konkrete Umsetzungsplanung des Registers für Österreich wurde nicht besprochen, lediglich, dass es auch bei uns von Nutzen wäre, um die Qualität der Angebote zu verbessern und somit auch die Lebensbedingungen von Menschen mit Demenz.

 

Autor:in

  • Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin (Fachbereich Geriatrie), Leitung Betreuungszentrum im Kuratorium Wiener-Pensionistenwohnhäuser, Studentin der FH Campus Wien (Advanced Nursing Practice)

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