Gemeinsam in die Öffentlichkeitsarbeit

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Was würde passieren, wenn sich aus allen Berufsgruppen ein interdisziplinäres Team zusammentun würde, welches proaktiv mit den JournalistInnen und der Politik agiert? Was wäre, wenn ein solches Team auf relevante „Tagesthemen“ reagieren könnte und seine gemeinsame Expertise den Journalisten anbietet? Wie spricht man mit der Politik?

Und genau dies ist passiert! 

VertreterInnen aus den unterschiedlichsten Berufs- und Tätigkeitsfeldern gehen ab nun einen gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeitsweg. Natürlich sind noch nicht alle Berufsgruppen und Sparten vertreten, aber der erste Stein ist bereits gesetzt und man darf gespannt sein, was dieses Gremium auf die Beine stellt. Weitere ExpertInnen werden hierzu eingeladen. Das Team wird sich aus allen Berufsgruppen und Sparten im Gesundheitswesen zusammensetzen. Geplant ist eine proaktive Kommunikation mit den Medien, denn die ExpertInnen haben eine Menge zu erzählen. Natürlich wird es auch zu tagesaktuellen, kritischen Themen entsprechende Statements geben und auch direkte Anfragen an die Politik werden im Arbeitsrepertoir der Gruppe ein wichtiger Punkt sein.

Alles in allem ist dies, die zweite Runde des Projekts „#pflegechanger„. Wir werden alle Personen in den kommenden Wochen entsprechend vorstellen.

Für den Start haben wir das ExpertInnen-Team gebeten, ein Statement abzugeben:


DGKP Marieluise Einfalt – für den Bereich „Hygiene – Infektionsprävention und -kontrolle“

Das Thema „Pflege“ ist derzeit in aller Munde. Welche unterschiedlichen Welten aber unter dem „Dach der Pflege“ zusammentreffen, ist für viele unklar. Dass es in der Pflege zum Beispiel auch enorme Kompetenzen im Bereich der Infektionsprävention und Infektionskontrolle gibt, weiß kaum jemand – und das trotz der Pandemie.  Meine absolute Kernkompetenz ist das Erkennen, Bekämpfen und Verhüten von Infektionen. Durch meine langjährige Tätigkeit in verschiedensten Bereichen, angefangen von normalen Pflegestationen, Intensivpflege bis hin zum Spezialbereich der Krankenhaushygiene, kann ich feststellen, dass sich einige Baustellen der Pflege, wie ein roter Faden durch alle Gesundheitsberufe ziehen. Wir brauchen Infos von Profis für Profis. Außerdem eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen den Playern im Gesundheitswesen, um von der Stelle zu kommen.

Es ist Zeit. Ich bin bereit. Wir sind bereit.


DGKP Mag.a Doris Fölsch – für den Bereich „Ethik“

Das pflegerische Handeln fachlich wie aber auch ethisch zu begründen, ist Bestandteil professioneller Pflege. In der Pandemiesituation haben sich ethische Dilemmata, vor denen die Pflege steht, besonders stark gezeigt. Mit enorm viel Engagement wurde im Spannungsfeld zwischen Sorge und Freiheit und im Bedürfnis kranker Menschen, in Krankheit und Pandemie nicht allein zu sein, nach Wegen gesucht. Diese Spannungsfelder und das tagtägliche Engagement diese gut zu bewältigen, wurde von den Medien nicht angemessen wahrgenommen.

In vielen Berichten wurde offensichtlich, dass Journalist*innen nur eine sehr einseitige (rechtliche) Perspektive wahrnehmen, das Berufsfeld Pflege jedoch nicht kennen oder sehr verzerrt darstellen (Journalist*innen die über „Insassen“ anstelle von Bewohner*innen sprechen).  Diskussionen über die Situation der Pflege wird von Universitätsprofessoren (das hier nicht gegendert ist spiegelt die Realität wider) und Jurist*innen geführt in denen teilweise die Pflege nicht einmal geladen wurde. Wir freuen uns über viele verschiedene Perspektiven, können aber für ethische Fragen in der Pflege selbst Expertise anbieten. Wir wollen in Medien, Gesellschaft und im fachlichen Diskurs ein Bild der Pflege zeigen, wie es vielschichtig tatsächlich ist. Vielleicht hilft dies auch dem Personalmangel zu begegnen.


