Gehen – Der Weg zu einem achtsameren Leben

„Standfestes Fundament“

Wundert es Sie, dass das Gehen und Wandern mit dem Trend zur Achtsamkeit zusammen gedacht wird? Ehrlich gesagt, hält sich die Überraschung in Grenzen. Schließlich eignet sich das Gehen und Wandern in der Natur hervorragend, um Impulse für die Achtsamkeit mit dem eigenen Körper und dem Leben zu setzen. Von Kindesbeinen an bewegte sich der Autor Sholto Radford mit den Eltern in die Berge und auch andere schöne Wandergegenden. Da lag es für ihn nahe, im Laufe der Jahre den Brückenschlag zur Aufmerksamkeit für Körper und Seele zu wagen.

Ermunterung statt Mahnung – dies kann als Quintessenz unter die Lektüre des Buchs „Gehen – Der Weg zu einem achtsameren Leben“ geschrieben werden. Positiv, konstruktiv, gewinnend kommt Radford daher. Er nimmt die Leser_innen an den Orten ab, an denen sie stehen. Dabei kommt er nichts als Prediger daher. Achtsamkeit ist quasi der Schlüssel zu sich selbst, der mit dem je eigenen Rhythmus in das Schloss bewegt wird. Achtsamkeit beschreibt Radford „als bestimmte Einstellung allen Erfahrungen gegenüber“ (S. 32). Er fordert die Zeitgenoss_innen auf: „Stellen Sie sich der ständigen Herausforderung, das Gleichgewicht zwischen dem Willen, wach und ganz im Augenblick zu sein, und dem richtigen Grad an Anstrengung, um dies zu erreichen, aufrechtzuerhalten, während Sie zugleich offen und wohlwollend bleiben“ (S. 32).

Gerne lässt man sich auf die Anregungen Radfords ein, die wahrhaftig daherkommen, als wären sie Kontergewichte zu Erfahrungen des alltäglichen Lebens. Er ruft auf, Langsamkeit zu genießen, die beim Wandern erfahren wird. Wenn wir bewusst langsamer gingen, so Radford, habe dies Auswirkungen auf die Gehirnaktivität. Langsamkeit ermögliche, „uns ganz darauf einzulassen, was in diesem Moment geschieht“ (S. 55). Auch bietet Radford den Zeitgenoss_innen an, das Wandern und die Stille miteinander zu verbinden. Persönlich habe er überraschende Erfahrungen gemacht, die Menschen in seinem Umfeld auch bestätigt haben. Es hätten sich Menschen dadurch auch verbundener gefühlt.

Radford gelingt es, die Diskurse über das Gehen und die Achtsamkeit auf ein standfestes Fundament zu stellen. Er klärt über das Verhältnis von Bewegung und Gesundheit auf, ermutigt, auf die Sinne zu vertrauen. Gleichzeitig will er, dass sich die Zeitgenoss_innen im Kontext der Jahreszeiten verstehen. Folgt man seinen Spuren, so wird deutlich, dass durch das Gehen und Wandern in Verbindung mit der Achtsamkeit die Verbindung zu sich sowie zur Natur spürbar wird.

Zum Ansatz der Achtsamkeit gehört es sicher auch, dass die textlichen Anregungen Radfords in verdaulichen Happen vorgestellt werden. Er arbeitet mit Übungen und Reflexionen. Die farbliche Gestaltung der Strukturelemente weckt die Neugierde der interessierten Leser_innen. Und nicht nur dies – die Leser_innen fühlen sich animiert, wagen die ersten Schritte zur Einübung der Achtsamkeit beim Gehen und Wandern.

Radford ist ein Lob vor allem gegenüber zu sagen. Er weckt die Begeisterung, auch wenn die Leser_innen bislang keine Freude am Gehen, Wandern oder an der Achtsamkeit empfunden haben. Seinen gewinnenden Worten können sich die Leser_innen nur schwer entziehen. Dies liegt nicht bloß an den Aphorismen, die sich immer wieder finden. So sind die Aphorismen eine Einladung, sich auf Radford und seine Ideen einzulassen: „Von all den Arten der Bewegung, die uns Menschen zur Verfügung stehen, ist das Gehen die beste, um langsam zu werden“ (S. 57). Wagen Sie es, mit Radford die eigenen Wege zum Gehen und zur Achtsamkeit zu finden.

 

9783432107691 400x400Sholto Radford: Gehen – Der Weg zu einem achtsameren Leben, Trias-Verlag, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-432-10769-1, 143 Seiten, 9.99 Euro.

Autor:in

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    Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at

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