Austausch Hauskrankenpflege „Du redest … ich höre zu … WIR finden Lösungen“

Gastkommentar von Jennifer Zamarin BSc

(C) Ingo Bartussek

Den ersten Einblick in die Hauskrankenpflege hatte ich während meines Berufspraktikums in der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin an der FH St. Pölten. Mir wurde die Pflegeplanung gezeigt so wie es sein sollte. Professionell und mit einem Praxisanleiter der besser nicht sein könnte und trotzdem weiß ich erst jetzt, was Hauskrankenpflege wirklich bedeutet.

HKP unterscheidet sich grundlegend zur Guk im Akutbereich. Während im Akutbereich die zu pflegende Person im Mittelpunkt steht so darf die Guk im häuslichen Bereich immer ein Auge auf die Interaktionen innerhalb der Familie haben. Hauskrankenpflege ohne Familienangehörige ist schlichtweg nicht möglich. Es bedeutet eine enge Zusammenarbeit und professionelle Kommunikation mit dem Kunden, mit den oft belasteten Familienangehörigen und den unterschiedlichsten Berufsgruppen im Gesundheitswesen. Physiotherapeuten, Orthopäden, Bandagisten, Wundmanager, Palliativpfleger, Fußpfleger, Sozialarbeiter, Ärzte, Ansprechpartner der Pflegeheime u.v.m. All die Informationen dieser unterschiedlichen Professionen und Menschen, heißt es, in der Hauskrankenpflege zu koordinieren. Das Bedeutet er muss Moderator, Organisationstalent, Wissensträger und empathischer, fachlich kompetenter Pfleger in einer Person sein. Aber, er muss sich dessen auch bewusst sein. Der professionelle Gesundheits- und Krankenpfleger muss seine Fähigkeiten und sein Wissen auch einsetzen um das zu verwirklichen was er in der Ausbildung lernt. Lebe ich mein Wissen, meine Fähigkeiten dann bedeutet Hauskrankenpflege ein ungeheuerliches Potential für ein glückliches, erfolgreiches, fachlich hochqualitatives Berufsleben.

Meine Aufgabe ist nicht nur die fachlich-, methodische Pflege. Meine Aufgabe ist auch die aktive, kommunikative Information meiner Mitarbeiter. Heimhelfer, Pflegeassistenten, Pflegefachassistenten. All diese Berufsgruppen sind sehr interessiert an meinen Diagnosen zu den einzelnen Kunden. Für mich hat es keinen Sinn Ziele zu definieren ohne den Informationsaustausch mit diesen Berufsgruppen. Mittels PP-Präsentation stelle ich die einzelnen Kunden vor und kommuniziere welche Ziele und welche Interventionen sich durch eine gründliche Pflegediagnostik heraus kristallisiert haben. Teilweise werden meine definierten Ziele mit Wohlwollen angenommen oder aber ich höre konstruktive Kritik. Kritik welche ich annehme und daraus folgend Ziele neu formuliere.

Maßnahmen werden mit den Kunden und Familienmitgliedern besprochen. Bei Interesse die gesamte Pflegeplanung erklärt.  Von Kunden hören wir oft. „Danke für die wertvollen, ehrlichen Gespräche.“

Und ja, diese Gespräche sind wertvoll, denn es sind bewusste Gespräche über Probleme über gegenwärtiges und zukünftiges. Dabei mache ich mir all die gelernten Gesprächstechniken zu nutze. Ich bleibe neugierig, halte Augenkontakt, bin ganz beim Kunden, interessiere mich, lasse meinen Kunden das Gespräch bestimmen, zeige Gefühle und Emotionen auf. Lasse ich meine Kunden und die Familie reden so stoßen diese womöglich bald selbst auf Lösungen wie die Pflege gestaltet werden soll.   Gespräche über die Familie, den Tod, Freuden und Leiden. Manch einer mag diese Gespräche als belastend empfinden aber es ist so viel mehr,  Gespräche können dermaßen bereichernd sein. Unsere Alten haben unglaubliche Lebenserfahrung. Jede Guk kann davon profitieren und Energie aus diesen tiefsinnigen Gesprächen ziehen. Man muss sich nur darauf einlassen.

Ich möchte hier keine Unwahrheiten erzählen. Viel für eine Intervention mit der ganzen Familie haben wir nicht. Zu gerne würde ich noch viel familienzentrierter arbeiten. Wie gerne würde ich ein Genogramm, ein Ökogramm, ein Beziehungsdiagramm erstellen. Wie gerne würde ich die Strukturen innerhalb der Familie entschlüsseln. Wie einfach wäre es dann Ressourcen der Familie zu mobilisieren, Freunde mit ins Boot zu nehmen, Nachbarn, ehemalige Berufskollege. Ich bin guter Hoffnung dass unsere Politik erkennt dass diese Assessments verbunden mit einem kleinen zeitlicher Mehraufwand ein Riesen- Kostenersparnis, aufgrund möglicher Ressourcen, in der häuslichen Pflege bringen würde.

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