DGKP Marina Meisterhofer MSc – für den Bereich „Häusliche Krankenpflege“

Pflege gehört den Pflegenden und den unmittelbar Beteiligten. Ob professionelle Pflegekraft, Gesundheitsberufe, Personenbetreuung oder pflegende Angehörige; ob im häuslichen Setting, in Kliniken oder in der Langzeitpflege. Nach 14 Monaten Pandemie, in der über uns geschrieben und gesprochen wurde, reicht es! Wir wollen gehört werden, wir reden ab sofort mit!


DGKP Barbara Hahn BSc – für den Bereich „Kinder- & Jugendkrankenpflege“

Das öffentliche Gesundheitsportal Österreichs beschreibt das Aufgabengebiet der  Kinder- und Jugendlichenpflege als den Bereich, dere die Pflege und Betreuung von körperlich und psychisch kranken, behinderten, schwerkranken und sterbenden Kindern und Jugendlichen sowie von Neugeborenen und Säuglingen umfasst. Kinder- und Jugendlichenpflege ist in allen Bereichen des Gesundheitswesens tätig, wie z.B. in der Pflege, Diagnose, Therapie und Rehabilitation sowie in der Gesundheitsförderung und Prävention. Schulgesundheitspflege ist seit 2016 ebenso im Berufsgesetz verankert wie die Familiengesundheitspflege. Beides zeigt, wie wichtig die Spezialisierung und die Expertise der Pflegepersonen für die Kinder und Jugendlichen ist. Gerade in den nächsten Phasen der Pandemie wird Kinder- und Jugendlichenpflege einen wertvollen Beitrag leisten können – für die Kinder, die Jugendlichen und deren Familiensysteme.


DGKP Karin Hamminger – für den Bereich „Pflege & 24 Stunden Betreuung“

Für mehr als 30.000 Familien ist die 24-Stunden-Betreuung ein gerne gewähltes Angebot geworden! Den betreuten Personen wird damit die Möglichkeit geboten, in ihren eigenen Wohnungen verbleiben zu können und auch von den knapp 60.000 Betreuungskräften wird dieses Model als Beruf gerne ausgeübt und die Möglichkeit ein besseres Einkommen als in ihren Heimatländern zu erzielen, hochgeschätzt. Dennoch sind die laufenden Medienberichte ein herber Rückschlag  im Bemühen um ein sauberes Image und im permanenten Versuch, schwarze Schafe aus diesem Business draußen zu halten. Vor vielen Jahren war die Vermittlung von Personenbetreuung tatsächlich ein undurchsichtiges, intransparentes und tlw. menschenunwürdiges Modell – wo Qualität und Kontrolle so weit von dieser Branche entfernt waren wie die Erde vom Mars. Aber im Lauf der Zeit verbesserte sich dieses Dienstleistungsmodell und vor gut zwei Jahren wurde das vom Bundesministerium in Auftrag gegebene Qualitätszertifikat „ÖQZ24“ geschaffen  ein erster Schritt in die richtige Richtung.  Unterstützend kam hinzu, dass immer mehr Pflegefachkräfte einer Agentur vorstehen oder in dieser als leitende Angestellte geführt werden. Pflegeanamnesen, Pflegeplanungen und Qualitätssicherungsmaßnahmen durch regelmäßige Visiten haben erstmals Einzug gehalten und werden laufend dem Modell der Betreuung angepasst. Leider nicht in der Intensität wie es der jeweilige Betreuungszustand erfordert, sondern abgestimmt an die finanziellen Ressourcen.  Besuche sind derzeit einmal im Quartal im Rahmen des ÖQZ-24 vorgeschrieben. Es braucht aber – abhängig von der jeweiligen Pflegestufe und den damit verbundenen Einschränkungen der betreuungsbedürftigen Personen – mehrere Hausbesuche durch eine/n DGKP. Diese Kosten müssen derzeit die Familien und ihre Angehörigen tragen. Wenn diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegefachkräfte diese Besuche jedoch gesondert abrechnen können, wäre das ein zweiter Schritt in die richtige Richtung und würde eine finanzielle Entlastung für betroffene Familien und ihre Angehörigen, eine Absicherung für das Betreuungspersonal und eine Verbesserung der Qualität bedeuten.“

Dafür benötigt man Cash, den politischen Willen, schlagende Argumente und eine Bühne. Ich sehe in dieser Runde mit ihren hochkarätigen Expertinnen und Experten die Chance, die eine oder andere Vision und Intention in die jeweiligen, vor allem aber richtigen Entscheidungsgremien zu transportieren.


Hebamme Sabine Köllner BSc – für den Bereich „Hebamme“

Auch Hebammen pflegen und sind verantwortlich für das Leben von Mutter und Kind. Von der Familienplanung über Schwangerschaft und Geburt bis zur Betreuung der Jungfamilien und wieder von vorne. Der Kreislauf des Lebens.
In meinen 25 Jahren als Hebamme im intra- und extramuralen Bereich, konnte ich erkennen, dass Hebammen nicht gehört werden, wenn es um wichtige Themen geht. Deshalb ist es wichtig  mit anderen Gesundheitsberufen zusammenzuarbeiten und uns nicht als Konkurrenz zu sehen.  Wir Alle haben nur eine Mission: Zum Wohle der Patient*innen, der Angehörigen und der Gesellschaft. Und dabei darf es keine Befindlichkeiten geben.
„Am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende“ und wir stehen am Anfang!

DGKP Mag.a Sabine Ruppert – für den Bereich „Ethik“

Ethische Kompetenz und ethisches Handeln sind in allen Tätigkeitsbereichen der Pflegepersonen sehr wichtige Aspekte, um qualitätsvolle Pflege leisten zu können. Leider behindern oft die Rahmenbedingungen, unter denen Pflegepersonen arbeiten müssen, die Umsetzung der ethischen Kompetenzen. Dies führt zu Moral Distress mit all seinen Folgen, wie ich in meiner Lehrtätigkeit in diversen Einrichtungen immer wieder feststellen muss. In meiner langjährigen Tätigkeit in diversen Spezialbereichen im In- und Ausland sowie als Pflegeberaterin wurde ich immer wieder mit ethischen Konflikten, v.a. im Kontext von Entscheidungen am Lebensende konfrontiert. Diese finden leider kaum strukturiert statt, die Pflege wird häufig nicht eingebunden. Diese Haltung zeigt sich auch auf politischer Ebene, wo Pflege als Profession nicht wahrgenommen und einbezogen wird, z.B. in Bioethikkommission, Corona-Krisenstäben. Es gibt zahlreiche Pflegeexpert*innen, die ihr Wissen zu (pflege)ethischen Themen in vielen gesellschaftlichen Bereichen einbringen können und wollen, wie beispielsweise in den Menschenrechtskommissionen der Volksanwaltschaft. Es ist mir ein großes Anliegen, die pflegeethische Expertise sichtbar zu machen, aber auch die Bedeutung von Rahmenbedingungen, die pflegeethisches Handeln ermöglichen. Pflegeexpert*innen müssen hinkünftig in Entscheidungsprozesse in der Gesundheitsversorgung, aber auch konkret in ethische Entscheidungsprozesse in der jeweiligen Praxis miteinbezogen werden, um die Qualität der Betreuung der ihnen anvertrauten Menschen zu verbessern.


DGKP Denise Schäfer BSc – für den Bereich „ANP“

Es heißt immer: „Die Pflege braucht eine Stimme!“ Wir brauchen nicht eine Stimme – wir haben 180.000 Stimmen in Österreich! Die Problematik liegt darin, dass wir zu leise sind und laute Stimmen für uns sprechen lassen. Wie kann es sein, dass wir Politiker*innen entscheiden lassen, wo unsere Brennpunkte, Herausforderungen und Lösungsansätze liegen, wenn wir die Expert*innen unseres Berufes sind? Niemand wartet auf uns. Niemand fragt uns. Niemand wird etwas für uns verändern. Aber ein Niemand kann auch keine revolutionäre Schritte setzen.  Wir hatten in der Geschichte der Pflege in Österreich genügend „Niemande“ die für die Pflege gesprochen haben. Wenn wir das System verändern wollen müssen wir uns selbst verändern – denn wir sind das System!


DGKP Sonja Schiff MA – für den Bereich „Altenpflege“

Seit 35 Jahren bin ich Pflegeperson und seit 35 Jahren erlebe ich, wie Medien und Politik ÜBER Pflege reden und schreiben, aber selten bis kaum MIT Pflege.  Ab sofort gibt es keine Ausrede mehr. Wer möchte, dass sich Pflege und die Perspektive des Pflegeberufes in Österreich ändert, wer möchte, dass Pflege ein Traumberuf wird, der redet MIT uns. Ich bin Fachfrau für den Bereich Altenpflege und freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme.


DPGKP Gerhard Schossmaier MSc – für „Psychiatrische Pflege“

Professionell Pflegende tragen seit Jahrzehnten zur Verbesserung und Kosteneffizienz im Gesundheitswesen bei. Die psychiatrische Pflege bemüht sich dabei besonders um jene Menschen, die mit der Herausforderung einer psychischen Erkrankung, kognitiven Defiziten, außergewöhnlichen psychosozialem Stress oder traumatischen Erlebnissen leben müssen. Psychiatrisch Pflegende repräsentieren die größte Berufsgruppe, die zudem die größte Vielfalt an Tätigkeiten in den unterschiedlichsten Verantwortungsbereichen im psychiatrischen Handlungsfeld abdeckt (z.B. Case-Management). Ausgehend von einem Bio-Psycho-Sozialen Menschenbild, übt die psychiatrische Pflege unterschiedliche zentrale Rollen und Verantwortungen in der Förderung der psychischen Gesundheit und Bewältigung psychischen Leidens von Menschen aller Altersgruppen bei. Eine zentrale Bedeutung dabei hat die Gestaltung einer tragfähigen und therapeutisch wirksamen Beziehung zu den betroffenen Menschen. Psychiatrische Pflegekräfte müssen zukünftig in die Entscheidungsprozesse in der Gesundheitsversorgung auf Grund ihrer speziellen Expertise eingebunden und gehört werden. Dies wird sich das sich positiv auf die Versorgung der betroffenen Bevölkerungsgruppen und die Kosten im Gesundheitswesen auswirken.


DPGKP Friederike Skopek-Johnson – für „Psychiatrische Pflege“

Seit ca. 30 Jahren wird über den Pflegenotstand gesprochen. Seither hat sich viel getan. Wenig hat gewirkt. Es ist schwierig in der Realität des Pflegenotstands innovative Lösungsansätze gegen den Notstand zu entwickeln, wenn man mit der Bewältigung der Realität beschäftigt ist. Aus meiner Sicht braucht Pflege und Betreuung ein nachhaltiges Management, welches bereit ist, sich auf die Problemfelder einzulassen und der Pflege eine Stimme gibt. Ein Management, dass Empfehlungen, Anregungen und Ideen der Pflege annimmt. Ein Management, dass einen Schritt gegen Moral Distress und Dilemmata setzt. Die Pflege weiß wie es funktionieren kann! Ein Management, dass bereit ist den Defiziten des Systems Namen zu geben und sich auf den Weg der Revitalisierung in eine gemeinsame, kraftvolle und visionäre Zukunft zu machen – gemeinsam sind wir stark. Gemeinsam sind wir bereit für die Zukunft. „Ready for the future“


DGKP Michael Urschitz – für „Pflege im Intensiv- und Anästhesiebereich“

Henry Ford hat einmal gesagt, Erfolg besteht darin, dass man genau die Fähigkeiten hat, die im Moment gefragt sind. Ich bin mir sicher, es gibt keinen besseren Moment als genau jetzt um aufzuzeigen, welche Fähigkeiten in uns allen stecken. Diese Botschaft gehört nach außen transportiert! Und genau das ist es, was wir hier in dieser Gruppe machen wollen und werden“.


DGKP Prof. Dkfm. Dr. Christoph Zulehner – für „Strategie im Gesundheitswesen“

Das exponetiell wachsende Fachwissen in den Gesundheitsberufen und die Notwendigkeit der Spezialisierung, haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass sich sowohl Expert*innen als auch Unternehmen strategisch positionieren. Die Absichten in der Gesundheitsbranche können dabei aber weder Konkurrenz noch Abgrenzung sein. Ganz im Gegenteil: Eine klare Positionierung stellt die Grundlage für eine erfolgreiche Vernetzung dar. Vernetzt Euch und seid sichtbar.  Für Patient*innen und Expert*innen.

 

Markus Golla
Über Markus Golla 9190 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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